Wolfgang Hillreiner an der Brennblase: Aus dieser läuft am Ende der Schnaps, der dann noch mit Wasser auf eine trinkbare Stärke verdünnt wird.
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Wolfgang Hillreiner an der Brennblase: Aus dieser läuft am Ende der Schnaps, der dann noch mit Wasser auf eine trinkbare Stärke verdünnt wird.

Adelshofen

Sein Schnaps ist ausgezeichnet

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Gerade einmal seit zwei Jahren brennt Wolfgang Hillreiner Schnaps. Die kurze Zeit reichte dem Adelshofener aber, um eine preisgekrönte Spirituose zu kreieren. Von der Initiative Bayern Brand wurde ihm die Silbermedaille für seinen Getreidebrand „Hill Shine“ verliehen.

Adelshofen – Wie wird man eigentlich Schnapsbrenner? „Die Frage bekomme ich oft zu hören“, sagt Hillreiner und lacht. Die Initialzündung für ihn fand bereits vor gut 15 Jahren statt. „Ich habe damals in der gehobenen Hotellerie an der Bar gearbeitet“, erzählt der 37-Jährige. Die hochwertigen Branntweine, die er dabei kennenlernte, haben ihn gedanklich nicht mehr losgelassen.

„Ich habe bestimmt zehn Jahre lang die Idee mit mir herumgetragen, selbst einmal Schnaps zu brennen“, erzählt Hillreiner. 2017 schließlich setzte der gelernte Kaufmann und jetzt als technischer Redakteur bei einem großen Werkzeughersteller tätige Adelshofener seinen Traum in die Tat um und eröffnete seine „Hill Destillery“.

Das Brennrecht

Doch ganz einfach war auch das nicht. „Erst einmal braucht man ein Brennrecht“, sagt Hillreiner. Das zu bekommen, ist seit 2018 gar nicht mehr so einfach. Die Alkoholsteuerreform hat härtere Zugangsbeschränkungen mitgebracht. Weil das schon früh abzusehen war, hatte es Hillreiner eilig: Er bewarb sich bereits 2017 um das Recht – und hatte Erfolg. Er bekam ein frei gewordenes Brennrecht zugesprochen.

Beim nötigen Equipment folgte der nächste Schreck: Ab 30 000 Euro bekommt man eine neue Brennblase – mit nach oben offener Preisgrenze. Um nicht so tief in den Geldbeutel greifen zu müssen, hat Hillreiner eine gebrauchte Blase erstanden und restauriert. Das nötige Know-how zum Brennen schaffte er sich schließlich über Bücher und Kurse beim Brennverband drauf. „2018 konnte ich dann mit dem Brennen anfangen“, erzählt Hillreiner.

Ein weißer Klarapfel

Sein erstes Produkt: ein weißer Klarapfel. „Die Frühäpfel sind bereits im Juli reif.“ Gerade pünktlich zum Start der Destillerie des Adelshofeners. Weil 2018 ein gutes Obstjahr war, konnte Hillreiner in der Folge auch mehrere weitere Brände ausprobieren. Derzeit brennt er zehn verschiedene Spirituosen, darunter auch einen Gin.

Sein Preisträger-Schnaps entstand im Herbst mit Getreide direkt vom Acker weg, wie der Schnapsbrenner sagt. Beinahe hätte er jedoch vergessen, seine Spirituosen bei der Preisverleihung einzureichen. „Als ich daran dachte, waren die meisten meiner Obstbrände schon ausverkauft“, erzählt Hillreiner. Von seinem „Hill Shine“ hatte er aber noch genügend Flaschen. Und so bewarb er sich damit und wurde prompt mit Silber ausgezeichnet.

Der Weizen kommt vom Nachbarn

Das Geheimnis für die Qualität des Getreidebrands klingt lapidar: „Man muss einfach so sauber arbeiten, wie es geht.“ Das gehe schon bei der Qualität der Rohstoffe los. Für seinen Brennvorgang nimmt Hillreiner den Weizen seines Nachbarn. „Das Feld ist direkt hinter meinem Haus, sodass ich dem Weizen beim Wachsen zusehen konnte“, erzählt er. Regionaler gehe es nicht.

Den Mais bezieht Hillreiner aus Moorenweis, das Malz aufgrund fehlender Mälzereien in der Region immerhin noch aus dem Bamberger Raum. Auch bei seinen Obstbränden setzt Hillreiner auf extreme Regionalität: Die Früchte stammen nahezu alle von seiner eigenen Obstwiese hinter dem Haus.

Für die Produktion von 300 Liter Alkohol hat Hillreiner die Erlaubnis. Mit dem Verschnittwasser, mit der er den Alkoholgehalt von rund 80 auf etwa 42 Prozent senkt, reicht das für etwa 550 Liter Schnaps. Nicht alles davon füllt der Adelshofener aber in Flaschen ab. Ein großer Teil landet in Fässern. Denn Hillreiner verfolgt einen Traum: Er will auch Bourbon Whisky produzieren. Fünf bis sieben Jahre Lagerzeit sind dafür nötig. „Ich rechne damit, dass ich zu Weihnachten 2023 meinen ersten Whisky anbieten kann“, sagt Hillreiner.

Mit dem will er sich dann vielleicht sogar in den USA, der Heimat des Bourbon Whisky, um einen Preis bewerben. „Einfach nur, um den Amerikanern zu zeigen, dass wir in Bayern vielleicht sogar einen besseren Bourbon produzieren können.“

So entsteht der preisgekrönte Hill Shine

Bevor der Getreideschnaps im Schnapsglas landen kann, stehen für Wolfgang Hillreiner zahlreiche Arbeitsschritte auf dem Programm.

Als erstes muss er das Getreide in der Mühle seiner Destillerie mahlen. Das gemahlene Gut kocht der Adelshofener anschließend in einem Wasserkessel auf. „Das ist nötig, um die Stärke aufzubrechen“, erklärt er.

Danach wird die Masse wieder heruntergekühlt, außerdem fügt Hillreiner ein Verzuckerungsenzym und Hefe hinzu. Dadurch wird die Stärke in Zucker umgewandelt, der für den folgenden Gärvorgang von entscheidender Bedeutung ist.

Dann ist Geduld gefragt. Vier Tage lang gärt die Flüssigkeit in vier großen Bottichen. Der Inhalt landet dann in der Brennblase, wo die Destillation erfolgt. Am Auslass des Kühlers wird der Getreidebrand aufgefangen.

Nachdem er den Alkoholgehalt durch Zufügen von Wasser gesenkt hat, kann Hillreiner seinen Schnaps in Flaschen abfüllen, mit einem Etikett bekleben – alles in Handarbeit. Verkauft wird der „Hill Shine“ schließlich in Hillreiners Hofladen in Adelshofen oder in seinem Online-Shop auf hill-destillery.com. ad

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