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Hier geht’s nicht weiter – die B 301 ist gesperrt; und das mindestens für die nächsten fünf Wochen.

Tag eins der B 301-Vollsperrung

Zollinger sind genervt „von dem Schmarrn“

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Der erste Tag der Vollsperrung der B 301 bei Zolling ist geschafft: Zahlreiche Pendler haben sich schon ihre Umleitungsstrecke für die kommenden mindestens fünf Wochen gesucht. „Verirrte“ von auswärts gab es wenige – dafür sind die Zollinger genervt von der Baustelle. Und Rewe beklagt bereits nach Tag eins schmerzliche Einbußen.

Zolling – „Ich dachte mir, ich probier’s mal, ob ich noch durchkomme“, sagt ein recht entspannter Pendler aus Rudelzhausen. Doch die Männer, die gerade die Absperrung an der B 301 kurz nach der Einfahrt zu Flitzing aufgestellt haben, lassen ihn nicht mehr durch. „Ab morgen fahr ich dann eben gleich über Palzing“, sagt er – und biegt in Richtung Flitzing ab. Heute muss er also noch den längeren Umweg über Haag, Langenbach, auf die St 2350 (Ex-B 11) in Kauf nehmen. Wie gut, dass er sich auskennt . . .

Anders eine Frau aus Heidelberg. Sie wurde von den Arbeitern des Staatlichen Bauamts an der B 301-Absperrung Höhe Flitzing noch durchgewunken. „Sie meinten, nach Zolling kann ich noch fahren.“ Jetzt steht sie etwa 200 Meter weiter etwas verzweifelt mitten auf der B 301 auf der gesperrten Brücke über die Staatsstraße 2054. Rechts von ihr der Schotterweg zur Weinkreppe. Ob sie auf diesem Feldweg nach Zolling kommt? Als andere – ortskundige – Autofahrer, den Weg nehmen, steigt sie schnell in ihr Auto und fährt ihnen nach.

Kein Durchkommen auch an der Freisinger Straße. Der Rewe-Markt ist nur zu Fuß oder mit dem Radl erreichbar.

Nächster Schauplatz: Freisinger Straße. Auch hier ist die Ausfahrt zur Bundesstraße komplett gesperrt. „Das darf doch jetzt nicht wahr sein“, schimpft ein Handwerker, der einen Termin bei einem Kunden jenseits des Rewe-Markts hat. Während er und einer seiner Kollegen verärgert vor der Absperrung stehen, kehren neben ihnen immer wieder Autos um, die am Versuch, den Rewe-Markt zu erreichen, scheitern. „Wieso haben die Am Amperkanal auch gesperrt, da wird doch gar nicht gearbeitet?“, regen sich die ausgebremsten Autofahrer auf. Eine Frau auf dem Rad schimpft den Handwerker: „Sind Sie vom Straßenbauamt? Da haben’S ja an schönen Schmarrn gemacht.“ Vor sich hin fluchend radelt sie weiter. Dass der Mann mit der Baustelle nichts zu tun hat, sondern sich selbst darüber ärgert, bekommt sie gar nicht mehr mit.

Jenseits der B 301 in Oberzolling staut es sich: „Ich dachte, die Zufahrt zum Rewe ist frei?“, wundert sich ein Zollinger. Falsch gedacht. Er müsste einmal „außen rum“, um den Einkaufsmarkt über Freising anzufahren. „Das würde einem Schildbürgerstreich gleichkommen“, findet er – und geht heute woanders einkaufen.

Als Chance hat die Gemeinde Zolling die Großbaustelle an der B 301 gesehen und sich kurzerhand eingeklinkt: „Wir richten parallel zu den Arbeiten unsere Einmündungsbereiche her“, erklärt Verwaltungsstellenleiter Eugen Altmann. Die Palzinger- und die Freisinger Straße sowie der Einmündungsbereich Weinmoos bei der Tankstelle werden erneuert. Und damit sich nicht zwei Unternehmen im Weg umgehen, macht das dieselbe Firma wie die Arbeiten an der Bundesstraße. Die Koordination hat die Gemeinde ans Straßenbauamt abgegeben.

Und wieso ist die Straße Am Amperkanal gesperrt? Laut Altmann mache das schon Sinn, sonst würde sich der gesamte Verkehr über diese schmale Straße durch Zolling zurück auf die B 301 walzen. Wie das Versprechen des Staatlichen Bauamts, den Rewe-Markt zugänglich zu lassen, gehalten werden soll, dazu konnte Altmann nichts sagen. „Das ist Sache des Straßenbauamts“ – und das war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Gemeinde Zolling hingegen hält an der Zusage fest, den Aldi und die Tankstelle jederzeit auch mit dem Auto erreichbar zu lassen. „Die Kunden müssen halt einen kurzen Umweg über die St 2054 in Kauf nehmen und quasi hintenrum anfahren“, sagt Altmann.

Und was sagt Rewe? „Mit der Situation in Zolling sind wir alles andere als zufrieden – so wie unsere Kunden auch“, sagt Pressesprecherin der Rewe Group, Region Süd, Ursula Egger. Die Abstimmung sei keinesfalls optimal verlaufen, man hätte sich „schon einen Austausch gewünscht“. Und bereits am ersten Tag habe man einen schmerzlichen Umsatzrückgang gespürt. „Insgesamt rechnen wir mit massiven Umsatzeinbrüchen“, sagt Egger.

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