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Naturschutzexpertin rät Bauhofmitarbeitern: Mehr Mut zur Unordnung

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Von: Nico Bauer

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Nichts anlegen, sondern weniger aufräumen: So lautete der Appell von Anja Aigner von der Unteren Naturschutzbehörde an zahlreiche Bauhofmitarbeiter aus dem Landkreis Freising.
Nichts anlegen, sondern weniger aufräumen: So lautete der Appell von Anja Aigner von der Unteren Naturschutzbehörde an zahlreiche Bauhofmitarbeiter aus dem Landkreis Freising. © Bauer

Was können Bauhofmitarbeiter zu mehr Insektenschutz beitragen? Das war jetzt Thema eines Workshops für alle ILE-Mitgliedsgemeinden im Landkreis Freising.

Zolling - Die Kreisläufe der Natur erfahren immer mehr Störungen, weil wichtige Lebensräume in der Natur wegfallen und einige Arten in der Nahrungsmittelkette seltener werden. Genau das war Thema für Bauhof-Mitarbeiter aus dem ganzen Landkreis, die sich auf Einladung von Nina Huber und der ILE Ampertal im Zollinger Bürgerhaus trafen. Dabei gab es eine Mischung aus Vorträgen mit Ratschlägen für die tägliche Arbeit der Gemeindemitarbeiter und den gemeinsamen Austausch.
Anja Aigner von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts machte deutlich, welchen Wert die Insekten für die Gesellschaft haben, auch wenn mancher Nutzen auf den ersten Blick gar nicht zu sehen sei. Die tierischen Bestäubungen von Pflanzen haben einen rechnerischen Gegenwert von 1,13 Milliarden Euro jedes Jahr in Deutschland. Als Beispiel nannte sie den Marienkäfer, der in seinem Leben durchschnittlich 40 000 Blattläuse verspeist. Die verschiedenen Kreisläufe der Natur gehen nahtlos ineinander über: So habe das Verschwinden der Insektenarten weitreichende Folgen, weil sie wertvolle Nahrung für andere Tiere sind und so in der Folge etwa die Zahl der Vögel auch reduziert werde.

„Habt mehr Mut zur Unordnung“, war die zentrale Aussage von Anja Aigner. Sie machte deutlich, dass Insekten für Leben, Vermehrung und Überwintern bestimmte Lebensräume benötigen. Diese müsse man mit einheimischen Wildkräutern, Stauden und Gehölzern schaffen. Aber darüber hinaus helfen auch Tothölzer oder Laubhaufen, damit Insekten und Käfer gut durch den Winter kommen können. Sie sagte auch, dass die Gemeinden für solche Ecken genug Flächen haben. Es gehe nicht darum, etwas aufwändig anzulegen, sondern vielmehr etwas mehr liegen zu lassen.

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Das passte dann auch zu den Hinweisen für die Mahd. Auch hier wünschte sich Anja Aigner etwas mehr Unordnung und kleine Maßnahmen mit großen Wirkungen. So sei es extrem wichtig, abschnittsweise zu mähen und dann das Mähgut auch ein bis zwei Tage liegen zu lassen. So könnten kleine Insekten sich vor dem Mähen und dann aus dem geschnittenen Gras retten. Zudem helfe man der Natur, wenn man eine gewisse Unordnung mit Bereichen von Grünflächen schafft, die stehenbleiben dürfen. Sie nannte als Beispiel Trafohäuschen, wo ein gemähter Streifen zum Eingang ausreiche und daneben Insekten wertvolle Lebensflächen bekommen könnten. Sie hatte aber auch Vorschläge, bei denen manche Bauhofmitarbeiter erst einmal schluckten. So ist die Mahd mit der Hand für die Natur das beste Vorgehen. Diese Variante hat aber auch Vorteile, wie etwa, dass seltener gemäht werden muss und man somit weniger Aufwand habe. Zudem legte sie den Gemeinden ans Herz, sich von 7. Oktober bis Ende November für ein neues Förderprogramm „100 blühende Kommunen“ zu bewerben.

Diskutiert wurden bei dem Workshop der kommunalen Bauhöfe viele weitere Bereiche. Landwirt Hans Krimmer aus Pulling etwa gab den kommunalen Mitarbeitern im zweiten Teil zahlreiche wertvolle Tipps mit auf den Weg, wie die Ansaat am besten funktioniert.

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