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Hier grüßt ein Aufstiegsheld: Benedikt Saller – vor 24 Jahren in München geboren und in Adelshofen aufgewachsen – hat im Jahn-Trikot einen seiner Ausbildungsvereine in die 3. Liga geschossen.

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Cooler Bua vom Dorf in überhitzter Arena

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In der Kreisklasse droht Adelshofen der Abstieg in die Buchstabenliga. Doch das Fußballdorf feiert einen Kickerhelden: Benedikt Saller hat mit Jahn Regensburg an einem für die Münchner Löwen ebenso denkwürdig-tragischen wie skandalösen Relegationsabend den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft.

Adelshofen – Erstaunlich cool, abgezockt und routiniert hat der gelernte Mittelfeldspieler die von Jahn-Trainer Heiko Herrlich zugeordneten Defensivaufgaben erfüllt. Selbst als er in der Schlussphase die randalierende Westkurve der Löwen-Fans unmittelbar im Rücken hatte, spulte Saller sein Programm zuverlässig ab. Zuvor hatte er sogar Zeit gefunden, um sich auf der rechten Außenbahn etliche Male als Flankengott zu versuchen. Hinterher erklärte Saller im Presseraum der Allianz-Arena seine Kaltschnäuzigkeit so: „Ich habe ja schon mal mit Mainz vor 70 000 Zuschauern gegen den FC Bayern gespielt.“

Doch die damalige Bundesliga-Begegnung ist kaum vergleichbar mit der Dramatik, die er jetzt im Jahn-Trikot erlebte. Saller, der für die Mainzer am 25. Januar 2014 sein erstes Bundesliga-Tor erzielte (es war gleichzeitig der Siegtreffer zum 2:1 beim VfB Stuttgart), war selbst bis 2009 bei den Münchner Löwen ausgebildet worden. Dorthin hatte ihn der Weg über SV Adelshofen, SC Fürstenfeldbruck, Bayern München, Planegg und Starnberg geführt, ehe er seinen ersten Profivertrag bei Mainz 05 bekam.

Daheim in Adelshofen blieb es gestern erstaunlich ruhig. Zumindest, so berichtet Mama Claudia (die übrigens ähnlich wie die Mutter von Philipp Lahm auch Jugendleiterin in ihrem Heimatverein war), habe nicht ständig das Telefon geklingelt. Was allerdings der modernen Kommunikation geschuldet scheint. Denn per SMS und WhatsApp trafen ständig Glückwünsche ein. Was Papa Rainer wohl auch etwas stolz gemacht hat. Denn schließlich war das einstige Gifthaferl im Bayernliga-Team der Brucker TuS-Handballer der erste Trainer seines Sohnes beim heimischen Sportverein. In der großen Arena war der Vater zunächst allerdings etwas angefressen, wie der jüngere Sohn Matthias gestern beim Frühstück in einer Brucker Bäckerei berichtete. Denn der Papa hatte die von seinem Sprössling zur Verfügung gestellten Karten mit der besseren Tribünenkategorie großherzig verschenkt – und es dann ein bisserl bereut, als er die Partie in der Südkurve vom Oberrang aus verfolgen musste.

Der Marktwert von Saller junior an der Transferbörse – zuletzt 300 000 Euro, der höchste Stand war vor drei Jahren eine Million – dürfte demnächst wieder nach oben klettern. Der Vertrag des ehemaligen deutschen U18-Nationalspielers in Regensburg läuft noch ein Jahr. Saller war vom innerhalb eines Jahres von der Regional- in die 2. Bundesliga durchmarschierten Jahn erst am 10. August vergangenen Jahres verpflichtet worden. Während die Eltern nun in den Urlaub an den Gardasee aufbrechen, hat Adelshofens neuer Fußballgott noch keine genauen Vorstellungen, wie er die jetzt anstehenden freien Tage bis zur Vorbereitung auf die neue Saison verbringen wird. Erst wird aber mal in Regensburg kräftig gefeiert. Und mit einem Auge am Liveticker verfolgt, wie denn am Samstag sein Bruder ein weiteres Schicksalsspiel der Fußballfamilie meistert: Matthias spielt mit seiner SV-Elf aus Adelshofen in Puchheim gegen Abstieg. Benedikt wollte am Dienstag nicht ausschließen, dass er spontan aufkreuzt und vor Ort die Daumen drückt – sofern er nach der ausgiebigen Feiertour zu einem Kurztrip in die Heimat fähig ist.

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