Familie gestaltet Ortsgeschichte seit Jahrzehnten mit

Als Luttenwang zu Adelshofen kam

40 Jahre sind seit der Gebietsreform inzwischen vergangen. Für manche Orte brachte sie 1978 einschneidende Veränderungen mit sich. Zum Beispiel für Luttenwang – und dort vor allem für eine Familie.

Adelshofen – Das kleine Örtchen Luttenwang wurde bei der Gebietsreform in Adelshofen eingemeindet. Einer, der beide Orte seither politisch begleitet hat, ist der heutige Vizebürgermeister und dienstälteste Gemeinderat Johann Siebenhütter. Von 1972 bis 1978 war Siebenhütter Gemeindesekretär der damals noch eigenständigen Gemeinde Luttenwang. Das war kein Zufall. Der letzte Bürgermeister des damals zwischen 150 und 180 Bürgern zählenden Ortes war sein Vater, Hans Siebenhütter sen.. Er hatte seinen Sohn mit an Bord der Kommunalverwaltung geholt.

Im ersten Anlauf der Bürgermeisterwahl 1972 hatte seinerzeit keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit erzielt. „Mein Vater hat dann zu mir gesagt: ,Bua, Du kannst guad schreib’n, und I kann guad red’n. Machen wir’s?’“, erinnert sich der heute 67-jährige Sohn zurück. Es war der Anfang einer politischen Karriere, für die Johann Siebenhütter im März die Kommunale Verdienstmedaille in Bronze überreicht bekam.

Die Arbeitsbedingungen für den Gemeindesekretär waren vor gut 46 Jahren etwas kurios. Denn trotz Eigenständigkeit gab es in Luttenwang kein Rathaus. Die Gemeindeoberhäupter leiteten die Kommune von ihren privaten Häusern aus. So hatte es auch Vorgänger Johann Frietinger gehalten. Bei den Siebenhütters wurde dafür ein Nebengebäude zweckentfremdet.

„Mein Opa ist nach seiner Pension von Dortmund nach Bayern gezogen, für ihn hatten wir einen Bungalow gebaut“, erzählt der Luttenwanger. Obwohl der betroffene Großvater davon wenig erfreut gewesen sei, wurde sein Wohnzimmer kurzerhand zur Gemeindekanzlei umfunktioniert.

An seine Arbeit als Sekretär des Vaters kann Siebenhütter sich noch gut erinnern. Sie war ganz anders, als sie es heute wäre.

„Ich habe Lohnsteuerkarten noch mit einer alten Schreibmaschine ausgefüllt. Heute gibt es gar keine Lohnsteuerkarten mehr.“ Anfangs habe es nur eine rudimentäre Buchhaltung gegeben: eine simple Einnahmen- und Ausgabenübersicht. Erst unter den Siebenhütters wurde die doppelte Buchführung eingeführt. Es sollte eine der letzten Amtshandlungen eines Luttenwanger Bürgermeisters sein. Bei der Gebietsreform. war zunächst im Gespräch, dass Grunertshofen (heute Gemeinde Moorenweis) und Luttenwang eine eigenständige Gemeinde bilden sollten.

„Das zerschlug sich, weil es damals irgendwelche Streitigkeiten zwischen den beiden Orten gab“, sagt Siebenhütter. Stattdessen kam es zur „Vernunftehe mit Adelshofen“, wie das Tagblatt seinerzeit schrieb.

Die politische Karriere des jüngeren Siebenhütters fand damals eine kurze Unterbrechung. Die Bürger des neuen Ortsteils traten mit einer eigenen Liste zu den Kommunalwahlen an. „Das Argument dafür war damals, dass wir sonst keinen Luttenwanger in das Gremium kriegen.“ Bei der Wahl erhielten dann Vater und Sohn Siebenhütter gleich viele Stimmen. Im Gegensatz zu heute, war es in den 1970ern nicht erlaubt, dass beide im Gemeinderat vertreten sein durften. „Mein Vater hat als ehemaliger Bürgermeister sein Mandat angenommen.“

Erst acht Jahre später trat der Senior dann nicht mehr zur Wahl an und machte damit den Weg für seinen Sohn frei. Seitdem ist der frühere Personalleiter bei EON durchgehend im Gemeinderat vertreten. Ein bequemer Ortspolitiker war Siebenhütter dabei nur selten. Nach der Eingemeindung warf er zum Beispiel dem damaligen Bürgermeister Benedikt Schwarz Schlamperei vor, weil nicht klar war, was mit den Schlüsselzuweisungen Luttenwangs in Höhe von 43 800 Mark nach der Zusammenlegung der Gemeinden passiert war. Auch heute vertritt Siebenhütter im Gremium noch unbeirrt seine Standpunkte.

Was sich geändert hat: der Gegenwind aus der Bevölkerung wurde größer. „Der Status des Gemeinderats hat sich massiv verändert“, sagt der Vizebürgermeister. Früher seien Mandatsträger angesehene und respektierte Persönlichkeiten gewesen. „Heute wird man oft beschimpft, und vieles wird schlechtgeredet.“ Seine bald 50-jährige kommunalpolitische Karriere für die einst eigenständige Gemeinde Luttenwang, den heutigen Ortsteil von Adelshofen, will er dennoch nicht missen.

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