Siegfried Martin im eiskalten Wasser des Anglberger Weihers
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„Eisbaden ist auch gut, um Gewicht zu verlieren“: sagt Siegfried Martin. Dieses Bild wurde im Februar 2019 aufgenommen.

Siegfried Martins eiskalte Leidenschaft

Warum ein Zollinger am liebsten im Winter baden geht

Warmduscher dürften schon beim Gedanken daran erschaudern: beim Eisbaden in nur wenige Grad kaltes Wasser einzutauchen. Ein Zollinger macht das täglich.

Zolling – Am frühen Morgen, wenn die Nacht dem Tag weicht, taucht Siegfried Martin (64), Fotograf aus Zolling, in das Wasser am Anglberger Weiher ein. Auch wenn dieses, wie in diesen Tagen nur knapp über dem Gefrierpunkt liegt. Über der Wasseroberfläche liegt leichter Dunst. Nur vereinzelt sind die lang gezogenen Schreie von Zugvögeln zu hören, die den kleinen Weiher zwischen Zolling und Anglberg nahe der Amperauen gerne als Winterquartier nutzen. Auf der Leiter am Badesteg zieht Siegfried Martin seinen türkisblauen Bademantel aus und lässt sich ohne langes Abfrischen ins Wasser gleiten. Die Außentemperatur liegt bei zehn Grad minus, die Wassertemperatur bei ein Grad plus.

Fünf Zentimeter dicke Eisschicht auf dem See

An diesem Morgen ist der See mit einer etwa fünf Zentimeter dicken Eisschicht überzogen. Mit der Axt wird ein entsprechend große Loch geschlagen, um reinklettern zu können. „Bei 17 Grad minus war das Eis früher schon wesentlich dicker“, erinnert sich der Zollinger an die extremen Außentemperaturen im März 2018. Fast zwei Minuten lang hält sich der Eisbader im Nass auf. Dann raus, schnell etwas abtrocknen und rein in den kuscheligen Bademantel. „Mütze nicht vergessen und nur Kleidung nehmen, in die man schnell reinschlupfen kann“, rät Martin. „Nie den Kopf unter Wasser halten.“

Mit Kaltwasseranwendungen habe er aus gesundheitlichen Gründen begonnen, erzählt der 64-Jährige. Nach einer komplizierten Schulterverletzung vor mehr als zehn Jahren, habe er Wechselduschen und das Tauchbecken in der Kneipp-Sauna am Wettersteinring immer wohltuend empfunden. Die Familie schaffte sich eine Gartendusche an. „Als das Wasser im Schlauch dann im Winter eingefroren war, kam mir der Gedanke, doch einmal im Anglberger Weiher abzutauchen.“ Gesagt, getan: die unerschrockenen Winterbadefreuden wurden bis heute beibehalten. Ob das Baden im eiskalten Wasser tatsächlich die Immunabwehr stärke und Infekten vorbeuge, ist wissenschaftlich schwer nachzuweisen. Martin kann nur aus eigenen Erfahrungen berichten.

Seit dem Eisbaden im Winter nicht krank

„Seitdem ich Kältetherapie mache, bin ich im Winter nie krank gewesen.“ Auch die Muskelverletzung an der Schulter habe sich ohne Operation stabilisiert. Eisbaden sei für ihn kein Ehrgeiz, sondern werde gemacht, weil es dem Körper gut tue und zudem jede Menge Glückshormone ausschütte. Man werde weniger kälteempfindlich und rege den Kreislauf an. Großveranstaltungen, wie sie in den letzten Jahren überwiegend bei jungen Menschen modern werden, hat Martin nie vermisst. „Ich dusche ja auch jeden Morgen im Sommer alleine unter der Gartendusche. Da ist ist es meist noch Dunkel, die anderen schlafen noch.“ Fast hat es etwas Meditatives, wenn im Winter das Wasser am Weiher glasklar und still in der Landschaft liegt. Das Licht sei unglaublich in den frühen Morgenstunden. Sein geschultes „Fotografen-Auge“ habe da schon oft innerlich jubiliert, erzählt Martin. Als er im Frühjahr 1998 auf über 5000 Metern Höhe am Kailas, dem Heiligen Berg in Westtibet, mit seiner Hasselblad-Ausrüstung unterwegs gewesen sei, habe er Pilger beobachtet, die dort im Tukdsche Tschenpo Tso, einem der höchst gelegenen Seen der Welt, abgetaucht seien. „Damals habe ich mir das nicht zugetraut. Heute würde ich es wahrscheinlich machen.“ Ein Wunsch, den er sich gerne noch erfüllen würde.

Lustige Reaktionen der Zaungäste

Am Lustigsten seien beim Eisbaden eigentlich die Reaktionen, von Zaungästen, die um die Zeit bereits vereinzelt zum „Gassi-Gehen“ mit ihren Hunden unterwegs seien. „Ich glaube, manche halten einen da für verrückt, wenn man im Eis badet.“

Maria Martin

Mit der Axt wird erst einmal die fünf Zentimeter dicke Eisschicht vom Anglberger Weiher aufgeschlagen. 

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