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Ein Ort, wo die Seele zur Ruhe kommen kann: Das ist für Michael Raith der Bereich um die Selipert-Statue zwischen Maisach-Ufer und Kirche in Nassenhausen. 

Michael Raith aus Adelshofen

Interview mit Ex-Bürgermeister: „Ich habe auch viel Glück gehabt“

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Michael Raith hat sein halbes Leben der Kommunalpolitik gewidmet - als Gemeinderat, Vize-Bürgermeister und Rathauschef. Nun hat er aufgehört. Im Tagblatt-Interview blickt er zurück. 

Adelshofen Beinahe ein halbes Leben Kommunalpolitik sind zu Ende: Nach 30 Jahren im Adelshofener Gemeinderat, davon sechs Jahre als Vize-Bürgermeister und 24 Jahre als Rathauschef, hat sich Michael Raith heuer aus Alters- und gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl gestellt. Er war zusammen mit Egenhofens ebenfalls ausgeschiedenem Rathauschef Josef Nefele der dienstälteste Bürgermeister im Landkreis. Im Gespräch mit dem Tagblatt blickt der 67-Jährige aus dem Ortsteil Nassenhausen zurück und erzählt, warum er auch viel Glück gehabt hat.

Blicken wir drei Jahrzehnte in die Vergangenheit: Wie sind Sie 1990 zur Kommunalpolitik gekommen, Herr Raith?

Mit eine Triebfeder war der Elternbeirat des Kindergartens, in dem ich Mitglied war. Damals haben wir einen Radweg zwischen Adelshofen und Nassenhausen für sinnvoll gehalten. Allerdings haben wir festgestellt, dass ich irgendwie im falschen Gremium bin. Um was zu erreichen, musste ich in den Gemeinderat. Also habe ich mich 1990 aufstellen lassen und überraschenderweise auch die meisten Stimmen aller Kandidaten bekommen. Deshalb haben mich einige auch als Zweiten Bürgermeister vorgeschlagen.

Wie bewerten Sie die sechs Jahre als Vize?

Ich konnte Erfahrung sammeln und viel von Benedikt Schwarz abschauen, der damals schon 24 Jahre Bürgermeister war. Wir hatten einen Umweltausschuss, mit dem schon viel bewegt worden ist. 1994 haben wir ja den Umweltpreis der Diözese für unsere Maßnahmen bekommen. Zum Beispiel liegt der Ursprung des Brucker Landes in der Gemeinde Adelshofen. Ich selbst hatte damals zwar nicht so viel Zeit, aber meine Nachbarin Elsbeth Seiltz hat sich reingekniet und alles aus dem Boden gestampft.

Sechs Jahre später haben Sie dann selbst den Chefsessel im Rathaus übernommen.

Ich hatte mit dem Amt geliebäugelt. Allerdings haben wir damals nur eine gemeinsame Liste gehabt. Parteilisten hat es noch nicht gegeben. Die SPD hat dann eine eigene Liste aufgestellt, worauf die CSU nachgezogen hat. Bei uns Freien Wählern hat Peter Schöberl auch sein Interesse am Bürgermeisteramt erklärt. Was tun? Ich bin dann unter anderem von Benedikt Schwarz angesprochen worden, dass ich doch für die CSU kandidieren soll, damit es eine echte, demokratische Wahl gibt. So ist es gekommen. So ganz wohl war mir dabei nie, weil Peter Schöberl ein Spezl von mir war. Wir haben zusammen Fußball gespielt, er war sogar mal mein Trainer. Aber gut, das ist Demokratie. Und 1996 haben mich die Leute dann gewählt.

Wer dann dreimal zur Wiederwahl antritt, der hatte sicher auch Spaß an seinem Amt, oder?

Spaß hat mir natürlich das Gestalten gemacht – und auch der hohe Vertrauensbeweis, den man aus den Wahlergebnissen ablesen konnte. Es gab auch immer eine gute Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat. Und ich möchte auch sagen, dass ich viel Glück gehabt habe – Glück gehabt mit den Mitarbeitern der Verwaltungsgemeinschaft. Glück gehabt auch mit dem Amt für ländliche Entwicklung und den Teilnehmergemeinschaften der Dorferneuerungen in Adelshofen, Nassenhausen und Luttenwang, wo die Leute immer mit angeschoben haben. Glück gehabt mit dem Kloster und den Klosterschwestern – mit dem Wermutstropfen, als sie aufhören mussten. Aber auch wieder Glück gehabt mit der Nachfolgerin: der Kindergartenleitung. Glück gehabt mit dem Personal im Rathaus. Glück gehabt mit meinen Ärzten, die meine gesundheitlichen Probleme rechtzeitig erkannt und mich gut behandelt haben. Und auch Glück gehabt mit der Familie, die immer hinter mir steht. Man muss im Leben Glück haben.

