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Fiktion oder Realität? Krimiautor und Kriminalhauptkommissar berichten in Zolling von spektakulären Verbrechen

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Zwischen Fiktion und Realität: Autor Martin Arz (l.) und Kriminalhauptkommissar Ludwig Waldinger waren in der Zollinger Gemeindebücherei zu Gast.
Zwischen Fiktion und Realität: Autor Martin Arz (l.) und Kriminalhauptkommissar Ludwig Waldinger waren in der Zollinger Gemeindebücherei zu Gast. © Martin

Ein mörderisch guter Abend: Bei ihrer gemeinsamen Lesung in Zolling nahmen Krimi-Autor Martin Arz und Kriminalhauptkommissar Ludwig Waldinger das Publikum mit in die Welt des Verbrechens.

Zolling – Raffinierte Betrüger und kaltblütige Mörder: Der Autor Martin Arz schildert in seinem Buch „Todsicheres München“ die spektakulärsten Verbrechen und aufsehenerregendsten Kriminalfälle der vergangenen Jahrhunderte in der Isar-Metropole. Dazu gab es fiktive Fälle seiner Romanfigur Max Pfeffer aus der Reihe „Münchner Gsindl“. Beraten wurde der Buchautor von Ludwig Waldinger, Kriminalhauptkommissar und Pressesprecher beim Landeskriminalamt München. Bei der Lesung am Freitagabend in der Gemeindebibliothek in Zolling gab Waldinger Einblicke in moderne Kriminalistik.

Maschen, mit denen internationale Finanzbetrüger heute online unterwegs sind, gab es schon im 19. Jahrhundert. Den Fall „Adele Spitzeder“ schilderte Arz zu Beginn der rund zweistündigen Veranstaltung. Mit dem wohl ersten „Schneeballsystem“ brachte die Münchnerin Millionen arme Menschen um ihr Erspartes.

Bücher spannender als die Realität

Brutale Vergewaltigungen gab es in München der Zwischenkriegszeit durch den Serientäter Johann Eichhorn. Die rund 90 Verbrechen, meistens mit Todesfolge, die die „Bestie von Aubing“ beging, habe damals eine Sonderkommission der Münchner Polizei ermittelt, berichtete Waldinger. Mehr als zehn Jahre lang sei es nicht gelungen, den Serienmörder dingfest zu machen.

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Heute werde mit Fallanalyse und Täterprofil abgeglichen, berichtete der Hauptkommissar. Mehrere tausend Spezialisten und Wissenschaftler seien am Landeskriminalamt tätig. Mit geringsten DNA-Spuren würden Ergebnisse erzielt. Eine weltweite Datenbank helfe bei der Analyse zum Abgleich. So spannend, wie das in Büchern und im Fernsehen dargestellt werde, sei die Arbeit von Fallanalytikern aber nicht: „Wenn ein Fachmann einen Kriminalroman schreiben würde und seine Arbeit so aufzeige, wie das wirklich gemacht wird, würden Sie beim Lesen wahrscheinlich einschlafen“, sagte der Hauptkommissar und lachte.

„Eigentlich strafbar, was die Ermittler in den Büchern so alles dürfen“

Auch wenn in den Sendungen nur einzelne Ermittler den Fall lösten, dann sei das „Fantasy“, meinte der Polizist. „Ich schaue auch Krimis, aber das ist reine Unterhaltung und hat nichts mit der Realität zu tun.“ In Wirklichkeit brauche es ein Ermittlungsteam von zig Spezialisten, um alle Puzzleteile zusammenzufügen. Die übermächtigen Formate von Krimis und vergleichbaren Sendungen speise auch die Angst vor Kriminalität in der Bevölkerung mehr als die Realität. Zum Vergleich hatte Waldinger Zahlen mitgebracht: Habe die Statistik im Jahr 2009 bundesweit noch 619 000 Straftaten aufgelistet, seien es 2018 nur noch 594 000.

Im Roman müsse er einen „Spannungsbogen“ aufbauen, erklärte Autor Martin Arz. Dafür sei es eher hinderlich, kriminalistisch korrekt zu beschreiben. Etwa, wenn Kommissar Pfeffer in seinem Roman „Münchner Gsindl“ das Zimmer einer ermordeten Bewohnerin in einer Münchner Wohngemeinschaft betritt. Dazu bräuchte es einen Hausdurchsuchungsbefehl, erklärte Waldinger. „Eigentlich strafbar, was die Ermittler in den Büchern so alles dürfen.“ Zu hören war auch von kriminellen Jugendbanden und der weltweit am bekanntesten Organisierten Kriminalität der Mafia, die alleine im Jahr 2015 für einen finanziellen Schaden in Höhe von 16 Milliarden Euro verantwortlich gewesen sei.
Maria Martin

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