Linie 840 in der Buchenau: Zum Zeitvertreib steigen jugendliche Rowdys ein. Sie haben schon Fahrer und Kontrolleure attackiert. Bei manchen sitzt die Angst inzwischen mit hinterm Steuer. Foto: voxbrunner

Abendlicher Bus-Terror im Brucker Westen

Fürstenfeldbruck - Normale Passagiere steigen in einen Bus, um von A nach B zu gelangen. Auf der Linie 840 vom Bahnhof Bruck in die Buchenau sitzen neben diesen aber immer öfter jugendliche Rowdys. Sie pöbeln Fahrgäste an und attackieren Fahrer - um sich die Zeit zu vertreiben.

Besonders abends steigen die Jugendlichen im Westen in die Linienbusse. Ein Ticket haben sie nicht. Spricht ein Busfahrer sie an und will die Fahrkarte sehen, geht der Tanz los. Das wenigste ist, dass sich der Fahrer wüst beschimpfen lassen muss. Teils werden die Rowdys aber auch handgreiflich, berichtet ein Fahrer. Ein Kollege sei sogar verletzt worden. „Trotz Aufforderung wollten sie den Bus nicht verlassen“, erzählt der Fürstenfeldbrucker. Bei der Ticket-Kontrolle hätten sie ihn bespuckt, beleidigt und getreten und sich dann aus dem Staub gemacht.

Diese Schwierigkeiten gibt es nur auf der Linie 840 und erst seit ein bis zwei Jahren. „Seit der MVV die Busfahrer angewiesen hat, abends die Fahrgäste zu kontrollieren“, sagt Thomas Unholzer, Chef des Olchinger Busunternehmens, das für diese und zwei weitere Strecken zuständig ist. Gerade am Abend würden viele schwarz fahren. „Bringen Sie mal acht Jugendliche aus dem Bus“, sagt Unholzer. Darunter leiden auch die Fahrzeuge. Fensterscheiben sind schon zu Bruch gegangen, auch Eier habe man schon auf den Wagen geworfen. Unholzer spricht sogar von Drohanrufen. Kein Fahrer reißt sich mehr um diese Strecke, manche haben richtig Angst.

Michael Fischer, Vizeleiter der Brucker Polizeiinspektion, bestätigt, dass es immer wieder Probleme mit Fahrgästen gibt. Er spricht aber von Einzelfällen. Hermann Seifert, Experte für den Öffentlichen Personennahverkehr im Landratsamt, ist das Problem nach eigenen Aussagen gar nicht bekannt. Das hat einen Grund: Der Busunternehmer wendet sich nicht an die Behörden. Begründung: Es bringe nichts, sie zu rufen. Die Jugendlichen seien dann schon längst weg.

Stattdessen bittet Unholzer den MVV, gerade abends Kontrolleure rauszuschicken. Erst in der vergangenen Woche waren die wieder im Einsatz. Und prompt gerieten ein Kontrolleur und zwei Jugendliche in Streit. Die Polizei wurde gerufen, um die Personalien der Schwarzfahrer festzustellen. Bei Handgreiflichkeiten wurde ein Jugendlicher verletzt, berichtet Fischer. Wer wen angegriffen hat, müssen die Vernehmungen ergeben.

Bei dieser Blockkontrolle seien zehn Prozent der Fahrgäste ohne Karte gewesen, berichtet MVV-Sprecherin Renate Brennauer. Beim letzten Mal seien es noch knapp 30 Prozent gewesen. Für sie ein Zeichen, dass die Kontrollen Wirkung zeigen.

An dem abendlichen Bus-Terror ändert das aber nichts. Die Fahrer setzen sich mit einem unguten Gefühl hinters Lenkrad. „Wenn einer mit dem Messer kommt, wird es gravierender“, sagt einer von ihnen. Auch Thomas Unholzer fürchtet, dass es noch schlimmer wird. Man müsse sich überlegen, für den Betrieb welcher Linien man sich künftig bewerbe. (Ingrid Zeilinger)

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