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Brauchtum am Dreikönigstag

Maisachtaler lassen Goaßln durch die Luft schnalzen

Am Vormittag hatte Johannes Hillebrand noch den Aichacher Dreikönigslauf gewonnen. Am Nachmittag war der Luttenwanger schon wieder im Einsatz. 

Luttenwang – Nicht mit Laufschuhen, sondern beim „Schnalzen“ – bei einem Auftritt mit seinen „Maisachtaler Goaßlschnoizern“ auf dem heimischen Sportplatz. Vor seinem Rennen war der 38-Jährige die Ruhe selbst gewesen, doch kaum war er im Ziel, setzte eine „gewisse Nervosität“ ein. Wegen des anstehenden Schnalz-Konzerts, wie er gestand. Die Nervosität legte sich auch nicht, als Hillebrand auf dem Luttenwanger Sportplatz eintraf. Denn außer seinen Kollegen waren schon an die hundert Zuschauer da.

Als die Vorführung begann, drängelten sich an die 200 Menschen auf dem Gelände. „Mit so einer Resonanz hätten wir nie gerechnet“, sagt Horst Frank. Der 75-Jährige ist im Kreis eine von allen anerkannte Autorität in Sachen „Schnalzen“. Der gebürtige Münchner hatte als Kind in Bad Tölz das Brauchtum kennengelernt. Seit fast 30 Jahren bildet der Mammendorfer den Schnalzer-Nachwuchs im Brucker Land aus.

Die frisch geschaffenen Maisachtaler – fusioniert aus einer Gruppe um Frank und einer um Hillebrand – hatten sich vier der weltberühmten Tölzer Leonhardi-Schnalzer eingeladen, die normalerweise vor großem Publikum nach der Leonhardifahrt auftreten. „Eigentlich machen wir keine solche Touren“, sagte ihr „Aufdreher“ (Einpeitscher) Thomas Schwaighofer. Doch ihr Verhältnis zu den Maisachtalern ist herzlich, seitdem diese mehrfach in Tölz ihre Künste vorführten.

Anfänglich wirkte das Quartett aus der Oberland-Kreisstadt etwas irritiert, vermutlich ob der ländlichen Umgebung. Doch schon bald erwachte ihr Schnalzer-Ehrgeiz – der Grund: die Maisachtaler legten mächtig vor. Frank, Hillebrand und ihr Team hatten sich in einer Reihen-Formation aufgestellt und ließen mächtige Peitschen-Salven über den Platz knattern, erst nacheinander, dann synchron. Das Ganze wirkte ziemlich kräfteraubend. Frank widersprach: „Es kommt auf Technik und Kondition an, weniger auf Kraft.“ Der Tölzer Peter Gambs lobte: „Man sieht und hört, dass die viel üben!“

Dann waren die vier Gäste an der Reihe. Ihre Goaßln waren deutlich kürzer, sowohl die Griffe als auch die Seile. „Dadurch sind wir schneller und brauchen viel weniger Kraft“, erklärte Schwaighofer. Tatsächlich wirkten die Vorführung der Tölzer tänzerischer, allerdings nicht so explosiv wie die der Luttenwanger und Mammendorfer.

Es entspann sich ein regelrechter Wettbewerb zwischen den Formationen – der die Zuhörer begeisterte. „Das ist der reinste Rock ’n Roll“, meinte ein Brucker. Klar, dass die Einheimischen ihre Lokalmatadore besser fanden. Der Nachmittag klang mit gemischten Formationen aus. Einige Frauen bewiesen, dass Schnalzen keine reine Männerangelegenheit ist. Zwischenzeitlich sorgte die „Gamsgetier-Musi“ (Akkordeon, Trompete, Luft-Harfe) für sanftere Töne.

Am Ende waren sich alle einig: So etwas sollte man bald möglichst wiederholen. „Zum Beispiel im Kloster Fürstenfeld“, schlug Hillebrand vor. „Die Akustik dort ist wirklich erstklassig“, erinnerte sich Frank an einen früheren Auftritt. Die Maisachtaler Schnalzer sind ansonsten drei- bis viermal im Jahr zu sehen und zu hören, zum Beispiel am 1. Mai oder auch bei Privatveranstaltungen. Am Dreikönigstag sammelten sie Spenden für die Sternsinger. „200 Euro kamen dabei zusammen“, erzählte Hillebrand. Er wirkte dabei stolzer als bei einem seiner vielen sportlichen Erfolge.

Horst Kramer

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