TSV Unterpfaffenhofen

60 Jahre turnten alle nach ihrer Pfeife

Turnen als Lebenswerk – nur annähernd beschreiben diese Worte das Wirken von Irmi Gmeinwieser. Dass sie 60 Jahre beim TSV Unterpfaffenhofen die Abteilung geführt hat, spricht aber allein schon für sich.

Germering Die 1929 in München geborene Gmeinwieser wäre beinahe gar nicht beim Turnen gelandet, obwohl sie diesem Sport von Kindesbeinen an nachging. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es kaum Turnhallen, dafür Tanzkurse. Gmeinwieser konnte da ihre Freude an der Bewegung ausleben und gelangte auf Turnierniveau. Doch die Kurse wurden immer kostspieliger. „Und dann haben nach und nach die Turnhallen wieder aufgemacht“, erinnert sich Gmeinwieser daran, warum sie dann doch beim Turnen geblieben ist.

Diesem Sport waren bereits beide Eltern sehr aktiv verbunden. „Als ich vier Jahre alt war, haben sie mich zum ersten Mal mitgenommen.“ Und das kleine Mädchen hatte zudem in der Schwabinger Wohnung der Eltern ausreichend Platz zum Üben. Es sei heute nicht mehr vorstellbar, „aber wir hatten eine kleine Turnhalle mit Ringen und einem Schaukeltrapez“.

Der MTSV Schwabing wurde so zum ersten Verein, dem Gmeinwieser beitrat. Es folgte der TSV München-Ost, der dann zum Sprungbrett nach Unterpfaffenhofen wurde. Denn einer der Trainer bei Ost arbeitete auch in Unterpfaffenhofen. Dort fing Gmeinwieser mit fünf Stunden an, zu denen sie mit den Zug aus München anreiste. Ihr Engagement sprach sich schnell herum und so wurde sie 1958 zur Nachfolgerin von Hans Probst. „Ich bin da schon in große Fußstapfen getreten „erinnert sich Gmeinwieser. Aber man sei ihr mit viel Respekt begegnet. „Wenn man schon als Kind begonnen hat zu turnen, weiß man eben, worauf es ankommt.“

Das spürten auch die Menschen vor Ort und in rascher Reihenfolge kamen immer neue Kurse wie zum Beispiel Kleinkinder- sowie das Eltern- und Kindturnen hinzu. Dabei habe sie stets das Vertrauen der Vorstandschaft gespürt, so Gmeinwieser. „Die haben mich in Ruhe arbeiten lassen.“

Zudem hatte die jetzt 89-jährige immer wieder Glück, auf Menschen zu treffen, die dem Sport offen gegenüberstanden. Einer davon war Rektor Ritschel von der Kerschensteinerschule, der Anfang der 1970er-Jahre die Bildung der ersten „Er-und Sie-Gruppe“ stark unterstützte. „Das war ein Riesenrenner und es gibt diese Gruppe heute noch.“ Der Stolz Gmeinwiesers darüber ist heute noch klar zu erkennen.

Ein Riesenerlebnis waren für sie auch die Olympischen Spiele 1972 in München, bei denen sie die Wertungsrichter unterstütze. Kein spektakulärer Job. „Aber ich habe die Großen aus nächster Nähe erlebt.“ Aus bundesdeutscher Sicht waren das etwa Eberhard Gienger und Ingrid Santer. Die Wettkämpfer seien aber sehr abgeschottet worden, besonders die aus dem Ostblock. Dennoch sei es einmaliges Erlebnis gewesen. „Das war Olympia in der ersten Reihe“, so Gmeinwieser.

Ihre Tätigkeit war auch aúf Funktionärsebene auf bayerischer und bundesdeutscher Ebenbe anerkannt. „Das hat mir viele wertvolle Erfahrungen gebracht.“ Beachtung fand ihr Wissen und ihr Engagement ebenso auf gesellschaftlicher und politischer Ebene, was Auszeichnungen etwa der Stadt Germering oder durch den Freistaat Bayern nach sich zog.

„So ist für anderes als Turnen wenig Platz geblieben“, erzählt Gmeinwieser, die sich noch für Eislaufen, Ballett oder Turmspringen begeistert. „Überall, wo Ästhetik eine Rolle spielt.“ Turnen findet sie als Grundlage für viele Sportarten wichtig. „Beim Turnen wird auf Vielseitigkeit geachtet“, erklärt sie. Die dort erlernten sportlichen Grundlagen seien sehr wichtig. „Viele Sportarten sind froh, wenn gut ausgebildete Turner kommen.“ Gmeinwieser wusste schon immer über den Tellerrand „ihres“ Turnens hinauszublicken.

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