Wie arbeitet ein Luftfiltergerät, wie laut ist es und was kostet es? Die Eckdaten waren in der Präsentation am Montag schnell geklärt. Ob die Anschaffung zum aktuellen Zeitpunkt die richtige Entscheidung ist, darüber war man sich nicht einig. 
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Wie arbeitet ein Luftfiltergerät, wie laut ist es und was kostet es? Die Eckdaten waren in der Präsentation am Montag schnell geklärt. Ob die Anschaffung zum aktuellen Zeitpunkt die richtige Entscheidung ist, darüber war man sich nicht einig. 

Schulverband beschließt Sondersitzung

Luftfilter-Test an Zollinger Schule: Ein Baustein in der Bekämpfung der Pandemie

  • Andrea Beschorner
    VonAndrea Beschorner
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Retter des Präsenzunterrichts oder vorschnelle Investition? Über Luftreinigungsgeräte scheiden sich die Geister. In Zolling gab es jetzt eine Präsentation.

Zolling - Da stand es nun: knapp 2,50 Meter hoch, optisch schlicht und unauffällig, und verrichtete einen Dienst, der vielen Eltern gerade Hoffnung gibt. Hoffnung darauf, dass künftig dieses 195 Kilo schwere Gerät die Garantie dafür sein wird, dass Kinder den Unterricht besuchen können, anstatt bei hohen Inzidenzen wieder ins Homeschooling zurückkehren zu müssen – mit all den für Mütter, Väter und Kinder so weitreichenden Konsequenzen. Die Verwaltungsgemeinschaft Zolling hatte ein mobiles Luftreinigungsgerät namens „AirPurifier“ der Firma Wolf organisiert. Das Gerät – optisch vergleichbar mit einer Kühl-Gefrierkombination – war einen Unterrichtstag lang im Einsatz. Erste Erkenntnisse und Beobachtungen dieses Probelaufs bekamen anschließend in einem Klassenzimmer der Grund- und Mittelschule Zolling die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft sowie Vertreterinnen und Vertreter der Schulen an die Hand.

Technische Details

Zollings Bürgermeister Helmut Priller und sein Kollege aus Haag, Anton Geier, stellten den Interessierten die technischen Details des Geräts vor: Es ist für ein Klassenzimmer bis zu einer Größe von 90 Quadratmetern geeignet, saugt verbrauchte Luft unten an und bläst die gereinigte Luft oben wieder aus. Bei dem Vorgang wird die komplette Raumluft umgewälzt, ein ständiger Prozess, weshalb das Gerät auch im Dauerbetrieb laufen muss. „Man kann nicht sagen, schalt mal kurz an“, stellte Priller klar. Der AirPurifier verfüge über eine zusätzliche Powertaste, drückt man die, läuft er vorübergehend im Maximalbetrieb – „das ist etwa in den Pausen sinnvoll“, sagte Geier. Die Lautstärke liege bei 39 bis 40 db, der Stromverbrauch bei 140 Watt, was bei einem fünfstündigen Vormittagsbetrieb 25 Cent zusätzliche Stromkosten pro Klassenzimmer bedeute.

Der AirPurifier stand Interessierten in Zolling für eine Präsentation zur Verfügung. Haags Bürgermeister Anton Geier und sein Kollege aus Zolling, Helmut Priller (r.), erklärten das Luftfiltergerät an der Zollinger Grund- und Mittelschule.

„Das Gerät kann nur filtern, ersetzt also nicht das Lüften“, betonte Priller. Die Filteranlage sei dreigeteilt: So verfügt das Gerät über einen Feinstaub-, einen Aktivkohle- und – den wichtigsten – einen Hepa-Filter, der bis zu 99 Prozent der Virenlast einfängt. Je nach Verschleiß müssen die Filter jährlich gewechselt werden. Kosten hierfür: 300 bis 350 Euro pro Gerät. Der Austausch erfolgt über eine Fachfirma, die Filter müssen danach verbrannt werden, „weil sie hochgradig verkeimt sind“, wie Helmut Priller erklärte.

