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Anstoßen im Apfelhof: (v.l.) die Landtagskandidaten Sepp Dürr und Gisela Sengl sowie Bezirkstagskandidatin Gina Merkl. 

Veranstaltung in Nassenhausen

Grüne schwelgen bei Satire-Stammtisch in Regierungsträumen

Kunst dürfe nicht neutral sein, findet Andreas Birzele, Grünensprecher des Ortsverbandes Fürstenfeldbruck-West. „Zumal nicht in Wahlkampfzeiten“, ergänzt er noch. 

Nassenhausen – So haben sich die Grünen im Apfelhof in Nassenhausen unter dem Motto „des wead ma woi no sogn derfa“ an einem realsatirischen Stammtisch versucht – und mit einem voll besetzten Wirtsraum „unerwartet gute Resonanz erhalten“, wie Birzele feststellt.

Man kann nicht sagen, dass die rund 40 Besucher im Saal und die Grünen-Kandidaten groß voreinander gefremdelt hätten. Obwohl Sepp Dürr, als Germeringer der ortsnächste Landtagsabgeordnete, gleich mal klar macht: „Ich kann es nicht ausstehen, wenn man verallgemeinert. Den Politiker schlechthin gibt’s nicht.“ „Nicht einmal bei der CSU“, plaudert Dürr aus dem Landtagsnähkästchen. Hinter vorgehaltener Hand würden nicht alle den Kurs der Oberen gut heißen. Deshalb hätte er nichts dagegen, wenn ab Herbst Schwarz-Grün den Freistaat regiert. Für beide sei das sogar eine Gewinnsituation. „Wenn die CSU jemand dringend zum Regieren braucht, können wir etwas umsetzen. Und die CSU kann sagen, sie ist von den Grünen gezwungen worden.“

Seine Mitkandidaten Gisela Sengl aus Traunstein und Gabriele Triebel, die zweite Bürgermeisterin aus Kaufering, springen Dürr bei. Schulen, Kinderbetreuung, Landwirtschaft und regenerative Windformen – die Themenpalette in den gut zweieinhalb Stunden ist breit gefächert. Die für den Bezirkstag kandidierende Gina Merkl aus Mittelstetten fügt noch die Anliegen der Jugend zu.

Zumindest Sympathien für die grüne Politik haben die meisten im Saal. Doch es ist nicht so, dass man den Kandidaten kritiklos an den Lippen hängt. „Warum schalten wir Windräder ab und kaufen dann Photovoltaikstrom ein?“, fragt Günther Konrad aus Adelshofen. Einen konsequenten Weg der Grünen sehe er da nicht. Man sei an dem Abend überhaupt an der Oberfläche geblieben, findet Konrad. „Aber wir haben gut miteinander diskutiert“, sagt er. CSU-Bürgermeister Michael Raith stimmt dem trotz mancher Spitzen gegen die Landesregierung zu: „Es ist alles sehr fair geblieben.“ Nur eine Sorge konnte der Peretshofenerin Sonja Härtle kaum einer nehmen: „Ich habe Angst, dass das Kurzzeitgedächtnis der bayerischen Wähler nicht funktioniert.“ Im Oktober seien alle Fehler der Staatsregierung vergessen. Der Hinweis von Dürr, dass die CSU selbst dafür sorge, in Erinnerung zu bleiben, zog nicht so recht.

Das galt auch für die drei Schauspieler Erika Schalper, Rolf Gottstein und Franz Sengl, die sich satirisch an Glyphosat, Energie, Fremdenfeindlichkeit und in ein paar Sätzen auch an der Umgehungsstraße für Mammendorf abarbeiteten. Die Überspitzungen wurden von den Besuchern verstanden, obwohl der Auftritt manchmal etwas steif wirkte. Dennoch zeigte sich Birzele zufrieden: „Ein guter Abend. Er motiviert zum Weitermachen.“ Hans Kürzl

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