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345 Seiten Gaudi: Alpengriller heißt der neue Roman von Friedrich Kalpenstein.

Interview mit Autor Friedrich Kalpenstein

„Ich will Menschen mit Humor erreichen“

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Der vierte Herbert ist auf dem Markt – und sofort durchgestartet. Friedrich Kalpensteins neuestes Werk hat es in wenigen Tagen auf Platz vier der i-Tunes-Rezensionen und bei Audible auf Platz 11 in der Kategorie Humor geschafft. Wir haben uns mit dem Palzinger Autor über seinen Anspruch, die Menschen zum Lachen zu bringen, unterhalten. Er hat uns erzählt, wie es sich anfühlt, das neue Buch zum ersten Mal in Händen zu halten, und was es mit einem ganz besonderen Ritual auf sich hat.

Herr Kalpenstein, was bitte ist ein Alpengriller?

(lacht) Die Frage zeigt, mein Plan ist aufgegangen. Der Titel soll die Frage aufwerfen: Was ist das? Herberts neues Abenteuer spielt in den Bergen, er und Hans grillen gerne – es ist so einiges reinzuinterpretieren. Der erste Buchtitel war ein ganzer Satz: „Ich bin Single, Kalimera“ Mit Satzzeichen – suchen Sie danach mal im Internet. Daraus habe ich gelernt. Der Titel besteht aus nur einem prägnanten Wort.

Nach „Männerferien“, wollten Sie sich und Herbert eine Pause gönnen, haben den Roman „Das Leben ist kein Zweizeiler“ dazwischengeschoben. Jetzt ist Herbert zurück: Das Buch ist doppelt so dick wie das erste. Hat der Abstand gutgetan? Haben Sie Herbert vermisst?

Beides! Der Abstand hat richtig gut getan. Ich wollte mir nach der Fertigstellung des „Zwischenbuches“ sogar noch einen Monat Schreibpause gönnen. Nach vier Tagen aber haben sich die Ideen in meinem Kopf förmlich überschlagen und ich musste mit dem vierten Band in der Herbertreihe einfach loslegen. Kreativität zu bremsen, das geht nicht.

-Waren die Herbert-Fans schon in Sorge und haben nachgefragt, ob und wann es weitergeht?

Ja, solche Nachrichten gab es einige. Und das hat mich auch angespornt, sofort weiterzumachen. Es ist das Tollste, was einem Autor passieren kann: Leser, die ungeduldig auf dein nächstes Buch warten.

Und welche Botschaft versteckt sich im „Alpengriller“?

Egal, was für Herausforderungen das Leben bereithält, die Freundschaft ist immer das, was dich auf dem Boden hält oder wieder dorthin zurückholt. Es geht aber auch um die Herausforderung des Elternseins, darum, dass du dich nicht darauf vorbereiten kannst.

Klingt tiefsinnig, gibt es dieses Mal weniger zu lachen als in den drei Werken davor?

Das hoffe ich doch nicht! Nein, ich habe nicht den Anspruch an mich, tiefsinnige Weltliteratur zu schreiben. Meine Bücher sind wie eine Soap. In der Welt passieren schon genug schwere Dinge, da muss ich nicht noch ein schweres Buch schreiben. Ich will lieber karikativ den Spiegel vor Augen halten, den Leser zum Lachen bringen. Ich will die Menschen mit Humor erreichen.

Wird es also nie einen Kalpenstein-Krimi oder Thriller geben?

Ich möchte es nicht ausschließen, dass in einem meiner Bücher irgendwann einmal ein Mord passiert. Momentan ist das aber nicht geplant.

Lesungen auf der Buchmesse, Radiointerviews, Begegnungen mit vielen interessanten Menschen: Was genießen Sie besonders am Autorendasein?

Dieses Drumherum genieße ich natürlich sehr, weil die Hauptarbeit ja allein hinter verschlossenen Türen gemacht wird. Doch das Schönste für mich ist, wenn ich abends den Laptop zuklappe, 15 Seiten geschafft und gelesen habe und mir denke: „Ja, genau da wollte ich hin!“

Schöner, als wenn das Paket mit dem neuen Buch bei Ihnen ankommt?

Das ist natürlich mit nichts zu vergleichen. Ich mache das Riesenpaket immer zusammen mit meiner Frau auf. Neben den vielen Büchern und einem persönlichen Schreiben des Verlags ist da immer auch eine Tafel mit dem neuen Cover für meine „Egowand“ dabei. Es ist schon irre, wenn du das Resultat von vielen Monaten Arbeit endlich in Händen hältst. Und das wird natürlich zelebriert. Genauso wie das Ende eines jeden Buches. Das schreibe ich nie zuhause.

Sondern?

Wenn es sich abzeichnet, dass das Ende bevorsteht, reservieren wir ein Zimmer im Wellnesshotel – und da schreib ich dann die letzten Seiten. Das hab ich einmal gemacht, das Buch ist wahnsinnig gut angekommen – jetzt bin ich abergläubisch.

