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Eng geht’s her auf dem Gehweg an der Freisinger Straße in Hallbergmoos, wenn sich Fußgänger und Radler begegnen. Auch darum wird sich der neue Fahrradbeauftragte kümmern. 

Zoff im Hallbergmooser Gemeinderat

Zwei CSU-Rätinnen wollen Robert Wäger nicht als Fahrradbeauftragten

Robert Wäger (Grüne) sollte in Hallbergmoos Fahrradbeauftragter werden. Zwei Damen aus den Reihen der CSU wollten das nicht. Dann gab‘s Zoff. 

Fahrradbeauftragter ist Robert Wäger. Der Weg dorthin war kein leichter. 

Hallbergmoos – Strampeln bei Wind und Wetter: Das ist Robert Wäger (Grüne) als passionierter Radfahrer gewöhnt. Doch als ihm nun im Gemeinderat politischer Gegenwind entgegenschlug, platzte ihm – bildlich gesprochen – der Reifen: Er sollte zum ehrenamtlichen Fahrradbeauftragten der Kommune bestellt werden. Doch da hatte man die Rechnung ohne zwei Damen der CSU-Fraktion gemacht.

Koordinator und Schnittstelle zwischen Bürgern, Rathaus und politischen Gremien, soll der Fahrradbeauftragte sein – und bessere Bedingungen für den Radverkehr schaffen. Er wird an künftigen Planungen des Straßen- und Wegenetzes beteiligt. Sein Augenmerk soll er auch, so heißt es in der Aufgabenbeschreibung, auf Verkehrssicherheit, die Verbesserung der Radinfrastruktur, die Dokumentation und Entwicklung neuer Ideen, Fahrradverleihsysteme und E-Bikes richten.

Die örtliche Verkehrssituation lässt dafür noch reichlich Spielraum. Denn der motorisierte Verkehr wächst stetig. Separate Fahrradwege oder -streifen gibt es nur vereinzelt. Ob es für Verbesserungen einen eigenen Beauftragten – wie in vielen bayerischen Kommunen gang und gäbe – braucht, stellten Tanja Knieler und Silvia Edfelder (beide CSU) nun in der Ratsdebatte in Frage. Wegen Bedenken  „grundsätzlicher Art“, wie Knieler sagte. Sicherlich gehe es um „die Mobilität der Zukunft“. Aber: „Wir haben einen rührigen Arbeitskreis und brauchen keine Zwischenebene, kein freies Radikal zwischen AK und Gemeinderat“, führte sie an. Nach ihrem Dafürhalten könne man die Aufgaben einem Referenten zuordnen. Das gäbe der Angelegenheit auch mehr „Wertigkeit“.

Alle wollen Robert Wäger - bis auf zwei CSU-Rätinnen

Marcus Mey (CSU) schlug unterdessen Robert Wäger vor: „Wir wissen, dass Robert für das Thema brennt und schon in der Vergangenheit viele gute Vorschläge gemacht hat. Ich halte das für konsequent und richtig“, hob er hervor. Auch Bürgermeister Harald Reents (CSU) und AK-Leiter Georg Schu, so verlautete im Verlauf der Debatte, unterstützten Wägers Bestellung. Man habe bewusst das Amt eines Beauftragten im Sinn. „Also keinen Referentenposten und kein Gehalt“, so Wäger.

„Fahrradbeauftragter“ passt nicht zu dem von Wäger geführten Referat „Digitales“, hielt indes Silvia Edfelder (CSU) dagegen. Dann doch eher zur Umweltreferentin Tanja Knieler (CSU). Oder zum Mobilitätsreferent Stefan Kronner (SPD), wie sie sagte. Der winkte allerdings gleich wegen „tausend anderer Aufgaben“ ab. Zugleich stellte Edfelder in Abrede, dass der AK-Leiter Georg Schu die Benennung Wägers befürworte.

Robert Wäger platzt der Kragen - und zieht Bewerbung zurück

Da war’s dann mit Wägers Beherrschung vorbei: „Ich weiß nicht, was ihr zwei gegen mich habt“, wandte er sich erbost an Knieler und Edfelder. „Wenn ihr der Meinung seid, hier weiterhin Unruhe reinbringen zu müssen: Mit mir nicht! Ich ziehe zurück.“ Er werde sich dann eben ausschließlich auf Landkreisebene einbringen. Wäger ist Kreisrat und Dritter Landrat, in Hallbergmoos war er die letzten sechs Jahre Umweltreferent.

„Bei uns ist es Usus, dass kompetente Leute eingesetzt werden. Und da gibt es keinen Besseren als Robert Wäger“, schaltete sich Heinrich Lemer (FW) in die Debatte ein – und bat Wäger eindringlich darum, seine Absage zurückzuziehen. Helmut Ecker (Einigkeit) schloss sich diesem Wunsch an.

CSU-Fraktionssprecher spricht Wäger Demokratieverständnis ab

CSU-Fraktionssprecher Christian Krätschmer räumte die vorherige Absprache zugunsten Wägers zwar ein. „Wenn zwei nicht dieser Meinung sind und du eingeschnappt bist, spricht das nicht gerade für dein Demokratieverständnis“, polterte er in Richtung Wäger.

Nach einem Ordnungsruf von Sitzungsleiter Helmut Ecker (der 2. Bürgermeister vertrat den erkrankten Gemeindechef Harald Reents), kehrte wieder Ruhe ein. Letztlich stellte sich die Ratsmehrheit (14:8) fraktionsübergreifend hinter Robert Wäger.

Eva Oestereich

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