Was alte Karten erzählen können

Das blieb vom Fuggerschloss

Einen Blick in die Geschichte werfen – und das ohne ein Buch auf-zuschlagen? Das machen die historischen Karten des Bayern-Atlas möglich, die jeder online aufrufen kann. Das Tagblatt ist schon mal auf virtuelle Spurensuche gegangen. Heute führt diese nach Adelshofen.

Adelshofen – Ein massiver Bau, um den ein Graben läuft, darüber der Schriftzug „Graf Fugger“: So stellt sich das Fuggerschloss in Adelshofen auf der historischen Karte aus dem 19. Jahrhundert des Bayernatlas dar. Heute erinnern nur noch Reste des Grabens, ein kleines Gebäude und eine Brücke an das einst mächtige Bauwerk.

Eigentlich ist der Name Fuggerschloss nur zur Hälfte richtig. Die Burg auf dem rund 40 mal 45 Meter großen Areal wurde zwar tatsächlich lange Zeit von dem Augsburger Adelsgeschlecht bewohnt. Seine ursprünglichen Erbauer stammten aber aus einer anderen Familie: die Herren von Adelshofen, die der Gemeinde ihren Namen gaben.

Wann die Burg genau errichtet wurde, lässt sich heute nur noch schwer nachvollziehen. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung Adelshofens findet sich in einer Urkunde des Klosters Schäftlarn aus dem Jahr 1170, wo von Oudalrich und Hainrich de Adelungshoven die Rede ist. Eine frühere Erwähnung im 8. Jahrhundert ist strittig. „Man weiß nicht, ob Adelshofen oder Adelzhausen gemeint ist“, sagt Heinz-Josef Schmitz, 3. Bürgermeister und Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Adelshofen.

Am Anfang war ein Wasserschloss

1372 jedenfalls wird eine Burg als Stammsitz der Herren von Adelshofen genannt. Ob damit bereits das Schloss gemeint ist, erscheint fraglich. Historiker vermuten, dass es sich dabei um eine Wasserburg an der Stelle des späteren Schlosses handelt. Der eigentliche Bau wird Ulrich IV. von Adelshofen im Jahr 1445 zugeschrieben, so Schmitz. Dabei könnte es sich um einen Wiederaufbau der Wasserburg nach Schäden aus dem Hoflachkrieg handeln. Bis 1580 blieb das Bauwerk im Besitz der später verarmten Adelsfamilie.

Die Grafen Fugger von Kirchberg und Weißenhorn erwarben das Schloss von den Adelshofnern. Aus dem Adelsgeschlecht ist außerdem noch Alexis Fugger als Eigentümer überliefert. Ansonsten liegt auch hier vieles im Dunkeln. „Die Quellenlage zum Schloss ist allgemein äußerst dürftig“, sagt Schmitz. Bekannt ist, dass die Augsburger Adligen das baufällige Schloss noch vor 1701 abreißen und durch einen barocken Neubau ersetzen ließen.

Wie das mächtige Bauwerk ausgesehen haben könnte, kann man einem Kupferstich von Michael Wening aus dem 18. Jahrhundert entnehmen. Historiker vermuten, dass die Ansicht das geplante Schloss darstellt. Ob der fertige Bau tatsächlich so aussah, ist nicht bekannt. Zu erkennen ist darauf auch das Schlossrichterhaus aus dem 17./18. Jahrhundert.

Mit den Habsburgern hat eine weitere große Adelsfamilie ihre Spuren in Adelshofen hinterlassen – wenn auch nur für kurze Zeit. 1818 erwarb die Kurfürstenwitwe Leopoldine aus Mailand das Schloss, das ihr bis 1829 gehörte. „Dann kaufte Simon Pfleger, ein Landwirt aus Nassenhausen, das Schloss“, berichtet 3. Bürgermeister Schmitz. Das läutete schließlich das Ende des Schlosses ein. Anfang der 1830er-Jahre wurde das mächtige Bauwerk abgerissen.

Im Abriss entlud sich die Wut auf den Adel

„Die Gründe dafür sind heute kaum mehr nachzuvollziehen“, sagt Schmitz. Bürgermeister Michael Raith äußert in einer Abhandlung zur Schlosshistorie die Vermutung, dass die Herrschaft der Fugger so verhasst war, dass sich das im Abriss des letzten Überbleibsels des Adelsgeschlechts „explosionsartig entlud“. Das Abbruchmaterial wurde für den Bau anderer Gebäude verwendet.

Übrig blieb nach dem Abriss nur das Schlossrichterhaus – das heute privat genutzt wird – und der Garten, die von Pfarrer Michael Hamberger 1837 gekauft wurden. Acht Jahre später trat schließlich die inzwischen selig gesprochene Maria Theresia Gerhardinger auf den Plan und erwarb das Areal für die Kongregation der armen Schulschwestern, die dort ihr Kloster errichteten, in dem Kinder und Jugendliche Schulunterricht und während des Zweiten Weltkriegs auch eine berufliche Ausbildung bekamen. Auch Bürgermeister Michael Raith drückte dort noch die Schulbank. Bis 2014 lebten Nonnen im Kloster. Nachdem sie Adelshofen verlassen hatten, kaufte die Gemeinde das Gelände.

Mühsame Spurensuche

Wer heute noch Überbleibsel des einstigen Schlosses sucht, muss genau hinschauen. Neben dem Schlossrichterhaus sind im Nordwesten noch Reste des Grabens erhalten, während die anderen Teile aufgefüllt wurden. Eine Brücke über den Graben ist nicht das Original, sondern ein Ersatzbau.

Die Fugger haben ihre Spuren in der nahen Kirche St. Michael hinterlassen. Dort finden sich Epitaphien (Grabplatten) des Adelsgeschlechts sowie das Wappen auf dem Chorbogen und in einem Deckengemälde. Weitere Überbleibsel fußen zumeist auf Gerüchten und Vermutungen. So könnte sich in der kleinen Kapelle an der Straße Richtung Nassenhausen ein weiteres Zeugnis der Schlossgeschichte befinden. „Im Schloss soll es eine Kapelle gegeben haben“, berichtet Schmitz. Es wird gemunkelt, dass die Darstellung des gegeißelten Heilands aus der heutigen Kapelle von dort stammen könnte.

Adelshofen das bairische Bozen

Bis auf die Herren von Adelshofen könnte ein Gewölbe unter dem heutigen Rathaus zurückgehen. Dabei soll es sich um den Weinkeller Ulrichs IV., des Erbauers des Schlosses, handeln. „Gesichert ist das aber auch nicht“, sagt Schmitz. Der Spitzname Adelshofens als „Bairisches Bozen“ geht wohl ebenfalls auf Ulrich IV., beziehungsweise dessen Gemahlin, zurück. Der Adelshofener hat der Überlieferung nach eine Tirolerin geheiratet, die Obst aus ihrer Heimat importiert und damit den Schlossgarten angelegt haben soll.

Eine Spur der Herren von Adelshofen führt indessen in den Elsaß. „Dort soll ein Nachkomme des Adelsgeschlechts 1864 die Brauerei ,Adelshoffen’ gegründet haben“, sagt Schmitz. Sie wurde später von Heineken übernommen und 2000 geschlossen. Eine Erinnerung an die Brauerei hat Schmitz in seinem Besitz: einen Bierdeckel mit dem Schriftzug „Adelshoffen“. (ad)

Der Bayern-Atlas

steht im Internet unter www.bayernatlas.de. Jeder kann kostenlos darauf zugreifen.

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