Am 25. März ist Ihre nächste große Autorenlesung auf der Leipziger Buchmesse. Haben Sie bei Alexander Nadler wieder Schauspielunterricht genommen?

Ich hatte leider keiner Zeit dafür. Was ich von ihm aber schon gelernt habe, ist immer noch sehr präsent und wertvoll. Und Sie müssten das Buch, das ich für die Lesung vorbereitet habe, mal sehen: in der Passage ist Vieles unterstrichen, angemarkert, mit Pfeilen versehen, die mich daran erinnern, höher zu sprechen und so weiter.

Das klingt nach Lampenfieber?

Ja und das ist ein tolles Gefühl – und sehr wichtig. Wenn das nicht mehr da ist, zeigt es, dass man nicht mehr mit Herzblut dabei ist. Aber sobald der erste Lacher kommt, ist die Nervosität wie weggewischt.

Die Rezensionen im Netz sind – bis auf wenige Ausnahmen – positiv, die meisten Leser sind begeistert. Wie gehen Sie mit den negativen Bewertungen um?

Am Anfang hab ich mir das sehr zu Herzen genommen. Mittlerweile kommt es darauf an, wie eine Rezension geschrieben ist. Ist etwas fundiertes dabei, versuche ich schon, etwas mitzunehmen. Wenn es einfach nur böse ist, einer schreibt, „Ich finde es Scheiße!“, kann ich nichts damit anfangen.

Die Herbertreihe kommt auch als Hörbuch sehr gut an. Bei i-Tunes liegt „Alpengriller“ vier Tage nach dem Erscheinen in der Rubrik Humor auf Platz sechs, bei Audible in der Rubrik mittlerweile auf Platz 11. Was ziehen Sie vor: Hören oder lesen?

Da spielen viele Faktoren rein. Kabarettisten wie Polt beispielsweise höre ich lieber. Wenn ich im Auto unterwegs bin, nutze ich die Zeit, um Bücher zu hören.

Haben Sie schon angefangen mit dem neuen Herbert-Abenteuer?

Noch nicht.

Das klingt, als dürften die Fans hoffen.

(lacht) Ja.

Alpengriller

Als „#1 Kindle Humor-Autor“ ausgezeichnet wird Friedrich Kalpenstein auf dem Titelblatt seines neuen Romans „Alpengriller“. Teil vier der erfolgreichen Saga um den Finanzbeamten Herbert zeigt ihn in einem Dilemma, das zahllose Frauen und immer mehr Männer kennen: Er ist Vater eines Sohnes geworden, hat ein Jahr Elternzeit genommen und fühlt sich unbestätigt, weil seine hektisch arbeitende Frau ihn höchstens noch fürs Staubsaugen lobt. Und wie viele Eltern kleiner Kinder würde er gern mehr Gespräche mit jemandem führen, der schon ganze Sätze sagen kann.

Doch es wäre keins der beliebten Herbert-Bücher, wenn kein Abenteuer warten würde: Freund Hans braucht den Hausmann bei seinem neuen Projekt, einem Bauernhof mit Freizeitangeboten bei Berchtesgaden. Herbert ertrotzt sich eine Woche Auszeit, auch wenn er den Einfluss der Schwiegermutter fürchtet („Hat sie ihn schon im Hochbegabten-Internat angemeldet?“). Und dann geht es natürlich richtig los: Der tiefenentspannte Neu-Gastronom Hans braucht alle Hilfe, die er kriegen kann. Eine Werbeagentur hat den Hof für ein Teambuilding-Wochenende gemietet. Dort gibt es aber weder Fernsehen noch W-Lan, dafür Etagenbad und FC-Bayern-Bettwäsche. Wie Herbert und Hans es schaffen, ihre Bruchbude als „Back-to-the-Roots“-Projekt zu verkaufen, wo die Gäste mal wieder richtig zu sich selbst finden können, ist hochamüsant.

Ebenso die Macho-Auseinandersetzungen zwischen Persönlichkeitstrainer und Agenturchef („Es war so viel Testosteron in der Luft, ich fühlte praktisch meinen Bart wachsen“). Natürlich gibt es auch was fürs Herz. Hans interessiert sich für die bezaubernde Bio-Bäuerin Heidi, und der hilfslose Herbert wird von einer kessen Dame aus der Werbeagentur beflirtet. Wird er trotzdem bei seiner Anja bleiben? Findet Hans endlich die Frau fürs Leben? Das sollten Leser und Hörbuch-Fans doch lieber selbst herausfinden. Das Buch endet jedenfalls mit einem Neuanfang für Herbert und lässt auf die nächste Fortsetzung hoffen.

„Alpengriller“, Friedrich Kalpenstein, 345 Seiten, www.amazon.de/tinteundfeder.

Daniela Seulen


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