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Geschichtskenner Friedrich Keydel nahm die Gäste mit in Zollings bewegte Vergangenheit.

Blick in Zollings Geschichte

Hilfe, das Mauthäusl zerfällt

Zolling steht ein Fest ins Haus: Mit der 1275-Jahr-Feier rückt die Ampergemeinde 2019 in den Fokus der Öffentlichkeit. Geschichtskenner Friedrich Keydel hat den Ort schon jetzt genau unter die Lupe genommen. Und Zolling hatte in seiner langen Geschichte eine ganz besondere Bedeutung für die Menschen der Region.

ZollingDer Ort im Ampertal 744 wurde urkundlich zum ersten Mal erwähnt. Dass er auch schon in prähistorischer Zeit, von Bedeutung war darüber informierte Friedrich Keydel bei der Jahreshauptversammlung des Geschichtsforums Freising.

Keydel ist ein Kenner der Materie. Er zeigte auf, welch strategisch wichtige Bedeutung der Ort im Laufe der Jahrhunderte hatte. Mit der Landnahme der Bajuwaren, etwa 500 nach Christus, habe sich ein Mann Namens Zollo mit seiner Familie an der Amper niedergelassen. Als erste und älteste Eintragung in die Freisinger Traditionen sei die Schenkung eines gewissen Moatbert und dessen Frau Totana an die „jungfräuliche Maria in der Stadt Freising“ im Jahr 744 belegt. Keydel verwies hier auf die Recherche des Freisinger Geschichtsforschers Adolf Widmann, der herausgestellt habe, dass Zolling neben Freising wohl der älteste Ort im Landkreis und im früheren Hochstift Freising sei.

Eine strategisch wichtige Bedeutung habe Zolling nach dem Föhringer Brückensturz im Jahr 1158 erhalten. Nachdem Herzog Heinrich der Löwe die wichtige Verbindung zur Salzstraße nach München verlagert hatte, wurde der Passierbereich über die Amper bei Zolling ausgebaut.

Um in das Hinterland der Hallertau und weiter nach Regensburg zu gelangen, seien die Fürstbischöfe dann über die Brücke in Zolling gereist. Der sogenannte „Pruckhay“ – das Anwesen am westlichen Ufer der Amper – sei als „Brückenpfleger“ eingesetzt worden: Eine Art „Keimzelle“ für den späteren Ort Zolling. Keydel zeigte auch auf, welch wichtige Bedeutung das frühere Mauthäusl in Erlau im 18. Jahrhundert hatte. Das Kurfürstentum Bayern habe sich damals um die Straße zwischen Freising und Mainburg gekümmert. Ein „Kurbaierischer Zoll-, Straßen- und Wasserinspektor“ sei eingesetzt worden, der seinen Sitz im Mauthaus in Erlau hatte. „Das war ein ganz repräsentativer Bau, den der Kurfürst da hingestellt hat“, betonte Keydel. „Man muss ja bedenken, dass die Bevölkerung damals noch in Hütten gehaust hat.“ Und dass sich dieses, die Historie prägende Gebäude derzeit in einem arg desolaten Zustand befinde, das konnten die zahlreichen Gäste des Vortrags nicht gutheißen. „Da muss man doch etwas machen“ , monierten sie. Sonst fällt das doch irgendwann einmal zusammen. Keydel konnte leider nur die Schulter zucken: „Das Gebäude befindet sich im Privatbesitz.“ Generationen hätten sich schon um den Erhalt bemüht, leider stets ohne Erfolg. 

Maria Martin

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