Sie haben die Dorferneuerungen angesprochen: Adelshofen gilt ja als das Bayerische Bozen. War es eine große Herausforderung, einerseits zu gestalten, andererseits die Tradition zu bewahren?

Das war immer der rote Faden: Bewahren auf alle Fälle. Aber Stillstand ist auch nichts. Auch da haben wir Glück gehabt, als der Kreislehrgarten nach Adelshofen gekommen ist. Das ist eine wichtige Säule. Aber es steht auch ein gewisser Geist hinter den Bürgern. Sie geben auf die Tradition Obacht, und das seit Generationen. Darum war es immer auch eine gewisse Philosophie, behutsam voranzugehen. Wir hatten zum Beispiel die Debatte um die Toskana-Dächer auf Wohngebäuden. Das war zwar nicht immer einfach, weil man die Bürger ja auch persönlich kennt. Aber wie man so schön sagt: Man soll die Kirche im Dorf lassen.

Daran sieht man: Für einen Bürgermeister bleiben auch schwierige Themen nicht aus.

Da war der Ausbau der Ortsverbindungsstraße nach Jesenwang, der uns über 15 bis 20 Jahre begleitet und aufgehalten hat. Da haben wir beim staatlichen Zuschuss kein Glück gehabt und mussten die Straße auf eigene Kosten ausbauen. Das ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben.

Sie sind selbst im Kloster zur Schule gegangen. Wie sind Sie mit der Entwicklung zufrieden, dass auf dem Areal zum einen ein Kinderhaus entsteht, das Gelände zum anderen aber auch für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen wird?

Das ist auch ein Stück weit Philosophie: Die Kinder sollen so weit wie möglich draußen sein und die Natur erleben, weil sie dann auch als Erwachsene die Natur besser schätzen und schützen. Beim Klostergarten heißt es auch wieder, Bewahren und Gestalten unter einen Hut zu bringen. Man sollte nicht zu viel machen. Wenn dort aber ein Weg mit Bänken zum Hinsetzen durchführt und der alte Bauerngarten wieder aufgemacht wird, kann man dort gut gestalten. Es steht auch der Vorschlag im Raum, dass das gesamte Klosterareal zur Öko-Ausgleichsfläche erklärt wird. Das bedeutet, dass das Gelände ökologisch aufgewertet wird und der Artenvielfalt zugute kommt, aber auch dass Spekulationen um eine Baulandausweisung beendet sind. Es ist aber mit Sicherheit eine dankbare Aufgabe, im Klostergarten zu gestalten – auch zusammen mit dem Dorfplatz, der mit dem Pschorrstadel belebt wird.

Dass man beim Gestalten generell wohl vieles richtig gemacht hat, zeigen auch die Auszeichnungen, die Adelshofen über die Jahre bekommen hat.

2004 gab es den ersten Preis als „Grüne Gemeinde“. Da haben wir durch die Maisach-Renaturierung einiges bewirkt. Ich bin selbst sehr häufig draußen und schaue mir an, wie alles gedeiht und verwildert. Gemündet ist alles in den ersten Preis beim Gütesiegel Heimatdorf im vergangenen Jahr. Das ist auch ein Ausdruck der drei Dorferneuerungen. Da ist viel passiert und einiges gestaltet worden, unter anderem das Rathaus in Adelshofen, die Selibert-Statue in Nassenhausen und die Marienstele in Luttenwang. Und das dank aller Bürger. Es ist eine schöne Sache, wenn das am Schluss so prämiert wird.

Hören Sie als Bürgermeister mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf?

Das weinende Auge können wir fast vergessen. Ich habe zweimal einen Schuss vor den Bug bekommen – einmal mit meiner Erkrankung an der Halsschlagader, zum anderen mit meinem Herzinfarkt. Da denkt man dann anders und sagt: 24 Jahre reichen. Es gibt Junge, die haben den gleichen Tatendrang. Mein Nachfolger Robert Bals ist auch sehr tatkräftig. Es ist also eher ein lachendes Auge, zumal ich unheimlich viel aufgeschoben habe. Zum Beispiel Besuche bei vielen Leuten wie bei den in alle Winde verstreuten Klosterschwestern. Oder einfach gute Nachbarschaften pflegen oder Zeit für die Familie oder die Enkel zu haben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Adelshofen?

Dass das Motto „Bewahren und Gestalten“ beibehalten wird, immer mit Augenmaß. Aber natürlich sind auch Zukunftsvisionen wichtig. Mein Nachfolger hat zum Beispiel mit dem geplanten Fernwärmeprojekt und schnellerem Internet schon einiges eingebracht. Wohnraum ist immer eine Geschichte der Balance. Auf der einen Seite muss man klar Wohnraum schaffen, aber keinen unnötigen Siedlungsbrei. Dort den richtigen Weg zu gehen, das haben wir in den zurückliegenden zwei Generationen ganz gut geschafft. Dieser Weg sollte fortgeführt werden, damit die Gemeinde lebenswert und liebenswürdig bleibt.

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