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Sie haben keine Nachfolger gefunden: Sybille Bayerlein und Elisabeth Goletz lösen den Verein Zollinger Kinderstüberl auf. Dann übernimmt die Kommune. 

Zum Jahresende übernimmt die Gemeinde

Verein Zollinger Kinderstüberl löst sich auf: „Ehrenamtlich ist das nicht mehr machbar“

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Das Zollinger Kinderstüberl hat 27 Jahre lang unzählige Kinder ein Stück auf ihrem Weg begleitet. Die Frauen, die den Hort damals gegründet haben, können die Arbeit ehrenamtlich nicht mehr leisten. Es gibt eine Veränderung.

ZollingAls sich vor 27 Jahren ein paar engagierte Frauen zusammengetan haben, um in Zolling einen Hort zu gründen, war das Pionierarbeit. Der Verein „Zollinger Kinderstüberl“ hat viele Kinder ein Stück auf ihrem Weg begleitet, zum Jahresende wird er sich nun auflösen. Die gute Nachricht für alle Eltern und ihren Nachwuchs ist jedoch: Das Kinderstüberl selbst bleibt erhalten, zukünftig ist die Gemeinde der Träger.

Seit der Gründung im Jahr 1992 kümmert sich Elisabeth Goletz um die Finanzen des Vereins. Seitdem hat sich viel verändert. Als sich der Verein mit dem Zweck, aus einer Privatinitiative heraus einen Hort zu führen, gegründet hat, gab es noch reichlich staatliche Zuschüsse für solche Initiativen, die die Gemeinde als Träger damals nicht bekommen hätte. Wenn sich dann so viel Engagement findet, dann ist das für eine Kommune ein Segen. Deshalb stand das Zollinger Rathaus auch immer hinter dem Verein. Dabei war es anfangs völlig ungewiss, wie lange das Projekt durchhält.

Zollinger Kinderstüberl: Mehr ein Unternehmen als ein Verein

Jetzt, 27 Jahre später, ist der Moment gekommen, abzugeben: „Die gesetzlichen Vorschriften werden immer komplexer“, sagt die Vorsitzende Sybille Bayerlein. Hinzu kommt, dass die Suche nach Personal immer schwieriger werde, pädagogische Fachkräfte sind aktuell kaum zu finden. Und nicht zuletzt ist es die große Verantwortung, die auf den Schultern des Vorstands lastet: „Man haftet für 50 Kinder und zehn Angestellte“, weiß Bayerlein. Wohl auch deshalb hat sich auch keine Nachfolge für ihren Posten gefunden. Denn die Frauen führen nicht einfach nur einen kleinen Verein, vielmehr leiten sie ehrenamtlich ein kleines Unternehmen.

Das zeigt sich auch im Arbeitsaufwand: Zusammenarbeit mit Behörden, eine immer komplexer werdende Abrechnung, Personalfragen, Datenschutz, Dokumentationspflichten und so weiter und so fort. „Irgendwann ist es ehrenamtlich einfach nicht mehr machbar“, sagt Bayerlein. Das Thema, aufzuhören, habe schon öfter im Raum gestanden in den vergangenen Jahren, jetzt hat man die Entscheidung getroffen. „Es war einfach der richtige Zeitpunkt“, sagt Elisabeth Goletz, denn warum solle man das Unabwendbare noch weiter aufschieben? „Und wir haben das Gefühl, dass das Projekt bei der Gemeinde in guten Händen ist“, findet Goletz.

Denn einfach ist es nicht mit dem Loslassen, schließlich hat man lange Zeit viel Herzblut ins „Kinderstüberl gesteckt. „Das war schon komisch, auf der Jahreshauptversammlung das offizielle Ende zu verkünden“, erinnert sich Goletz. „Und ich musste mich hinstellen, und es sagen“, schließt Bayerlein an und man hört bei den Frauen Wehmut und Abschiedsschmerz.

Es geht weiter mit dem Zollinger Hort - das macht den Abschied leichter

Aber zu wissen, dass ihr Projekt weiterlebt, macht es etwas leichter. Denn das hat Bürgermeister Max Riegler in der jüngsten Gemeinderatssitzung öffentlich bekanntgegeben: „Im nächsten Jahr wird der gesamte Betrieb so weiterlaufen wie bisher.“ Vorerst soll sich gar nichts ändern. Riegler ist daran gelegen, den Hort zu erhalten, ist er doch eine tragende Säule in der Nachmittagsbetreuung in Zolling. Für die Eltern, die Kinder und das Personal ist also alles geregelt.

Auf den Verein kommt jetzt noch einiges an Arbeit zu. Man muss die Übergabe organisieren, Verträge kündigen, abrechnen – „wir haben eine lange Liste“, sagt Bayerlein, „aber ein paar Häkchen haben wir schon gemacht.“ Und wenn dann 2020 alles erledigt ist, was dann? „Dann überlege ich mir, was ich mit meiner Zeit abends anfange“, sagt Elisabeth Goletz lachend. Langweilen werde sie sich bestimmt nicht.

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