+
„Ich habe kein Heimweh, denn ich fühle mich hier zu Hause“: Pater Michael John Devanathan OPraem betreut den Zollinger Pfarrverband seit 2016 als Kaplan.  

Interview mit Pater michael

Gottes Gastarbeiter in Zolling

Händeringend werden in ganz Deutschland Priester gesucht. So wie der indische Pater Michael stammt mittlerweile jeder zehnte Pfarrer nicht mehr aus Bayern.

Zolling – Der Geistliche kam nach seiner Priesterweihe Ende August 2016 nach Deutschland, um Pater Ignatius Kullu als Kaplan im Pfarrverband Zolling zu unterstützen. Anfangs kutschierte ihn Messnerin Anneliese Schmiedkunz noch zu den Dörfern (zum Pfarrverband gehören auch Haag, Inkofen und Oberappersdorf). Mittlerweile kann der Pater selbst fahren, weil er seinen Führerschein bei der DEULA in Freising fehlerfrei bestanden hat.

-Pater Michael, das zweite Jahr ihres Wirkens im Pfarrverband ist bald vorbei. Wie geht es heute Gottes Gastarbeiter in Zolling?

Am Anfang war es etwas schwierig – auch mit der Sprache, weil ich oft mit vielen älteren Leuten in Kontakt komme, die bairisch sprechen. Mittlerweile verstehe ich den Dialekt aber gut und bin sehr zufrieden. Ich mache alles mit großer Freude, ob es nun Pfarrgottesdienste, Kindergottesdienste, Taufen oder Hochzeiten sind.

-Wurden sie eigentlich von ihrem Orden im Prämonstratenserkloster nach Bayern geschickt, oder sind Sie freiwillig zu uns gekommen?

Wir Priester sind vorher gefragt worden. Ich habe gleich Ja gesagt und bin sehr gern und freiwillig als Geistlicher nach Bayern gekommen.

-Wie wurden sie auf Ihre Tätigkeit in Bayern vorbereitet, und wo haben Sie so gut Deutsch gelernt?

Vor sieben Jahren habe ich in Indien bereits die deutsche Sprache gelernt, hatte jedoch danach leider kaum die Möglichkeit, meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Denn ich konnte mich in Indien nicht mit Leuten auf Deutsch unterhalten. Als ich hierher gekommen bin, konnte ich meine Sprachkenntnisse sehr schnell verbessern.

-Können Sie sich noch an ihre erste Predigt im Pfarrverband erinnern?

Meine erste Predigt habe ich in Zolling in der St. Johannes-Kirche gehalten. Thema war „Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Unser Glauben hängt wie bei einem Fahrrad von zwei Reifen ab. Ich nannte die beiden Räder vergleichsweise „Tradition und Bibel“, die uns Licht geben, wie mit einem Dynamo. Und ich sagte den Gottesdienst-Besuchern: „Es hängt von uns selber ab, wie wir mit dem Glauben und der Tradition weitergehen.“

-Bereichern Sie Ihre Gottesdienste mit indischen Elementen?

In Indien wird immer ganz spontan gepredigt, der Pfarrer liest seine Worte niemals von einem Zettel ab. Hier muss der Priester nach genauen Regeln die Einführung, das Kyrie, die Fürbitten und die Predigt oder das Dankgebet ganz genau vorbereiten. Ich finde diese Ordnung sehr gut. Mittlerweile habe ich schon zirka 180 Predigten gehalten.

-Auch ein Kaplan hat manchmal Freizeit. Gibt es ein spezielles Hobby?

In meiner Freizeit zeichne und male ich oft Bilder, Glückwunsch- und Dankeskarten. Außerdem bastele ich sehr gerne.

-Haben Sie manchmal Heimweh?

Ich habe kein Heimweh, denn ich fühle mich hier zu Hause. Das liegt wohl auch daran, dass ich mein Elternhaus bereits sehr früh verlassen musste, denn ich ging nach der Schule gleich ins Internat und danach ins Priesterseminar. Während der Priesterausbildung hatten wir immer nur alle alle Jahre Urlaub. Aber jetzt kann ich jedes Jahr einmal Urlaub machen und in mein Heimatland Indien fliegen.

Gut zu wissen

Pater Michael John Devanathan OPraem erblickte am 5. Oktober 1985 in einem kleinen Dorf im Süden Indiens das Licht der Wel. Sein Vater ist Landwirt, die Mutter Hausfrau. Bereits mit 10 Jahren ging Michael ins Internat. Mit 16 kam er in ein Prämonstratenserkloster, um Priester zu werden. Nach seinem Studium in Philosophie, Soziologie und Theologie wurde der 32-Jährige am 27. Dezember 2015 zum Priester geweiht. Seit August 2016 wirkt er in Zolling.

Wolfram Riedel

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Aderlass bei der DEULA in Freising: Sechs Mitarbeiter haben gekündigt
Seit Monaten blickt die DEULA in Freising in eine ungewisse Zukunft. Noch immer steht nicht fest, ob das Berufsbildungszentrum in der Stadt bleibt oder ins …
Aderlass bei der DEULA in Freising: Sechs Mitarbeiter haben gekündigt
Ominöse Ölquellen
Sein Verfahren wegen Umweltgefährdung wurde vor dem Landgericht eingestellt. Dafür muss der angeklagte Kfz-Meister aus dem Ampertal eine Geldauflage berappen.
Ominöse Ölquellen
Aderlass bei der DEULA
Die Zerreißprobe für die DEULA geht weiter. Es gibt Umsiedlungspläne, aber noch immer keine endgültige Entscheidung der Gesellschafter.
Aderlass bei der DEULA
Ein wahrhaft höllisches Vergnügen
Noch üben sie, doch die Premiere ist nicht mehr weit: Die Dorfbühne Günzenhausen spielt auch heuer wieder im November einen Dreiakter. Seit Anfang September laufen die …
Ein wahrhaft höllisches Vergnügen

Kommentare