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Wertschätzung nicht erst in der Krise: MdB Erich Irlstorfer appelliert für faire Löhne in der Pflege

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Zum Thema Pflege sprach MdB Erich Irlstorfer (r.) jüngst in Zolling – zur Freude von Ortschef Manfred Sellmaier. Fuchs
Zum Thema Pflege sprach MdB Erich Irlstorfer (r.) jüngst in Zolling – zur Freude von Ortschef Manfred Sellmaier. Fuchs © Fuchs

„Vom Beifallklatschen kann niemand seine Miete bezahlen“, weiß MdB Erich Irlstorfer. Er fordert deshalb faire Löhne für Pflegekräfte und eine Entlastung für Angehörige.

Zolling – „Wer anständig gelebt hat, der darf auch anständig sterben.“ An dieses Zitat seines Vaters erinnert sich CSU-Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer immer dann, wenn er in seinem politischen Amt mit dem Thema Pflege konfrontiert ist. „Es ist schon einiges geschafft in der Pflege, aber es gibt auch noch einiges zu tun“, sagte er kürzlich bei einer Veranstaltung zu diesem Thema im Zollinger Bürgerhaus.

Ein Beweis dafür, dass die Thematik die Menschen interessiert, war die Anzahl der Gäste: Geplant war, die Veranstaltung im Wirtshaus Salisch abzuhalten. Es kamen jedoch deutlich mehr Leute als erwartet, weshalb man spontan auf den Zollinger Bürgersaal ausweichen musste.

Besonders freute sich Parteikollege und CSU-Ortsvorsitzender Manfred Sellmaier über Irlstorfers Besuch: „Schön, dass du zu uns nach Zolling gekommen bist – man merkt, dass das Thema Pflege dir am Herzen liegt.“ Das Thema habe besonders aufgrund der Corona-Pandemie in den vergangenen zwei Jahre deutlich mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft erlangt, wusste Irlstorfer zu berichten: „Man darf die Menschen, die diese wichtige Aufgabe übernehmen, nicht erst in einer Pandemie wertschätzen. Vom Beifallklatschen kann niemand seine Miete bezahlen.“

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Doch nicht nur für faire Löhne in der Pflegebranche habe Irlstorfer sich die vergangenen Jahre eingesetzt. Auch die Angehörigen von Pflegebedürftigen sollen künftig entlastet werden: „Braucht jemand Pflege, darf das für die Kinder, Eltern oder weitere Angehörige nicht heißen, dass sie ihr Haus verkaufen oder sich verschulden müssen, um eine qualitative Pflege bezahlen zu können“, sagte Irlstorfer. Deshalb bekommen Angehörige dank der Pflegereform fünf Prozent Nachlass auf den Eigenanteil im ersten Pflegejahr, 25 Prozent im zweiten, 45 im dritten und ganze 70 Prozent vom Eigenanteil fallen ab dem vierten Jahr weg.

Die Pflegereform werde, so der Referent, häufig als nichtig abgetan. Irlstorfer sieht das anders: „Das ist kein ,Reförmchen’ – man muss nichts kleinreden, was nicht klein ist.“ Auch mit den Diskussionen über den Pflegebereich ist der CSU-Bundestagsabgeordnete unzufrieden: „Es werden andere Dinge hochgezogen und dramatisiert, dafür ist die Pflege in manchen Ecken nicht mal ein Thema“, so Irlstorfer. „Währenddessen haben wir aktuell 4,5 Millionen Pflegebedürftige – eine Zahl, die sich bis 2050 verdoppeln wird.“ Derzeit werden rund zwei Drittel von Angehörigen gepflegt – 77 Prozent der Pflegenden sind hier Frauen. „Diese Gruppe braucht mehr als schöne Worte“, forderte Irlstorfer, „Hier muss ein Konzept her, ähnlich dem Erziehungsgeld, was später auch in die Rente einfließt.“

Außerdem möchte Irlstorfer die Digitalisierung in der Pflege vorantreiben, um den Pflegenden, den Ärztinnen und Ärzten sowie den zu Pflegenden vieles zu erleichtern. „Man muss sich sektorübergreifend über eine digitale Patientenakte austauschen können“, betonte der Abgeordnete. Nur dann sei Digitalisierung etwas, was auch bei den Menschen ankommt.

Pascale Fuchs

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