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Dunkle Wolken über dem Grundstück Am Pfarranger: Der Kirchenpfleger ist sauer auf die Vergabepraxis der Erzdiözese. Pikantes Detail: Eigentlich wäre Hans Seibold selbst bei der Vergabe zum Zug gekommen. 

Hans Seibold legt sich mit der Erzdiözese an

Kirchenpfleger will Pfründe sichern

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Die Erzdiözese als Grundstücksspekulant? Diesen Vorwurf von Zollings Kirchenpfleger Hans Seibold (wir haben berichtet) kontert die Erzdiözese jetzt energisch. Die Sache ist verzwickt und verwickelt. Und darin verwickelt ist Hans Seibold selbst.

Zolling Vier Grundstücke hinter dem Zollinger Pfarrheim sind es, auf denen sich Familien ihren Traum vom Eigenheim erfüllen können. Vier Grundstücke mit dem schönen Namen „Am Pfarranger“. Vier Grundstücke mit einer Gesamtgröße von 2500 Quadratmeter. Und vier Grundstücke, die für mächtig Ärger sorgen. Wie berichtet, hatte Kirchenpfleger (und Ex-Gemeinderat) Hans Seibold mit mehr als deutlichen Worten die Vermarktungsstrategie des Ordinariats angeprangert, hatte der Kirche vorgeworfen, zu „spekulieren“.

Grund für diesen Vorwurf: Ein Makler sei vom Ordinariat beauftragt worden, die Flächen an den meistbietenden Bewerber zu vergeben. „Es kann also sein, dass da vier Fremde kommen. Was erzählen wir da unseren Zollinger Familien?“, fragt Seibold.

Jetzt hält das Erzbischöfliche Ordinariat dagegen: Was man bei der Vergabe der Grundstücke tue, habe nichts mit Spekulation zu tun, so Pressesprecher Bernhard Kellner, sondern sei ein in solchen Fällen ganz übliches „offenes und transparentes Bieterverfahren“. Ziel dieser Vorgehensweise: die Ermittlung des marktüblichen Preises. Und der sei wichtig, denn als Aufsichtsorgan über die Kirchenstiftung habe die Finanzkammer des Erzbischöflichen Ordinariats die Verpflichtung, darüber zu wachen, dass die Kirchenstiftung nicht geschädigt werde.

Doch schon da gehen die Meinungen weit auseinander. Laut Seibold gehören die Grundstücke nicht der Kirchenstiftung, sondern der Pfarrpfründestiftung. Und das sei ein wichtiger Unterschied. Denn bei Arealen aus der Pfarrpfründestiftung habe bisher die Kirchenverwaltung stets Vorschläge zur Vergabe gemacht, die das Ordinariat dann auch so angenommen habe. In solchen Fällen habe das Ordinariat einen ortsüblichen Marktpreis angesetzt.

Nun also ein Verfahren, das laut Kellner für Grundstücke aus Kirchenstiftungsvermögen üblich sei. Dieses Verfahren bedeute – anders als Seibold mutmaßt – mitnichten, dass der Meistbietende auch den Zuschlag erhalte. Denn neben dem Preis habe man auch noch soziale Kriterien in das Vergabeverfahren eingebaut, die es ermöglichten, den Meistbietenden nicht zu nehmen. „Wir schauen schon darauf, dass der zu Zolling passt“, versichert Kellner. Von Spekulation könne also gar keine Rede sein.

Pikant an dem Streit und an der Situation sind vor allem zwei Punkte: Dass die Kirchenverwaltung Zolling im November 2015 bereits beschlossen habe, an welche Zollinger Bürger die vier Grundstücke vergeben werden sollen, bedeute aus Sicht Kellners, dass das Ordinariat einfach übergangen worden sei. Noch pikanter: Der Kirchenverwaltung, die also eine – aus ihrer Sicht ganz übliche – Vergabeempfehlung ausgesprochen hat, gehört Hans Seibold als Kirchenpfleger an. Und wer ist nun einer der vier Bürger, die unter vielen Bewerbern den Zuschlag bekam? Richtig: Hans Seibold. Der gibt diesen Umstand auf Nachfrage des Freisinger Tagblatt auch unumwunden zu: „Ja, und? Daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht.“ Seibold betont: Die drei anderen Bürger, die nun laut Beschlussvorschlags der Kirchenverwaltung zum Zuge kommen sollten, nach Ansicht des Ordinariats aber noch lange nicht den Zuschlag für die Erbbaupacht haben, seien ja noch gar nicht informiert worden. Von dem Beschluss wisse nur er.

Seibold hatte am Montag auch ein Gespräch mit Weihbischof Bernhard Haßlberger. Der habe im Wesentlichen die Sichtweise des Ordinariats geteilt, berichtet Seibold. Aber Kirchenpfleger und Bauwerber Seibold gibt sich kämpferisch: „Wir werden uns das nicht bieten lassen.“ Denn die Verträge müsse Pater Ignatius unterschrieben – und der werde das unter den gegebenen Umständen keinesfalls tun. Das könne er jetzt schon versprechen. Und dann noch ein Satz, den Seibold nicht weiter kommentieren will: „Ich mache das Spiel nicht mehr lange mit!“

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