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Die Widmann-Rasselbande auf der Kartoffelernte-Maschine: Simon, Johannes, Lorenz, Veronika und Matthias haben ihre Gaudi auf dem heimischen Hof.

Wie Landwirtskinder den Sommer verbringen

Ferien auf Papas Bauernhof

Landkreis - In den großen Ferien geht’s für viele Kinder in den Urlaub - nicht so für Buben und Mädchen, deren Eltern einen Bauernhof haben. Dort wird jetzt geerntet, zum Verreisen ist keine Zeit. Doch deshalb haben die Landwirtskinder in den Ferien nicht weniger Spaß. 

Auf dem Hof von Angelika und Lorenz Widmann in Esting geht in den großen Ferien die Post ab. Fünf Kinder zwischen drei und zehn Jahren kurven auf einem Tretkar-Bulldog über den Hof, kraxeln auf das Holzhäusl im Garten oder springen auf dem Trampolin herum. Zwischendurch entern sie den Kartoffelernter. Langweilig wird es der Rasselbande jedenfalls so schnell nicht. 

Nirgends schmeckt die Brotzeit so gut wie auf dem Feld

"Bei der Getreideernte am Nachmittag war Spaß hoch drei angesagt“, erzählt Angelika Widmann, die die fünf Racker zu späterer Stunde in Zaum hält. Wenn sie auf dem Mähdrescher mitfahren dürfen, dann ist das für sie eine gelungene Abwechslung. „Ein Höhepunkt sind auch die Mahlzeiten, die sie auf dem Feld schnabulieren. Nirgends schmeckt es so gut wie dort“, weiß Angelika Widmann. 

So ein etwas anderes Ferienprogramm zieht regelmäßig auch Nachbarskinder an. Dann wird der Hof ganz schnell zum Fußballfeld: „Sie fühlen sich ganz ohne Whats-App oder Tablet wohl“, betont die Bäuerin. Ihre zwei Großen, der zehnjährige Johannes und der achtjährige Lorenz, dürfen in den Sommerferien mit dem Sportverein eine Woche nach Inzell fahren. „Dann bleibt ein bisserl mehr Zeit für Veronika (4) und Matthias (3)“, sagt die Mama. Für sie ist auch eine Übernachtung bei der Oma schon ein kleines Ferienerlebnis. 

Die Kinder haben Spaß - auch ohne Whatsapp und Tablet

Mit den Eltern in den Urlaub fahren dürfen die Widmann-Kinder auch – halt etwas später und kürzer. In den Herbstferien, wenn die Getreide- und Kartoffelernte eingefahren ist, geht’s los. Und wie war das früher? Zu der Zeit, als Mama und Papa selber Kinder waren? „Wir haben Tagesausflüge gemacht, es hat auch uns an nichts gefehlt“, sagen die Widmanns. Als Kinder sind sie im Sommer von der Brücke aus in die Amper gesprungen oder sie bauten sich Verstecke in der Tenne und im Heuhaufen. Und die Nachbarskinder spielten einfach mit und hatten auch ihren Spaß dabei.

„Ich habe als Kind Urlaubsreisen nicht vermisst“, meint auch Josef Hartl, Jungbauer aus Esting. Er wurde kürzlich zum zweiten Mal Vater. Seine Freunde kamen, als er selbst noch klein war, auf den Hof der Eltern. 

„Ich habe als Kind Urlaubsreisen nicht vermisst“

Und Langeweile in den Sommermonaten war für ihn und seine Schulspezln eher ein Fremdwort. Die Landwirtsfamilie um Birgit und Georg Steber aus Luttenwang unternimmt mit dem Nachwuchs spontane Tagesausflüge. Die Kinder sind 16, 15, 13 und neun Jahre alt. Sie besuchen Jugendfreizeiten, Fußballcamps oder Ministrantenfreizeiten. „Auch beim Ferienmelkkurs in Kempten haben unsere Kinder Freundschaften geschlossen, die bis heute halten“, freuen sich die Eltern. Weil sie im Sommer nicht wegfahren können, nutzen sie die Allerheiligenferien für einen gemeinsamen Urlaub. 

Wenn Mama Angelika Widman trotz Erntestress Zeit hat, schaut sie, ob es der Nachwuchs nicht allzu bunt treibt. Weil es sich auf dem Hof so toll spielen lässt, kommen oft auch Nachbarskinder vorbei.

Sommerurlaub in fernen Landen – das steht auch beim Biolandbetrieb der Hatzls in Esting nicht im Kalender. Simon – der Sohn von Dorothea und Andreas Hatzl – ist neun Jahre alt. Auf dem Hof ist im Sommer Hochbetrieb in Sachen Kartoffelernte, Bodenbearbeitung und Zwischenfruchtaussaat. Klingt für Laien eher langweilig, aber: „Das sind spannende Arbeiten für Kinder, da können sie auch mal selber auf dem Bulldog fahren. In dieser Zeit ist immer richtig viel los“, sagt Papa Andreas Hatzl. Und Erntetage dauern bis Mitternacht. Welches Kind kann schon von sich sagen, bei der Arbeit der Eltern so nah mit dran und beteiligt zu sein? 

Wer mithilft, kann sein Taschengeld aufstocken

Erntezeit ist noch in anderer Hinsicht eine gute Zeit für Landwirtskinder. Wenn sie mithelfen füllt sich ihr Taschengeldkonto auf. „Unser Simon fing letztes Jahr schon damit an, eine Stundenliste zu führen und sich quasi in Buchhaltung zu üben“, erzählt Dorothea Hatzl mit einem Schmunzeln.

von Angi Kiener

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