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Johann Siebenhütter sen. ist im Alter von97 Jahren verstorben

Nachruf

Menschen und die Natur lagen ihm immer am Herzen

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 Johann Siebenhütter sen. hat die Geschicke Luttenwangs maßgeblich mit beeinflusst. Jetzt ist der letzte Bürgermeister des kleinen Dorfes vor der Eingemeindung nach Adelshofen gestorben. Er wurde 97 Jahre alt.

Luttenwang

„Bei ihm stand immer die Familie im Mittelpunkt“, erinnert sich sein Sohn Karl-Heinz Siebenhütter. Umso schöner war es für die Siebenhütters, dass der Vater beinahe bis zum Schluss im Kreise seiner Lieben leben konnte. „Er war geistig immer fit“, sagt sein Sohn. Erst in den wenigen Tagen vor seinem Tod musste er ins Krankenhaus, wo er schließlich nach kurzer, aber schwerer Krankheit im Beisein seiner Familie für immer die Augen schloss.

Wer von Westen her nach Luttenwang fährt, sieht sofort eines der Vermächtnisse des früheren Bürgermeisters: Eine große Pappel und eine Hecke prägen das Bild des Dorfes dort. „Er war sehr naturverbunden und hat viele Bäume gepflanzt“, sagt Karl-Heinz Siebenhütter. Dazu interessierte er sich schon als Kind für die Tierzucht und -haltung. Pferde waren ebenso seine Leidenschaft wie Schafe und Tauben.

Das Licht der Welt erblickte Johann Siebenhütter am 6. Februar 1921 als Landwirtschafts- und Gastwirtssohn von Katharina und August Siebenhütter. Er war der jüngste von fünf Söhnen. Der Luttenwanger war sein Leben lang sozial engagiert und kümmerte sich unter anderem nach dem Krieg um Flüchtlinge. So lernte er auch seine Frau Annemarie kennen, die selbst ein Kriegsflüchtling war. Mit ihr hatte er vier Söhne: neben Karl-Heinz noch den heutigen Adelshofener Vize-Bürgermeister Johann jun. sowie Helmut und Joseph.

Die Beziehung zu seiner Annemarie war damals nicht ohne Brisanz, wie Karl-Heinz Siebenhütter erzählt: „Flüchtlinge waren damals nicht gewollt, die Heirat kam einem Skandal gleich.“ Doch Johann Siebenhütter ließ sich davon nicht in seinem Engagement beirren. Im Gegenteil. Das 1948 gebaute Haus in Luttenwang wurde zu einer Art Ankerstation für Flüchtlinge. „Dort trafen sich Familien, die sich nach dem Krieg wiedergefunden hatten“, erzählt der Sohn. Sein Vater bot den Menschen eine Bleibe, bis sie selbst wieder eine Wohnung fanden.

Neben dem Sozialen galt das Interesse Siebenhütters auch der Politik – und zwar nicht nur der Gemeindepolitik in Luttenwang, sondern auch der Bundespolitik. „Bis zum Schluss gehörte es für ihn dazu, dass er täglich sein Brucker Tagblatt von vorne bis hinten durchlas“, erzählt Schwiegertochter Rosmarie Siebenhütter.

So verwundert es nicht, dass sich Johann Siebenhütter auch sehr in der Gemeinde engagierte. Er war Gemeinderat zunächst in Luttenwang, nach der Gebietsreform auch im Adelshofener Gremium. Daneben war er auch Vorsitzender des Pfarrgemeinderats und des Männergesangvereins sowie bei der Feuerwehr aktiv. Von 1972 bis 1978 hatte er das Amt des Bürgermeisters seiner damals noch eigenständigen Heimatgemeinde inne.

Obwohl er bis zum Schluss ein selbstbestimmtes und glückliches Leben führte, musste Johann Siebenhütter doch zwei Schicksalsschläge verkraften: Sohn Joseph starb im Alter von nur 20 Jahren, vor 14 Jahren musste er seine Frau Annemarie zu Grabe tragen. In der Familie fand er jedoch Trost. „Er war Familienoberhaupt bis zum Schluss und hat das auch so gelebt“, erzählt Rosmarie.

Siebenhütter liebte das Leben. „Er hat gekämpft bis zum Schluss“, sagt Sohn Karl-Heinz. Am 10. Juli hat er den Kampf verloren. ad

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