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100 Jahre Kriegerverein: Kampf um Zukunft

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Von: Andreas Daschner

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Dieses Foto ist wie folgt beschriftet: „Kriegereinzug Adelshofen, 23. Januar 1919“. © Repro: ad

Der Krieger- und Soldatenverein Adelshofen wird heuer 100 Jahre alt. Bei aller Freude plagen den Verein aber Nachwuchssorgen.

AdelshofenSchriftführer Peter Schöberl gibt sich keinen großen Illusionen hin: „Es gibt – man muss sagen: zum Glück – keine Krieger und auch keine Bundeswehrpflicht mehr. Der Verein stirbt wohl irgendwann aus.“ Noch zählen die Krieger und Soldaten zwar 130 Mitglieder. „Aber die sind nicht mehr die jüngsten.“ Doch die aktuelle Vorstandschaft hat sich zum Ziel gesetzt, den Exitus so lange wie möglich hinauszuzögern. „Deshalb versuchen wir, unser Vereinsleben zu beleben“, sagt Peter Schöberl.

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Die aktuelle Vorstandschaft des Krieger- und Soldatenvereins Adelshofen: (v.l.) Vorsitzender Ottmar Jakob, Schriftführer Peter Schöberl, Kassier Josef Schöpf, Ehrenvorsitzender Franz Klass und Vize-Vorsitzender Anton Hillreiner. © Kriegerverein

Dazu gehören jährliche Vereinsausflüge, die die Krieger und Soldaten unter anderem in die Steiermark, ins Mühlviertel hinter Passau und nach Monte Casino führten. Die Ausflüge waren ein Grund dafür, dass in den 1990er-Jahren auch Frauen als Mitglieder zugelassen wurden. „Als ihre Männer verstarben, wollten wir ihnen die Möglichkeit geben, weiter an den Mitgliedsausflügen teilzunehmen“, sagt Schöberl. Die Kameradschaft pflegen die Vereinsmitglieder außerdem beim jährlichen Grillfest mit Steckerlfischessen und beim Kriegerjahrtag am Samstag nach Fasching.

Großes Programm zur Jubiläumsfeier

Und selbstverständlich wird auch das Jubiläum groß gefeiert, und zwar am 12. Oktober. Nach einem Abendgottesdienst zieht der Fahnenzug mit Musik zum Kriegerehrenmal, ehe um 20 Uhr der Festabend in der Mehrzweckhalle auf dem Programm steht.

Dass der Verein heuer seinen 100. Geburtstag feiert, ist nicht besonders überraschend. Wie viele andere seiner Art hatten die Adelshofener Krieger und Soldaten ihren Ursprung in den Nachwehen des Ersten Weltkriegs – genauer gesagt am Samstag nach Fronleichnam 1919.

Es gibt kaum Aufzeichnungen zur Vereinsgeschichte

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Ein Foto von einem Gottesdienst im Freien. Die näheren Umstände sind nicht bekannt. © Repro: ad

Viele Aufzeichnungen über die Vereinsgeschichte gibt es nicht, wie Schöberl bedauernd berichtet. Alte Bilder existieren nur drei: einmal ist ein Kriegereinzug zu sehen (als Datum ist der 23. Januar 1919 genannt), einmal ein Gottesdienst im Freien und schließlich eine Fahnenabordnung. Nähere Umstände sind nicht bekannt. Was bekannt ist, sind die Umstände der Vereinsgründung: Im Gasthaus Pschorr hatten sich einige heimgekehrte Krieger mit dem Vorhaben getroffen, den Verein aus der Taufe zu heben – damals noch unter dem Namen Krieger- und Veteranenverein. Die Grundpfeiler dieses Vorhabens gehen aus einer kurzen Vereinschronik hervor, die anlässlich des 75-jährigen Bestehens verfasst worden war: „Liebe und Treue zur Heimat, Pflege der einst erlebten Kameradschaft und treues Gedenken an unsere lieben Gefallenen, Vermissten, sowie der in der Heimat verstorbenen Kameraden“. Als Vorsitzender wurde Hans Hörl gewählt, der aber schon im ersten Vereinsjahr heiratete und nach Murnau zog.

Die Fahnenweiche musste wegen einer Seuche ausfallen

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Eine Fahnenabordnung des Vereins. © Repro: ad

Er legte sein Amt daher nieder, Nachfolger wurde Ludwig Hinträger. Unter ihm konnte auch die erste Vereinsfahne angeschafft werden. Durch Spenden der Mitglieder und der Bevölkerung kam ein Betrag von 2400 Mark zusammen, mit dem die Fahne bei einer Münchner Firma in Auftrag gegeben werden konnte. Die Fahnenweihe stand jedoch unter keinem guten Stern: Einige Tage vor dem geplanten Termin am 13. Juni 1920 bekam die Vorstandschaft die Nachricht vom Verbot sämtlicher Feiern und Feste. Der Grund: Seinerzeit grassierte die Maul- und Klauenseuche. Beim Nachholtermin am 20. September desselben Jahres goss es wie aus Eimern. Die Fahne wurde dennoch geweiht und der Verein aus der Taufe gehoben.

Während des Zweiten Weltkriegs traf auch den Krieger- und Veteranenverein das damals herrschende Vereinsverbot. Jegliche Aktivitäten ruhten, während 46 junge Soldaten aus den damals noch kleineren Dörfern Adelshofen und Nassenhausen ihr Leben in dem grausamen Krieg ließen. Doch am 17. Februar 1952 wurde der Verein von 60 Kameraden im Gasthaus Danner wiederbelebt. Nun nannte man sich Kriegerkameradschaft Adelshofen-Nassenhausen. Als immer mehr Reservisten der Bundeswehr zum Verein stießen, folgte die neuerliche Umbenennung in den noch heute gültigen Namen: Krieger- und Soldatenverein.

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