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Hochwasserschutz in Zolling: Unabhängige Bürger drängen auf Umsetzung

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Von: Andreas Beschorner

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Das Bild zeigt den damaligen Bürgermeister Max Riegler und das überflutete Sportheimgelände im Jahr 2013.
Das Hochwasser 2013 steckt den Bürgern der Gemeinde Zolling noch heute in den Knochen. Damals vor allem betroffen war das Gelände rund ums Sportheim. Das Bild zeigt den damaligen Bürgermeister Max Riegler. © Martin

Die Bürger Zolling (UBZ) drängen darauf, dass ihr Hochwasserschutzkonzept umgesetzt wird. Pläne allein reichen nicht, heißt es.

Zolling – Die Überflutungen am 30. August hätten wohl „allen klargemacht“, dass Handlungsbedarf bestehe. Deshalb drängen die Unabhängigen Bürger Zolling (UBZ) darauf, dass ihr Hochwasserschutzkonzept nun umgesetzt wird. Denn Papiere und Konzepte reichen nicht, weiß UBZ-Vorsitzender Stephan Griebel. Vor allem, so ergänzt UBZ-Gemeinderat Karl Toth, sei der Hochwasserschutz ein Thema für die gesamte ILE-Region. Denn der Schutz vor Überflutungen in Zolling „geht ja schon in Hohenkammer los“.

Das Bild zeigt die Zollingerr Wiese zwischen Bahngleis und Straße in Richtung Haag.
Die Wiese zwischen Bahngleis und Straße in Richtung Haag ist fest in den Hochwasserschutz eingeplant. © Beschorner

Das zwölfseitige Papier der UBZ, das man demnächst auch dem Gemeinderat vorstellen will, beschäftigt sich freilich mit Maßnahmen auf Zollinger Gemeindegebiet. Als „Katalog“ bezeichnen Griebel und Toth all die Vorschläge und Anregungen, die man darin aufgelistet hat. Dabei erkennen die UBZ durchaus an, dass bereits einige Maßnahmen umgesetzt worden seien: Das große Rückhaltebecken am Ortsrand von Flitzing gehört ebenso dazu wie das innerörtliche Rückhaltebecken in Palzing oder die 2020 realisierten Rigolen in der Rotnpeckstraße und im Pfarranger.

Katalog ist nicht hopplahopp umzusetzen

Den UBZ ist auch bewusst, dass Hochwasserschutz nichts ist, was man hopplahopp mal schnell erledigen könne, da brauche man einen langen Atem. Umso wichtiger sei es, frühzeitig mit den Planungen zu beginnen. Zudem könne die Gemeinde auch nicht alles in Eigenregie durchführen, Wasserwirtschaftsamt und private Grundstückseigentümer müssten mitspielen.

Trotzdem: Unter dem Motto „rückhalten – ableiten – durchleiten“ gebe es noch viel zu tun. Das beginne schon bei Anreizen für die Grundstücksbesitzer, das Niederschlagswasser auf dem eigenen Grund zu versickern, so wie es die neue Beitrags- und Gebührensatzung vorsieht.

Um das attraktiver erscheinen zu lassen, sollte das Beratungsangebot erweitert werden. Wie die Gemeinde selbst beispielsweise das Niederschlagswasser auf dem Schulgelände entwässert, sei „vorbildlich“, loben die UBZ.

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Die Liste der nötigen Maßnahmen ist lang

Um den Abfluss des Wassers bei Starkregenereignissen zu verlangsamen, seien Wasserrückhaltemaßnahmen eine sehr gute Alternative, so die UBZ. Daher schlägt man eine Querverbauung entlang des Hütgrabenbachs oberhalb des Palzinger Sportgeländes vor, regt die Renaturierung des Siechenbachs samt Regenrückhaltebecken an der Einmündung der FS 27 in Staatsstraße 2054 an, fordert ebenso Rückhaltebecken zwischen Flitzing und Harland. Weitere Rückhaltemaßnahmen sollten zwischen Flitzing und Osterimbach angelegt werden, zwischen Osterimbach und Gerlhausen sollte der Bachlauf aufgeweitet, die in den vergangenen Jahren erfolgten Aufschüttungen rückgebaut werden. Zwischen Anglberg und Thann könnte man nordwestlich des renaturierten Kiesabbaugebiets einen Querriegel errichten, bei Anglberg zwischen Bahntrasse und Amperkanal ein Regenrückhaltebecken anlegen – so einige Punkte aus dem Maßnahmenkatalog.

Eine der vorgeschlagenen Maßnahmen für eine bessere Ableitung betrifft den Flitzinger Bach: Der könnte im Osten an Zolling vorbeigeführt werden, was allerdings ein völlig neues Bachbett und eine Unterquerung des Amperkanals notwendig machen würde. Dadurch würde der Düker am Forellenweg – eine der ganz kritischen Stellen in Zolling – entlastet. Und noch etwas könnte vor Überflutungen schützen: Das Abwassernetz von Zolling sei mit bis zu 40 Prozent Fremdwasser von außen belastet. Grund sind Undichtigkeiten. Immerhin: Die Kanalinspektion sei abgeschlossen, derzeit werde an der Sanierungsplanung gearbeitet. Wichtig sei zudem die Absprache mit anderen Gemeinden wie Wolfersdorf und Attenkirchen, da einige Bäche auf deren Gemeindegrund entspringen.

ILE ist gefragt

Und dann sei da noch die ILE Kulturraum Ampertal gefragt, betont Toth: In der 2018 beschlossenen Projektliste seien zwar einige Punkte für den Hochwasserschutz aufgeführt, geschehen sei bisher aber nichts bis wenig. Deshalb: „Die Priorisierung der ILE-Projekte gehört dringend auf den Prüfstand.“ Ähnlich in Zolling: Das beschlossene Integrierte Hochwasserschutzkonzept der Gemeinde habe bisher nicht zuletzt mangels ausreichender Planungskapazitäten im Bauamt nicht so weit umgesetzt werden können, „wie es wünschenswert gewesen wäre“. Und dann haben die UBZ noch einen Tipp für die Bürger: Gegen Unwetterereignisse wie im Ahrtal helfen im Zweifelsfall auch die besten Vorsorgemaßnahmen nicht. Und deshalb sollten sich die Bürger rechtzeitig um eine Elementarschadenversicherung bemühen.

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