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Im Grünen: (v.l.) Stefan, Marco und Franz Klaß, Paul Högenauer, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung, und Försterin Anita Ottmann vom Forstrevier Bruck vor einer Kiefer, von denen Stefan Klaß knapp zwei Dutzend gepflanzt hat, „weil man auch mal was anderes probieren muss“.

Der Klimawandel macht’s nötig

So baut man einen Wald um

Adelshofen – Der Klimawandel ist in aller Munde und geht auch an den Brucker Wäldern nicht spurlos vorüber. Deswegen muss der Wald dringend „umgebaut“ werden – das geht aber nicht so schnell wie der Klimawandel.

Wer einen Wald bewirtschaftet, muss viel Zeit mitbringen. Ein altes Sprichwort sagt: „Was der Großvater pflanzt, erntet der Enkel.“ Praktischerweise sind deswegen in dem knapp zwei Hektar großen Waldstück der Familie Klaß südwestlich von Adelshofen auch drei Generationen tätig: Opa Franz, der den Wald vor zehn Jahren gekauft hat, Sohn Stefan, der mit der Pflege beschäftigt ist, und Enkel Marco (15), der am liebsten das Holz mit dem Bulldog aus dem Wald zieht.

Angesichts klimatologischer Daten in den vergangenen Jahren muss das Sprichwort aber wohl umformuliert werden: Schon die nächste Generation erntet – nicht ganz freiwillig – das Holz. Das wurde nämlich schon vor Erreichen des Durchschnittsalters entweder vom Sturm umgeworfen, vom Käfer zerfressen oder von der Sommerhitze gedörrt.

Schädlinge werden sich explosionsartig vermehren

„Die vergangenen drei Winter waren keine solchen, die Durchschnittstemperaturen 2014 und 2015 lagen rund zwei Grad über dem Mittel, und im vergangenen Rekordsommer gab es 18 Tage über 30 Grad“, fasst Forstamtsleiter Hans-Jürgen Gulder die Wetterbeobachtungen seiner Station in Puch zusammen. Das kann nicht ohne Folgen für den Wald bleiben. Trotz des ungewöhnlich nassen Jahres bisher erwarten die Forstexperten eine explosionsartige Vermehrung von Buchdruckern und Kupferstechern, die den Fichtenbeständen dramatisch zusetzen. Spätfolgen des klimatischen Katastrophenjahres, in dem Birken und Vogelbeeren bereits im August die Blätter verloren hatten. Denn bis ein leidender Baum seine ursprüngliche Vitalität wieder erlangt, vergehen zwei bis vier Jahre.

Das Rezept: viel Laubholz pflanzen

Um den Wald der Familie Klaß haben die gefräßigen Käfer bis dato einen Bogen gemacht, während im vergangenen Jahr noch 30 Festmeter Holz einzuschlagen waren. Das kann sich aber schnell ändern. Jedenfalls hat die Schlosser-Familie vorgesorgt und nach Beratung durch die Revierförsterin Anita Ottmann den Waldumbau mustergültig begonnen. „Keine Fichten mehr, weil wir im Landkreis fast keine geeigneten Böden haben, viel Laubholz wie Buchen, Erlen, Ahorn, Linden, aber auch Tannen und Douglasien“, fasst Ottmann ihr Rezept zusammen. Dafür gibt’s staatliche Zuschüsse.

Wichtig sei, damit anzufangen, solange die Fichten noch stehen, erklärt Ottmann. Denn die Weißtannen bräuchten den Schattenschirm durch die höheren Bäume. Damit lässt sich auch Zeit gewinnen, weil es nach einer Totalrodung nicht bei Null losgeht.

Fitnessprogramm für Mensch und Natur

Unbefriedigend ist für Gulder, dass die Jagdpächter in den Privatwäldern keinerlei Beitrag leisten, die Naturverjüngung durch konsequenten Abschuss zu unterstützen. Deswegen sei eine Einzäunung unabdingbar, werde aber immerhin gefördert.

Neben diesem staatlichen Fitnessprogramm für den Wald ist der Wald auch selbst ein Fitnessprogramm für die Großfamilie Klaß. „Das ganze Jahr über gibt’s was zu tun, Pflanzen, Kalamitätenholz rausschneiden, Brombeer-Ranken rausreißen“, sagt Franz Klaß und lacht, „ein Fitness-Studio brauch ich nicht!“ Nur bei der Holz-Vermarktung unterstützt ihn Paul Högenauer und seine Waldbesitzervereinigung.

von Max-Joseph Kronenbitter

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