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Sorgenfalten: Kaftwerksleiter Lothar Schreiber (l.) und Karl-Peter Thelen (ENGIE Deutschland AG).

Schwere Zeiten für ENGIE

Kraftanstrengungen im Kraftwerk

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Zolling - „Punkt 1: Sparen! Punkt 2: Sparen! Punkt 3: Sparen!“ Das hat Lothar Schreiber, der Leiter des Kraftwerks Zollings, als Prämisse ausgegeben. Denn die Lage ist schwierig. Aber nicht aussichtslos. Deshalb: „Punkt 4: Neue Geschäftsfelder!“

Seit heuer ist das Kraftwerk Zolling endgültig ENGIE, die Umfirmierung ist abgeschlossen. Und jetzt muss die ENGIE Deutschland AG dafür sorgen, dass es trotz abermals verschlechterter Rahmenbedingungen in Zolling mit dem Kohleblock und dem Biomasseheizkraftwerk weitergeht. Und das ist schwierig genug, wie gestern bei einem Pressegespräch Kraftwerksleiter Lothar Schreiber und Karl-Peter Thelen, Mitglied in der Geschäftsleitung der ENGIE Deutschland AG, schilderten. Die guten Nachrichten zuerst: 2015 und 2016 gab es mit den Revisionen in Block 5 „business as usual“, so Schreiber. Und bei der Biomasse habe man in 2015 sogar ein neues Rekordergebnis erzielen können: Aus 153 600 Tonnen Altholz habe man 147 300 Megawattstunden (MWh) Strom und 48 100 MWh Fernwärme erzeugt – und das „ganz CO2-neutral“, wie Schreiber betonte. Dieses Ergebnis in 2016 halten zu können, „das wäre super“.

Und super wäre es auch, wenn man es im Kraftwerk Zolling schaffen würde, die derzeit 106 Mitarbeiter zu halten, die Zukunft auch weiterhin ohne betriebsbedingte Entlassungen zu erleben. Das sei aber schwierig, denn beispielsweise sei die in Berlin beschlossene Reform des Strommarktes für die Kraftwerke keine substantielle Hilfe, legte Thelen dar. Hinzukämen ständig fallende Strompreise an den Börsen (was der Verbraucher freilich nicht spüre) und ein steigender Anteil des sogenannten Redispatch. So nennt man es, wenn der Netzbetreiber dem Kraftwerk vorschreibt, wann es zur Vermeidung von Ausfällen Strom zu produzieren hat. Um also in einem Markt, der immer problematischer werde, überleben zu können, müsse man neben kurzfristigen Sparmaßnahmen mittel- und langfristig auf die Suche nach neuen Geschäftsfeldern gehen. Zwei solcher Zukunftsprojekte hat man da laut Schreiber im Auge: 1. Mittelfristig wäre es überlegenswert, Trockenklärschlamm zu verbrennen. Bisher, so Schreiber, verbrenne man bereits in geringen Mengen nassen Klärschlamm. Weil aber künftig das Ausbringen von Klärschlamm auf die Felder eingeschränkt werden soll, könne sich hier ein neues Betätigungsfeld eröffnen. Einfacher und besser wäre es aber, Trockenklärschlamm zu verbrennen. Und deshalb die Idee, eine Trocknungsanlage zu errichten und die dann mit selbst erzeugter Fernwärme zu betreiben. 2. Langfristig (möglicherweise ab 2022 oder 2023) könnte es sinnvoll sein, ein Gasreservekraftwerk zu erbauen. Denn solche werden notwendig sein, wenn 2022 in Bayern das letzte Atomkraftwerk vom Netz geht und es deshalb zu einer Unterversorgung mit Strom kommt. Das Kraftwerk Zolling sei, so viel sei bereits klar, ein günstiger Standort für so eine Anlage, wusste Schreiber. Ob man dieses Vorhaben aber tatsächlich realisiere, stehe noch in den Sternen. 

Dafür weiß man im ENGIE Kraftwerk Zolling etwas anderes ganz genau: Die Gemeinde Zolling wird sich auch weiterhin nicht freuen dürfen. Gewerbesteuer wird weiterhin aus der Anlage bei Anglberg nicht in den Gemeindesäckel fließen. Momentan ist man im Kraftwerk froh, Einrichtung und Arbeitsplätze halten zu können.

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