Wohnraum für Flüchtlinge

120 Bewerbungen für eine neue Bleibe

225 Flüchtlinge leben derzeit in Puchheim. 100 davon sind anerkannt – und müssten eigentlich die Unterkünfte verlassen. Deshalb sucht die Stadt nun händeringend nach Wohnraum.

Puchheim–Zahlreiche Flüchtlinge, die eine Wohnung suchen, waren zu der Infoveranstaltung in die Pfarrei St. Josef gekommen, um gemeinsam mit Asylhelfern auf ihre Not aufmerksam zu machen. Welche Schwierigkeiten es dabei gibt, das führte eine Ehrenamtliche anhand eines Beispiels aus. Im vergangenen Jahr hatte sie nach intensiver Suche eine Wohnung für drei Brüder gefunden. Da sie in Puchheim und Umgebung nicht fündig geworden war, hatte sie ihre Suche auf den gesamten Landkreis ausgedehnt. 120 Bewerbungen hatte sie im Namen der drei jungen Männer geschrieben. Doch es gab viele Absagen. Und so mancher Vermieter hätte gar nicht auf ihre Anfrage reagiert, berichtete die Helferin. Einige hätten sie sogar beschimpft.

Dass sie doch noch eine Wohnung fand, sei Zufall ge

wesen. Doch auch in dem Mehrfamilienhaus, in dem die Brüder unterkamen, sorgte die Vermietung an Flüchtlinge für Probleme. Noch bevor die Männer einzogen, formierte sich Protest dagegen von Seiten der Hausbewohner.

Angelika von der Schmitt vom Asylhelferkreis machte klar, wie wie dringend es ist, Wohnungen für Flüchtlinge zu finden. Nicht nur, dass die anerkannten Flüchtlinge die Gemeinschaftsunterkünfte eigentlich verlassen müssten. Sie leben darin auch teils seit zwei Jahren auf engstem Raum. Männer unterschiedlicher Nationen werden in einem Zimmer zusammengelegt. Und auch Familien müssten sich ein Zimmer teilen. Familien sind mitunter auch getrennt untergebracht , manche Mitglieder leben in der Siemensstraße, andere in der Obdachlosenunterkunft.

Um das Problem anzugehen, hat die Stadt bereits Wohnungen angemietet, berichtet Bürgermeister Norbert Seidl. Zudem bemühe man sich, noch weitere zu mieten, aber nicht zu jedem Preis. „Wir sind nicht bereit, für 100 Quadratmeter 2500 Euro zu bezahlen“, so der Rathauschef. Geplant sei auch, in Puchheim-Ort Wohnhäuser zu bauen, voraussichtlich noch in diesem Jahr.

Doch Seidl sagte auch: „Die Zivilgesellschaft muss mithelfen.“ Es gebe sicherlich so manches Haus mit leer stehender Einliegerwohnung, vermutete der Moderator des Abends, Ludger Wahlers.

Sichtlich erfreut war Seidl über das, was Laura Sieber, die Geschäftsführerin einer Verwaltungs GmbH, berichtete. Diese verwaltet rund 1000 Wohnungen in München, Puchheim, Gröbenzell und Fürstenfeldbruck. 20 davon seien bereits an Flüchtlinge vermietet. Große Konflikte mit Nachbarn seien ihr bis jetzt noch nicht zu Ohren gekommen, erzählte Sieber. „Es ist nicht selbstverständlich, dass Vermieter sich so verhalten“, freute sich der Bürgermeister.

Carmen Brackland vom Asylhelferkreis führte dann noch einen Vorteil aus, den Vermieter haben, wenn sie Wohnungen an Flüchtlinge vermieten: die Miete ist sicher. Denn diese wird regelmäßig vom Jobcenter überwiesen.

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