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Ausgang statt Eingang: Nach den Kommunalwahlen 2020 ist für Zollings Rathauschef Max Riegler Schluss.

Rückzug aus der Kommunalpolitik

Zollings Bürgermeister Riegler spricht im Interview über nahenden Abschied

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Im März bei der Kommunalwahl 2020 ist Schluss für Max Riegler im Zollinger Rathaus. Uns erzählt er, warum er seine Bürgermeister-Karriere beendet und was er seinem Nachfolger rät.

Zolling – Wenn im März bei der Kommunalwahl 2020 in Bayern Bürgermeister und Gemeinderäte neu gewählt werden, wird der Zollinger Rathauschef Max Riegler nicht mehr auf der Liste stehen. Nach rund 30 Jahren Kommunalpolitik, davon zwölf Jahre als Zweiter und zwölf als Erster Bürgermeister, ist es Zeit für mehr Privatleben. Was er sich für Zollings Zukunft wünscht, erzählt er im Interview mit FT-Reporterin Claudia Bauer.

Freisinger Tagblatt: Herr Riegler, wenn es nach der Altersgrenze geht, könnten sie noch einmal kandidieren. Warum tun Sie es nicht?

Max Riegler: Ja, stimmt, ganz knapp könnte ich noch eine Periode machen. Ich werde im Juni 67 Jahre alt und die Grenze wurde ja vor einigen Jahren nach oben gesetzt. Aber die Arbeit ist schon kräftezehrend und ich halte daher die ursprüngliche Altersgrenze für sinnvoll. Die sollte man sich schon zu Herzen nehmen. Nach 30 Jahren in der Kommunalpolitik kann man es auch irgendwann einmal gut sein lassen.

Ist das das Ende Ihrer politischen Karriere? Keine Ämter mehr?

Nein, keine Ämter mehr. Ich strebe nichts an in anderen Gremien, sondern will eher meine Zeit etwas selbstbestimmter gestalten können und nicht nach dem Terminkalender leben. Jetzt sind einfach mal andere Facetten des Lebens dran. Auch wenn die politische Arbeit toll ist, sie beeinflusst das Privatleben schon deutlich.

Das klingt, als hätten Sie kein Problem damit, loszulassen?

Ich hatte ja lang genug Zeit, mich auf den Moment vorzubereiten – eigentlich ja schon seit meiner Wahl. Zwei Amtsperioden wollte ich, die sollten es sein, damit man sattelfest agieren kann als Bürgermeister – und die hatte ich. Von daher ist das Aufhören jetzt ganz okay.

„Kommt immer wieder in Konfliktsituationen, die auch mal eskalieren“

Es ist dennoch eine große Veränderung…

Aber nicht die erste. In meinem beruflichen Leben hatte ich einige. Ich war Lehrer, bin dann in die Energieversorgung gewechselt und schließlich Bürgermeister geworden. Das waren alles eigene Lebensabschnitte. Ich kann mit Zäsur aber ganz gut umgehen. Und ich freu’ mich auf die neue Zeit, trotz der schönen Erlebnisse, die man im Amt hat.

Apropos schöne Erlebnisse, gibt es eines, das Ihnen besonders im Kopf geblieben ist?

Kein dominantes Einzelerlebnis, nein, aber ich habe zum Beispiel den Bereich Kinder und Jugend immer toll gefunden und da haben wir in meiner Amtszeit ziemlich viel umsetzen können, wenn man zum Beispiel an den Schulneubau denkt. Das sind schöne Erlebnisse für mich, selbst wenn auch die immer mit einem gewissen Druck verbunden sind.

Mit diesem Druck muss man auch umgehen können. War das manchmal schwierig?

Aufgrund der Rolle, die man hat, kommt man schon immer wieder in Konfliktsituationen, die auch mal eskalieren können und vor Gericht landen. Und dann streitet man da plötzlich mit einem Menschen, mit dem man privat wahrscheinlich nie streiten würde. Aber das lässt sich nicht immer vermeiden.

Sind Sie denn ein Harmoniemensch?

Also, ich mag Harmonie, aber mein Motto ist auch nicht: Ein guter Kompromiss ist, wenn der andere Recht behält. Ich bin darauf bedacht, Lösungen zu finden mit meinem Gegenüber, aber man kann sich mit mir auch anlegen, wenn man das will.

Konfliktscheu darf man also nicht sein. Was sollte denn der neue Zollinger Bürgermeister sonst noch mitbringen?

Er muss zuhören können und sein Gegenüber ernst nehmen. Und er braucht natürlich ein gewisses Maß an Sachlichkeit und muss Entscheidungen treffen und vertreten können. Aber der richtige Einstieg in die Arbeit ist, sich unvoreingenommen mit Themen zu beschäftigen und zwar unabhängig davon, ob es ein offizieller Antrag ist oder ein persönliches Gespräch im Türrahmen. Das schmeißt vielleicht manchmal den eigenen Tagesplan durcheinander, aber die Zeit muss man sich nehmen.

Diese Herausforderungen sieht Riegler auf seinen Nachfolger zukommen

Welche Herausforderungen kommen denn Ihrer Meinung nach auf Ihren Nachfolger zu?

Ich sehe uns gut gerüstet, was gemeindliche Bauprojekte angeht, aber was ein zentrales Thema ist und bleibt, ist das Bauland. Vielleicht hat ja mein Nachfolger da mehr Glück. Wichtig finde ich, gut auf die sozialen Strukturen im Ort Acht zu geben und sie zu pflegen. Die sind gut, aber das ist kein Selbstläufer. Man muss als Gemeinde seinen Beitrag leisten und das soziale Miteinander fördern und unterstützen. Die Gesellschaft verändert sich, das merkt man auch vor Ort.

Inwiefern?

Die Ortsgröße verändert sich, Zolling wächst, die Verwurzelung mit der Heimat wird weniger, viele sind auch nicht mehr hier geboren. Die Menschen sind mobiler geworden, das lokale Geschehen hat nicht mehr eine so große Bedeutung wie früher. Heute sehen viele den Verein als Dienstleister, aber engagieren wollen sich immer weniger Menschen. Auch die Kommunikationsmittel haben die Gesellschaft verändert. Das hat übrigens auch Einfluss auf die politische Arbeit.

Auch auf den Zollinger Gemeinderat?

Auf jeden Fall. Die Gemeinderäte sind gewählte Repräsentanten der Bürger und müssen dahingehend ihre Entscheidungen treffen. Angesichts einer medialen Parallelwelt, die doppelt und dreimal so schnell funktioniert und in der jeder seine Meinung kundtun kann, wird es immer schwieriger, Menschen zu finden, die sich dieser gemeindlichen Aufgabe stellen wollen. Und es gibt immer wieder Ereignisse im Umgang mit Amtsträgern, die sehr grenzwertig sind.

Sie werden jetzt also bald mehr Freizeit haben. Gibt‘s bereits konkrete Pläne?

Ich habe schon meine Urlaubsreisen nie gern durchgeplant. Es ist viel schöner, wenn man sich ein wenig treiben lässt, dann passieren die besten Dinge. Da ist Platz für das Leben. So möchte ich das auch mit meiner Zeit handhaben. Langweilig wird‘s mir sicher nicht.

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