Der Praxistest

Zollings Rektor Thomas Dittmeyer berichtete von dem Praxistest im Unterricht. „Es ist was, woran man sich gewöhnen muss“, sagte er. Die Lehrkraft, die einen kompletten Schultag mit laufendem AirPurifier Unterricht gehalten hat, habe sich nicht davon gestört gefühlt, wenngleich das Gerät einen beständigen Ton von sich gebe. Im Vergleich zum Dauerlüften im Winter sei das definitiv die attraktivere Variante, sagte Dittmeyer. Auch wenn zum aktuellen Zeitpunkt keiner verlässlich sagen könne, „was uns so ein Gerät tatsächlich bringt“.

Die Kosten

Pro Gerät belaufen sich die Anschaffungskosten auf 2800 bis 3200 Euro, wie Geier ausführte. 50 Prozent davon werden staatlich gefördert, den Rest übernimmt der Sachaufwandsträger, sprich die jeweilige Gemeinde. Hinzu kommen laut Helmut Priller Inbetriebnahmekosten von rund 60 Euro pro Filteranlage. Allein für die Verwaltungsgemeinschaft Zolling mit den drei Grundschulen (Haag, Wolfersdorf und Attenkirchen) und der Grund- und Mittelschule Zolling würde man laut Anton Geier um die 80 Geräte brauchen. Ohne Kindergärten und Mittagsbetreuung kämen damit Ausgaben in Höhe von rund 200 000 Euro auf die VG zu.

Viele Unklarheiten

Wie VG-Geschäftsleiter Eugen Altmann erklärte, solle laut Bayerischem Gemeindetag (Stand Montag) die Schulfamilie entscheiden, ob solche Filteranlagen angeschafft werden oder nicht. „Es ist wohl ein Baustein neben vielen anderen Maßnahmen, die wir ergreifen müssen, um den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten“, sagte Altmann. „Bevor wir nicht die Garantie bekommen, dass Schulen, an denen es diese Luftfiltergeräte gibt, auch bei steigenden Inzidenzen geöffnet bleiben können, bin ich nicht dafür, so viel Geld auszugeben“, bekräftigte Wolfersdorfs Gemeindechefin Anita Wölfle. Und ihre Kollegin aus Langenbach, Susanne Hoyer, warnte vor einem Schnellschuss. „Wir sollten nichts tun, ehe wir nicht genau wissen, was zu tun ist.“ Denn bislang seien nur dürftige Vorgaben bezüglich der Geräte festgesetzt. Attenkirchens Bürgermeister Matthias Kern kritisierte, dass dieser wichtige Baustein in der Bekämpfung der Pandemie nun auf die Kommunen abgewälzt werde. „Es wäre definitiv Landesaufgabe, diese Geräte für alle Schulen anzuschaffen.“

Im Zwiespalt

Die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der VG-Schulen waren auch nach der Präsentation zwiegespalten. Man werde, so der Tenor, dem Druck der Eltern, solche Geräte anzuschaffen, nicht auskommen. Ob diese teure Investition am Ende die Garantie sei, dass die Schulen offen bleiben, sei dahingestellt. Am Ende brachte es Zollings Gemeinderätin Andrea Bachmaier auf den Punkt: „Auch wenn wir nicht dafür sind, müssen wir sie trotzdem kaufen. Denn wenn am Ende der Präsenzunterricht nur an Schulen stattfindet, die mit solchen Geräten ausgestattet sind, ist es eine Katastrophe, wenn unsere Schule zubleibt, weil wir uns dagegen entschieden haben.“

Der Beschluss

Da im Moment noch keine detaillierten Vorgaben vorliegen, welche Geräte am Ende verbindlich förderfähig sind und die Gemeinde Zolling ohnehin die Freigabe der Bayerischen Staatsregierung abwarten will, um die Zuschüsse nicht zu gefährden, einigte man sich in der anschließenden Schulverbandssitzung darauf, sich in einer Sondersitzung zu treffen, sobald nähere Details zum Thema seitens der Staatsregierung vorliegen.

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