Ein Mann wird geimpft
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Historischer Augenblick: Der erste Landkreisbürger (78) wird geimpft.

Premiere Im Zollinger Seniorenzentrum verlief ohne Probleme

Impfstart im Kreis Freising: Beim ersten Stich wurde es ganz still

  • Helmut Hobmaier
    vonHelmut Hobmaier
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Endlich: Am Sonntag wurden die ersten Bürger des Landkreises Freising geimpft. Ein historischer Augenblick. Jetzt ist aber erst einmal Geduld gefragt.

Zolling – Ein kurzer Stich mit einer feinen Nadel, doch einer von enormer Bedeutung am Ende eines langen, oft düsteren Pandemiejahrs: Am Sonntag ab 9 Uhr wurden im Seniorenzentrum Zolling die ersten Landkreisbürger gegen Covid-19 geimpft: „Das ist der Schritt nach vorne, den wir jetzt dringend brauchen, um wieder zurück zur Normalität zu kommen“, sagte ein sichtlich erleichterter BRK-Chef Albert Söhl. Alles klappte wie am Schnürchen beim eher symbolhaften Impfstart mit 100 Dosen.

Sehnsüchtig erwartet: Die ersten Impfdosen sind im Zollinger Seniorenzentrum eingetroffen.

Unterwegs mit kostbarer Fracht

Zwölf Einsatzkräfte des BRK Freising und der Johanniter Allershausen bildeten das mobile Team, das für die Aktion zum Seniorenzentrum Pichlmayr in Zolling fuhr – mit an Bord die kostbare Fracht, die ersten 100 Impfdosen, die der Landkreis noch am Samstag erhalten hatte. Im Freisinger Impfzentrum hatten sich die Einsatzkräfte vorab noch per Schnelltest versichert, dass sie frei vom Coronavirus waren. Erst dann brachen sie zum Seniorenzentrum auf. Ein 78-jähriger Heimbewohner und die Altenpflegerin Ina Voß (57) waren dort als Erste an der Reihe.Vorab galt es jedoch, eine Reihe von Fragen zu klären: Hat der Impfwillige Blutverdünner genommen? Hat er eine Blutgerinnungsstörung? Ist eine Allergie bekannt? Hatte er vor Kurzem eine andere Impfung?

Zehnmal schwenken, keinesfalls schütteln: „Es wurde sehr ruhig im Gemeinschaftsraum des Seniorenzentrums, als zwei Notärzte den Impfstoff von BioNTech vorbereiteten, und ganz still, als dann die erste Spritze mit dem Impfstoff aufgezogen wurde“, berichtete Eva Zimmerhof, Sprecherin des Landratsamts, die für die Medien im Landkreis bei der Impfpremiere mit dabei war. „Es war ein besonderer Moment selbst für Rettungskräfte, die schon viel gesehen haben.“

Ein kurzer Pieks, aber ein großer Schritt nach vorn: Ina Voß (57) wird geimpft.

Ina Voß kann jetzt mit ihrem Vater (90) Geburtstag feiern

Die Lage im Klinikum Freising hat sich vor Weihnachten entspannt – sowohl auf der Intensivstation als auch im übrigen Haus. Weil planbare Operationen verschoben worden seien, sei die Zahl der Patienten von 250 Mitte Dezember auf derzeit etwa 170 zurückgegangen, berichtete der Ärztliche Direktor Dr. Markus Neumaier. Trotzdem habe man „sehr viel Arbeit“, weil gerade auf der Intensivstation der „Durchsatz“ an Patienten sehr hoch sei.

Nach und nach impfte das mobile Team dann weitere 52 Bewohner und 23 Mitarbeiter. „Ich habe nun einen Beitrag dafür geleistet, dass die Pandemie aufhört. Dass ich meinen Bewohnern bald wieder ins Gesicht sehen und dass ich mit meinem Vater seinen 90. Geburtstag feiern kann,“ sagte Altenpflegerin Ina Voß nach der Impfung. Aufgeregt sei sie gar nicht gewesen. Sie habe sich im Vorfeld gut über den Impfstoff informiert und sei dann beruhigt gewesen. Mit den übrigen 25 Impfdosen fuhren die Einsatzkräfte anschließend ins Klinikum, um dort Mitarbeiter der Intensivstation und der Isolierstation zu impfen.

Kostbare Fracht: Der Impfstoff trifft ein.

„Wir sind froh, dass wir den Landkreis mit den Impfungen unterstützen dürfen und hoffen, dass wir dann in einem Jahr wieder normal leben können“, sagte Hubert Böck, Rettungsdienstleiter des BRK Freising. Alles sei problemlos verlaufen. Anfang der Woche soll der Landkreis nun wesentlich größere Mengen Impfdosen erhalten. Dann werden die mobilen Teams verstärkt unterwegs sein, um zunächst die impfwilligen Bewohner und Mitarbeiter der anderen elf Seniorenzentren zu versorgen. Die Zollinger Heimleitung Andrea Dörner war erleichtert, dass in ihrer Einrichtung der erste Schritt gemacht ist: „Wir freuen uns, dass wir nun endlich alle wieder in Richtung Normalität gehen.“

Lage im Klinikum hat sich entspannt

Von den 16 Plätzen auf der Intensivstation waren an Heiligabend elf belegt, davon fünf mit Covid-19-Patienten und sechs mit anderen Schwerkranken. Daneben gibt es noch einen „Intermediate Care“-Bereich mit zwölf Betten, von denen etwa die Hälfte belegt ist. Hier werden Patienten versorgt, die nicht die komplette intensivmedizinische Versorgung wie etwa eine Beatmung benötigen. „Es schaut also ganz gut aus“, fasste Dr. Neumaier zusammen. Von einer Situation wie Anfang April, als 16 Patienten beatmet worden seien, sei man noch weit entfernt. „Wir haben in der Therapie große Fortschritte gemacht“, erklärte Neumaier, „und verfügen auch über bessere Medikamente“. So habe sich die Verweildauer auf der Intensivstation erheblich verkürzt. Der ständige Wechsel der Patienten sei aber „sehr zeitaufwendig“, sagte der Ärztliche Direktor.  

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