In Anlehnung an einen Dreiseithof regte Architektin Gloria Glatt in einem Vortrag vor dem Gemeinderat Zolling an, Wohnhäuser zu bauen. 
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In Anlehnung an einen Dreiseithof regte Architektin Gloria Glatt in einem Vortrag vor dem Gemeinderat Zolling an, Wohnhäuser zu bauen. 

Architektin Gloria Glatt referiert in Zolling

Junge Architektin lädt Zollinger Gemeinderat zum Umdenken ein: Bauen wie früher auf dem Dorf

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Rückbesinnung kann ein absoluter Fortschritt sein. Das erfuhren jetzt die Zollinger Gemeinderäte.

Zolling - Ein eindringliches Plädoyer zum Erhalt dörflicher Strukturen hörten am Dienstag die Zollinger Gemeinderäte. Architektin Gloria Glatt war gekommen, um aus ihrer Master Thesis zu berichten. Die Botschaft war klar: Möglichkeiten nutzen, bei der Bebauung den dörflichen Charakter einer Ortschaft zu bewahren, „alte Dorfräume wiederzuentdecken“, wie sie sagte.  Für Bürgermeister Helmut Priller war nach dem Referat und nach einem Blick in die Runde der Gemeinderäte klar: „Da hast du vielen aus dem Herzen gesprochen.“ Stetiger Siedlungsdruck, der die Ausweisung neuer Wohngebiete notwendig mache, „Flächenverbrauch wie nie zuvor“ – das sei die Herausforderung, der sich Dörfer seit Jahren gegenübersehen würden. Statt einförmige Einfamilienhaus-Gebiete auszuweisen, bei denen oft „der Raum zwischen den Häusern“ vergessen werde, bei denen Isolation drohe und ein „enormer Flächenverbrauch“ bestehe, sollte man sich lieber darauf besinnen, in Dörfern wieder höher und enger zu bauen.

Enge Gassen, weite Plätze: Orte der Begegnung schaffen

Betrachte man sich alte Dorfstrukturen, so falle die variable Dichte auf: kleine und große Baukörper, keine allzu strengen Regeln der Anordnung, lange Gebäude und hohe Häuser, Dorfräume als Straßenräume, Wege, Kanten, enge Gasse und weite Plätze. Kurz: „Orte, um Begegnungen zu schaffen“, und „eine Lebendigkeit, in der man sich behaglich fühlt“. Was also tun? Mehr bauliche Nutzung in den Dörfern würde dem Ausufern der Siedlungen entgegenwirken, ebenso wie die Wieder- und Umnutzung alter Hofstellen, so eine Anregung von Glatt. Statt Einfamilienhäuser sollten familientaugliche Wohnungen in zwei- bis dreigeschoßigen Gebäuden errichtet werden, bei Einfamilienhäusern sollten intelligente Grundrisse mehr Flexibilität ermöglichen, bei Planungen sollten lokale Elemente – beispielsweise die Struktur eines Straßendorfs – aufgenommen werden, verschiedene Wohn-Typologien sollten ermöglicht werden, Wohnungen für alle Lebenslagen und Lebensphasen vorhanden sein.

Und was könne eine Gemeinde tun, um einer solchen Bauweise, die den dörflichen Charakter nicht verderbe, Vorschub zu leisten? Auch darauf hatte die Architektin aus Zolling eine Antwort: Eine engere Bebauung auch mit geringeren Abstandsflächen zulassen, gleichzeitig aber auch offene Räume akzeptieren und „gelungene öffentliche Außenräume“ schaffen, die Priorität des privaten Autoverkehrs aufheben, so dass die Straßen auch wieder „den Menschen gehören“,

Dörfliche Gestaltung: Holzlattenzaun statt Betonwand

Gestaltungsmöglichkeiten durch Garagen, Schuppen und Gartenzäune sollten so genutzt werden, dass man sich in einem Dorf fühlt. Beispiel: ein Holzlattenzaun statt einer Beton- oder Gabionenwand zur Grundstückseinfriedung. Das alles steht derzeit zwar noch nicht auf der Agenda des Gemeinderats. Das könnte sich aber ändern. „Wenn sich ein Gremium einmal mit dieser Frage befasst, dann bist du herzlich eingeladen, mitzuwirken“, so das Angebot von Helmut Priller an Gloria Glatt.

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