Sperrstunde in gastronomischen Betrieb
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In der Gastronomie geht momentan nichts. Symbolbild

„Branche ist größer als BMW und Audi zusammen“

So soll die Gastronomie krisenfester werden: JU Haag-Zolling diskutiert mit Bayerns DEHOGA-Chef

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Das Coronavirus beeinflusst die Gastronomie enorm. Um das Thema „Wirtshauskultur der Zukunft - Chancen und Risiken unserer Zeit“ ging es nun bei der Jungen Union Haag-Zolling.

Zolling – Früher hieß es Gesprächsrunde, heute heißt es „Talk about“. Zumindest war so eine neue Veranstaltungsreihe der Jungen Union Haag-Zolling benannt, die am vergangenen Mittwochabend Premiere gefeiert hat. Selbstverständlich – und auch das ist heute anders als früher – online per Video. Das Thema des Abends war allerdings eines, das es in Bayern schon früher gab und im Freistaat seit jeher wichtig ist: „Wirtshauskultur der Zukunft – Chancen und Risiken unserer Zeit“.

Die Hotel- und Gaststättenbranche ist mit über 400.000 Beschäftigten größer als BMW und Audi zusammen.

Thomas Geppert, Geschäftsführer DEHOGA Bayern

Geredet wurde über das Thema mit dem Landesgeschäftsführer der DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) Bayern, Thomas Geppert. Der beleuchtete in seinem Eingangsstatement die Zeit vor, während und nach Corona. „Die Hotel- und Gaststättenbranche ist mit über 400.000 Beschäftigten größer als BMW und Audi zusammen. Dennoch kommt die Vielfalt unserer Gastronomiebetriebe in der Diskussion leider oftmals zu kurz“, klagte Geppert. Er sei dennoch froh darüber, dass bei allen Entscheidungen, die in der Pandemie getroffen werden müssten, auch die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen bedacht werde. Manches freilich gehe noch zu langsam: Beispielsweise seien „die Novemberhilfen bisher noch nicht bei den Gastronomen angekommen“, monierte Geppert, der sich zudem „eine stärkere Beteiligung der Parlamente“ wünschte.

Mehrwertsteuersenkung soll Liquiditätsstand verbessern

Der Ortsvorsitzende der JU Haag-Zolling, Benedikt Flexeder, fragte zur Eröffnung der Diskussion, wie man die Gastronomie in Zukunft krisenfester machen könne. „Die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie ist hier ein wichtiger Baustein, um den Liquiditätsstand zu verbessern“, antwortete Geppert. So habe die Branche „mehr Luft“, um sich ein Polster anzulegen. Zudem sei es wichtig, dass man sich breiter aufstelle, um Krisen besser zu meistern.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Matthias Enghuber wollte von Geppert wissen, „wie wir die Wirtshäuser auf das veränderte Ausgehverhalten der jungen Bevölkerung ausrichten können“. Als er noch in der Jungen Union aktiv gewesen sei, so Enghuber, habe man – und zwar durchaus erfolgreich – die Wiedereinführung der Sperrfrist bekämpft. Ob dies heute noch angemessen sei, „wo junge Leute teilweise erst um ein Uhr ausgehen anstatt wie vor 15 Jahren um 22 Uhr“, da sei er sich nicht mehr so sicher. Geppert betonte, dass dies „im besten Falle der Markt zu entscheiden hat“.

Barbetreiber Sebastian Bollinger aus Neuburg an der Donau berichtete aus der Praxis: „Wir würden uns manchmal eine Sperrstunde wünschen, um auch mal schlafen zu können.“ Er komme teilweise, nachdem er alle Abrechnungen und Formulare erledigt habe, erst um sieben oder acht Uhr morgens nach Hause. Eine Sperrstunde ab drei oder vier Uhr würde da schon manchmal helfen.

Fortsetzung für dieses Veranstaltungsformat geplant

Einig war man sich an diesem Abend vor allem darüber, dass es schnellstmöglich wieder „weitergehen muss“, so Flexeder, denn „Unternehmer wollen etwas unternehmen und nicht mit Fragen in Unsicherheit gelassen werden“.

Nach eineinhalb Stunden war die Diskussionsrunde zu Ende, war Schluss mit „Talk about“. Flexeder kündigte an, dass es „nach diesem erfolgreichen Auftakt“ mit dem Veranstaltungsformat „definitiv weitergeht“. Welche Themen in Zukunft noch behandelt werden, darüber mache man sich bei der Jungen Union Haag-Zolling jetzt Gedanken. Man hoffe jedoch, dass es auch mal wieder „live“ möglich sei. „Talk about live“ also – am besten selbstverständlich im Wirtshaus.

Mit frischen Ideen haben sie der Krise getrotzt: Das Team von „Maiers Hofstubn“ ist in den vergangenen Monaten über sich hinausgewachsen.

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