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Die Wohngruppe im Seniorenheim Von-Lepel-Gnitz wird seit Jahren von der Heimatzeitung unterstützt.

Hilfsaktion der Heimatzeitung

161 413 Euro – ein neuer Spendenrekord

Einen absoluten Rekord hat die Hilfsaktion „Kette der helfenden Hände“ dieses Jahr erzielt. 161 413 Euro sind auf den Spendenkonten eingegangen. Das Tagblatt bedankt sich im Namen der Bedürftigen.

Landkreis – Neben den Lesern, Firmen und Vereinen, die Geld gegeben haben, hat an diesem Erfolg Tagblatt-Reporterin Angi Kiener einen großen Anteil. Sie besuchte die Bedürftigen, schrieb ihre Geschichten auf – und wurde so zum Sprachrohr der Menschen am Rande der Gesellschaft. Zum Abschluss der Aktion zieht sie eine sehr persönliche Bilanz.

-Wie erfahren Sie, wer wirklich dringend Hilfe braucht?

Die sozialen Organisationen im Landkreis berichten dem Tagblatt in kurzen Fallbeispielen von Menschen, die dringend Hilfe brauchen. Ich nehme Kontakt mit den Betroffenen auf. Dabei muss man behutsam vorgehen. Nicht jeder will sein Leid in der Zeitung geschildert haben. Das ist auch verständlich. Man braucht Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl.

-Gibt es im reichen Landkreis Fürstenfeldbruck wirklich Armut?

Wenn man selber Arbeit und eine Wohnung hat und in geregelten Verhältnissen lebt, ist es oft schwer vorstellbar, dass diese grundelementaren Dinge, die man täglich als ganz selbstverständlich erlebt, anderen Menschen kaum oder nur in geringem Maß zur Verfügung stehen. Auch wenn im Landkreis kaum jemand auf der Straße oder unter der Amperbrücke leben muss: Für viele bedeutet es jeden Tag eine neue Herausforderung, ihr Leben zu meistern. Darunter sind auch Menschen, die völlig unverschuldet in Not geraten sind.

-Welches Schicksal hat Sie besonders bewegt?

Das kann ich nicht an einem Fall festmachen. Ich will es mal so formulieren: Jeder von uns war schon mal in einer Situation, wo er dachte, da komm’ ich so schnell nicht wieder alleine raus. Oder man hätte so etwas wie einen Strohhalm gebraucht, an dem man sich festhalten kann. Es kann befreiend sein, eine schwierige Situation selber zu meistern. Aber es kann auch sehr erleichternd sein, zu erfahren, dass es Menschen gibt, die gerade in solchen Situationen nicht wegschauen, sondern für dich da sind.

-Heuer spendeten die Leser des Tagblatts über 160 000 Euro...

Das freut mich und die gesamte Redaktion sehr, und auch ich möchte als Kette-Reporterin dafür ganz herzlich Danke sagen.

-Haben Sie eine persönliche Botschaft für die Menschen, die Sie getroffen haben?

Mir wurden die vielen Schicksale ehrlich geschildert. Ich fand es bemerkenswert, welches Vertrauen mir die Leute entgegenbrachten. Ich habe dabei viele wertvolle Menschen kennengelernt. Menschen, denen es einfach gerade nicht gut geht. Menschen, über deren Schicksal ich berichten durfte. Davor ziehe ich meinen Hut.

-Wie haben Sie selbst die Zeit der Recherchen für die Hilfsaktion erlebt?

Das sind letztlich keine Storys, die man einfach mal so wegsteckt, in Zeilen fasst, an die Redaktion schickt und dann zur Tagesordnung übergeht. Journalistische Verantwortung fängt für mich da an, wo ich selber als Mensch stehe. Ich hoffe, es ist mir gelungen, genau das mit meinen Geschichten zu vermitteln, die im Rahmen der Spendenaktion „Kette der helfenden Hände“ in der Heimatzeitung erschienen sind.

Sabine Kuhn

Zu Besuch im Pflegeheim:

Ein wenig aufgeregt ist Adelheid R. schon, wenn sie an diesen besonderen Tag im Juni denkt. Ihr Enkel wird heiraten. „Dafür brauche ich noch ein Outfit“, sagt die 81-Jährige. Wie sie das finanzieren soll, weiß die Seniorin noch nicht. Adelheid R. lebt im Fürstenfeldbrucker BRK-Pflegehaus Von-Lepel-Gnitz. Die Pflegekosten sind hoch, ihre Ersparnisse klein. Es sind die kleinen Dinge, an denen es den Heimbewohnern fehlt und mit denen man sie glücklich machen kann. Petra H. nickt. „Ein Stilkamm und ein paar Lockenwickler wären toll“, sagt die 48-Jährige. Seit einem Schlaganfall vor rund drei Jahren lebt die ehemalige Friseurin und zweifache Mutter im Heim in einer Wohngruppe. Diese richtet sich an relativ junge, pflegebedürftige Menschen zwischen 40 und 60 Jahren. Das Stehen fällt Petra H. schwer, vieles geht nur noch im Sitzen. Doch Frisieren und Haare schneiden will sie weiterhin. „Ich möchte die anderen schick machen.“ Sich aufgeben, weil sie früh Pflege braucht, das kommt für sie nicht infrage. Zu jung für ein Altenheim ist auch Renate M. (59). Die Epileptikerin kam vor gut drei Jahren ins Pflegehaus. Sie liebt Handarbeiten. Sie strickt oder näht auch selbst. „Die Stoffe sind aber oft teuer, ich kaufe nur selten welche.“ Ihr Geld fließt in Taxifahrten zum Arzt. Das ist teurer, aber sicherer. Im Bus ist sie öfters gestürzt. 

Manfred S. (57) kennt das Problem. Er leidet an einer Gen-Krankheit, an den Folgen eines Schlaganfalls und mehrerer Krebserkrankungen. Dank seines elektrischen Rollstuhls kann er wenigstens kleine Spazierfahrten unternehmen. „Doch ich möchte auch meine Kinder besuchen.“ Die leben hunderte Kilometer entfernt. Nur mit einem Begleiter kann Manfred S. die Zugfahrt meistern. Einen Helfer wünscht sich auch die 80 Jahre alte Gisela K.. Zu ihrer großen Schwester hat sie ein sehr inniges Verhältnis. Obwohl beide in der Amperstadt wohnen, sehen sie sich nur selten. Die Distanz ist ein zu großes Hindernis. Manchmal vermisst die Seniorin ihre Schwester und ist ganz traurig. Dann trösten sie die anderen Mitglieder der Wohngruppe. „Wir passen alle aufeinander auf“, ergänzt Renate M. – und betont, dass sie alle vom Heim sehr gut versorgt werden. Bei technischen Problemen hilft Roland F.. Auf dem Gebiet kennt sich der 64-Jährige aus. Sein größter Wunsch deshalb: ein neues Handy. Wenn ein Bewohner etwa nicht allein sein will oder spazieren gehen möchte, ist Elisabeth N. zur Stelle. „Ich bin meistens gut drauf“, sagt die gesellige Seniorin (82) lächelnd. Und das, obwohl auch sie finanziell nicht gut gestellt ist. Eine Wanduhr, Kuscheldecken oder T-Shirts möchte sie sich von dem Zuschuss kaufen, den sie von der Kette der helfenden Hände erhält.

Regina Mittermeier

Die Spendenkonten sind ganzjährig geöffnet:

Sparkasse Fürstenfeldbruck IBAN: DE23700530700008128126 

VR-Bank Fürstenfeldbruck IBAN: DE93701633700000037788 BIC: GENODEF1FFB

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