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Er war schon oft zu Gast bei der Josefifeier in Zolling, aber zum ersten Mal als Leiter der Bayerischen Staatskanzlei: Florian Herrmann (r.) war unter anderem gekommen, um die Gäste dazu aufzurufen, zur Europawahl zu gehen. 

Politische Josefifeier in Zolling 

Herrmann kritisiert „moralinsaure Humorlosigkeit“

50 Jahre sind seit der offiziellen Abschaffung des Josefstags als gesetzlicher Feiertag vergangen. In Zolling wird der 19. März traditionell gefeiert – bis heute: im Saal des Gasthauses Hörhammer als ein Stück bayerischer Kultur mit Blasmusik und mit Politik. Heuer wurde der Blick auf Europa gerichtet.

Zolling – Als Festredner war der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Florian Herrmann, gekommen. Gut gelaunt und kämpferisch positionierte er sich mit deutlichen Worten für ein freiheitliches Europa, das man nicht den Populisten überlassen dürfe. „Zu lustig“ dürfe heutzutage eine Rede ja nicht mehr ausfallen, meinte das CSU-Urgestein. Nicht einmal beim Karneval, bei dem in der Regel jeder sein Fett weg bekomme, sei man vor Kritik gefeit. Gleich in eine „rassistische Ecke“ gestellt zu werden, wie dies CDU-Vorsitzender Annegret Kramp-Karrenbauer passiert sei, als sie in einer Büttenrede im Landkreis Konstanz über das „dritte Geschlecht“ witzelte, das sei „totaler Unsinn“, urteilte Herrmann. Auch wer sich im Fasching als „Indianer“ kostümiere, begebe sich in Gefahr von einem virtuellen Shitstorm förmlich erschlagen zu werden. Das werde als „Form von Gewalt“ gegen die Ureinwohner Amerikas gewertet. „In unsere Gesellschaft breitet sich eine moralinsaure Humorlosigkeit aus“, meinte Hermann. „Was täten wir da sagen, wenn in Berlin a paar Preiß‘n d‘Lederhosen anziehen?“

Den Zuhörern einen Motivationsschub zu geben, am 26. Mai zur Europawahl zu gehen, das war wohl Hauptanliegen von Hermann an diesem Abend. „Wir waren schon immer eine Europa-Partei“ erinnerte der Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Medien. Die Schaffung der Europäischen Union nach dem Zweiten Weltkrieg habe zum Ziel gehabt, den blutigen Kriegen zwischen den Nachbarländern ein Ende zu setzen. Das sei ihm zu Bewusstsein gekommen, als er im Bücherschrank der Großmutter eine gebundene Ausgabe des Romans „Sturm in den Dünen“ von Ulrich Sander gefunden habe. Im Vorwort: „Zur 6. Kriegsweihnacht. Dein Ferdinand.“ Um sieben Jahrzehnte sei er zurück „katapultiert““ worden. Die Vision eines geeinten Europas sei in Richtung „Werte-, Friedens- und Wirtschaftsgemeinschaft“ gegangen. „Auch wenn manche Kritiker sagen, die EU-Erweiterung sei zu schnell voran gegangen, so darf man das nie vergessen“, meinte Hermann. Und man sei nicht bereit, dieses Europa Nationalisten, Populisten und Extremisten zu überlassen. Mit Manfred Weber als Spitzenkandidat der konservativen europäischen Volkspartei (EVP) habe man im Falle eines Wahlerfolgs eine einmalige Chance, einen EU-Kommissionspräsidenten zu stellen. Rhetorische Nadelstiche gegen die politischen Widersacher hatte eingangs der Vorsitzende des JU-Ortsverbands Haag/Zolling und Kandidat für das Europaparlament, Benedikt Flexeder, verteilt. Er verglich die Parteien mit einer Ampel, die „vom schwarzen Rahmen“ zusammengehalten würde. Der Vorsitzende des Ortsverbands, Manfred Sellmaier, kritisierte die Unkultur, Plakatständer der Parteien zu verschandeln. „Das hat nichts mit Demokratieverständnis zu tun.“

Maria Martin

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