Kraftwerk Zolling

Kraftwerk Zolling wird zur Stromfeuerwehr

2022 soll der Ausstieg aus der Kernenergie vollzogen sein. Die dadurch entstehenden Defizite in der Stromversorgung müssen ausgeglichen werden und laut Bundesnetzagentur Reservekraftwerke entstehen, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Das Kraftwerk Zolling ist als Standort dafür bestens geeignet. Wieso? Das wurde dem Gemeinderat erläutert.

Zolling In Zolling betreibt das Unternehmen „Engie“ bereits ein Biomasse-Kraftwerk sowie eines mit konventionellem Brennstoff, also Kohle. Im Rahmen des Atomausstiegs seien nach einer Prüfung der Bundesnetzagentur sogenannte Reservekraftwerke nötig, um auch während und nach dem Atomausstieg eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten. Vor allem Südbayern hänge laut Engie-Projektleiter Kristian Enste zu einem Großteil von Kernkraft ab. In den nächsten Jahren wird also mit dem Abschalten der Kernkraftwerke der Verbrauch in Süddeutschland höher sein als die Produktion. „Man wird in Bayern auf Import und Sicherung angewiesen sein“, sagte Enste.

Er berichtete auch von einer kritischen Situation im Januar dieses Jahres, bei der verschiedene Faktoren wie das Wetter und ein hoher Strombedarf im Ausland das Netz an seine Grenzen getrieben hatte. „Da stand man kurz vor dem Black Out“ sagte Enste. Und eben diesen Totalausfall gilt es mit Reservekraftwerken zu verhindern.

In Zolling plant „Engie“ ein Kraftwerk mit Gasturbine. Das soll dann im Notfall einspringen, um die Stromversorgung zu sichern. Enste verglich das Reservekraftwerk mit einer Feuerwehr. „Man leistet sie sich, ist aber froh, wenn man sie nicht braucht.“ Kraftwerksleiter Lothar Schreiber rechnet mit einigen hundert Betriebsstunden im Jahr.

Wie oft die „Feuerwehr“ zum Einsatz kommen muss, hänge laut Enste vom weiteren Ausbau des Versorgungsnetzes ab. Grundsätzlich sei der Betrieb des Reservekraftwerks selbst nicht dazu da, um Gewinne zu generieren. Es geht um Versorgungssicherheit. Das Vorhalten eines solchen Reservekraftwerks werde von den Netzbetreibern und damit über die Netzentgelte von den Stromkunden finanziert. Für Engie selbst sei das Reservekraftwerk vor allem eine Möglichkeit zur Standort- und Arbeitsplatzsicherung. „Und wir sehen darin eine Evolution des Standortes“, sagte Enste.

Im Rahmen der Energiewende hin zu erneuerbaren Energien soll Zolling weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Die Zukunft sieht Enste in der Biomasse, ergänzt durch Gas in der Notversorgung. Rund 120 Millionen Euro investiert „Engie“ in „Evolution“ und Standortsicherung durch das Reservekraftwerk. Der Standort sei strategisch besonders gut geeignet und biete Voraussetzungen, die nicht so häufig vorzufinden sind: man ist sowohl direkt an die Gas-Pipeline angeschlossen, gleichzeitig ist die direkte Einspeisung des Stroms ins Hochspannungsnetz möglich.

Welche Art von Kraftwerk entstehen soll, ist noch nicht entschieden. Drei Varianten stellte Enest den Gemeinderäten vor: ein Blockheizkraftwerk, eine Industriegasturbine oder eine Flugzeugturbine. Bei letzterer Möglichkeit wurde Josef Felsl hellhörig. „Wir alle wissen, wie laut so eine Flugzeugturbine ist“, machte er sich Sorgen um Lärm. Kraftwerksleiter Lothar Schreiber beruhigte jedoch. Schallschutzmaßnahmen und Einhausung würden dem entgegenwirken.

Lärm ist kein Problem

Dass man sich nicht sorgen müsse wegen Lärm und Emission betonte auch Bernd Franke vom Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu). Das Institut ist derzeit mit den Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit beauftragt. Nach ersten Einschätzungen bleibt man mit dem Reservekraftwerk deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. „Die Immissionswerte sind aktuell als irrelevant einzustufen“, sagte Franke und merkte an, dass man in die Berechnungen auch die Auswirkungen der bereits laufenden Kraftwerke berücksichtigt habe. Noch ist man bei Engie in den Vorplanungen, doch die Zeit läuft. „Bis einen Tag vor der Abschaltung des letzten deutschen Kernkraftwerks muss das Reservekraftwerk fertig sein“, sagte Enste, also bis Ende 2021.

Wenn heuer die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie ein konkretes Vergütungsmodell durch die Netzbetreiber geklärt werden, kann man nächstes Jahr mit den Bauanträgen loslegen. Bis die Rahmenbedingungen tatsächlich feststehen, trägt Engie das Risiko für alle Vorleistungen. 

Claudia Bauer

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