Die „Fix und Foxi“-Hefte gab es seit den 1950er-Jahren. Unser Fotograf hat eines dieser Exemplare bei sich zu Hause aufgestöbert und es hier abgelichtet.
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Die „Fix und Foxi“-Hefte gab es seit den 1950er-Jahren. Unser Fotograf hat eines dieser Exemplare bei sich zu Hause aufgestöbert und es hier abgelichtet.

Kaukasien lag nah bei Freising

Er war der „deutsche Walt Disney“: Der „Fix und Foxi“-Verleger Rolf Kauka lebte einst bei Zolling

Der „deutsche Walt Disney“, Rolf Kauka, lebte über Jahrzehnte auf dem Gut Eichenhof bei Zolling. Mit „Fix und Foxi“ hat er die frühe deutsche Comic-Szene maßgeblich geprägt.

Zolling– Er hat die frühe deutsche Comic-Szene maßgeblich beeinflusst und geprägt – vor allem seine beiden erschaffenen Hauptfiguren Fix und Foxi begeisterten Generationen von Comic-Liebhabern. Der „deutsche Walt Disney“ Rolf Kauka lebte über Jahrzehnte auf dem Gut Eichenhof bei Zolling – sein Todestag jährt sich heuer zum 20. Mal.

Der Gutshof

Es ist durchaus denkbar, dass einige von Kaukas Heft-Ideen tatsächlich auf jenem Gutshof entstanden sind, den der Comic-Produzent Anfang der 1960er Jahre gekauft hatte. Ein riesiges Areal mit Weihern und alten Baumbeständen, weit weg von jeglichem Trubel – angeblich von den Leuten der Gegend scherzhaft „Kaukasien“ genannt.

Das immer noch existierende Herrenhaus von Kauka könnte mit seiner ungewöhnlichen Architektur eine Blaupause für das deutsche Entenhausen gewesen sein.

Die Charaktere

Die titelgebenden Hauptfiguren, die beiden jungen Füchse Fix und Foxi, gab es da allerdings schon – sie hatten ihren ersten Auftritt bereits in den 1950er Jahren neben Lupo, Lupinchen oder Knox. Komplett wurde die Comic-Familie aber erst mit Onkel Fax 1961 – dessen künstlerische Weiterführung durchaus in die Zollinger Zeit fallen würde. Zudem prägnant: Fuxholzen, der Lebensraum der tierischen Helden, zeigt durchaus Ähnlichkeiten zu der Amper-Region – und noch viel mehr das immer noch existierende Herrenhaus von Kauka, das mit seiner Architektur und dem ungewöhnlichen Reetdach eine Blaupause für das deutsche Entenhausen geliefert haben könnte.

Der Verleger

Geboren wurde Rolf Kauka 1917 in Sachsen, seine erste verlegerische Tätigkeit ist ab 1947 aktenkundig. In den 1950er Jahren fokussierte sich Kauka dann auf den entstehenden deutschen Comic-Bereich und hatte damit schon bald Erfolg – bis heute umstritten gelten jedoch seine damaligen nicht gerade sehr werktreuen Übersetzungen von Comic-Lizenzen, die er in seinen Heften publizierte. Zwar förderte Kauka dadurch einerseits den Bekanntheitsgrad von franko-belgischen Comicserien, andererseits veränderte er nicht nur maßgeblich den „Sound“ der Geschichten, sondern auch oftmals die Erzählungen selbst.

So wurden aus Asterix und Obelix anfangs Siggi und Babarras mit fragwürdigem politischen Subtext. Nicht weniger kritisch betrachteten Zeitgenossen den jedenfalls teilweise in Zolling entstanden Versuch Kaukas als Science-Fiction-Autor um 1980 mit „Der Weltuntergang findet nicht statt“. Dieser Roman, sagt der Fantastik-Experte und Verleger Joachim Körber, beschwörte „das Feindbild der Sowjetunion herauf in einer Zeit, in der die Friedensbewegungen in ganz Europa enormen Zulauf hatten“. Für Körber ist Kauka ein „ewig Konservativer“, jedenfalls als Romanautor.

1981 verließ Rolf Kauka krankheitsbedingt mit seiner Frau Alexandra (die er 1975 geheiratet hatte) „Kaukasien“ und zog in die USA – nach Georgia – wo er im Herbst 2000 verstarb.

Bussi Bär

Doch trotz aller kritischen Stimmen: Kauka gelang es Mitte der 1970er Jahre, ein wöchentlich erscheinendes Micky-Maus-Pendant zu erschaffen, das in den besten Zeiten mit einer Auflage von 400 000 Exemplaren pro Ausgabe glänzte. Die Gesamtauflage wird sogar auf über 300 Millionen Stück geschätzt – daneben gab es zudem Taschenbücher, Alben und Sonderausgaben: Mit dem Bussi-Bär konnte Kauka ab 1966 sehr erfolgreich ein noch jüngeres Publikum für sich gewinnen.

Heute allerdings wird man in Comic-Läden auf der Suche nach Fix und Foxi kaum mehr fündig: Nach einigen Wiederbelebungsversuchen wurde die Heftreihe 2010 endgültig eingestellt. Heutzutage, so die Auskunft des Comic-Company-Shops München, lesen junge Leute vorwiegend Mangas – an die „Fix und Foxi“-Reihe würden sich nur vereinzelt Leute ab 50 erinnern.

Ebenso wenig erinnert in Zolling selbst etwas an Kauka – außer vielleicht so mancher junge Fuchs, der durch das Ampertal streift.

Richard Lorenz

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