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Ein Märchen für Ahmad und Maryam

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Gestatten: Ahmad und Maryam aus Afghanistan. Sie liehen Puppen-Prinz Ahmad und Prinzessin Maryam ihre Hände, Stimmen und Namen. © mmh

Fürstenfeldbruck - Leibhaftige Drachen kommen in Oberbayern eher selten vor. In Bruck trieb so ein Ungetüm aber jetzt in einem Puppenspiel sein Unwesen. Doch die Geschichte hatte ein Happy End – auf der Bühne und hoffentlich auch dahinter.

Prinz Ahmad befreit Prinzessin Maryam aus den Klauen des Drachen. Dass die Handpuppe dabei einen grünen Seppelhut und ein rot-weiß-kariertes Hemd trägt, stört niemanden. Am wenigsten den echten Ahmad. Der ist elf Jahre alt, kommt aus Afghanistan und lebt derzeit in der Asylunterkunft am Fliegerhorst. Die Prinzessinnenpuppe bewegt niemand anders als seine Schwester Maryam.

Lange haben die Zwillinge geübt, bis alles saß. Der Text in der fremden Sprache war für sie sehr schwierig, obwohl er extra für sie geschrieben wurde. Mit einigen Worten kamen sie überhaupt nicht zurecht. Die ersetzte Marcela Julie Nitsch vom Projekt „Wir lesen vor“ durch leichtere.

„Wir lesen vor“ wird von der Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck organisiert. Lesepaten arbeiten dabei auch kreativ mit Vorlagen. Derzeit nimmt sich das Projekt auch speziell Flüchtlingskinder wie Ahmad und Maryam an. Sie sollen so schneller Zugang zum Deutschen finden. Unsagbar stolz sind die beiden, dass ihre kleinen Zuschauer im Kindergarten Nord ganz hingerissen sind von der Geschichte. Mit vor Aufregung roten Backen bewegen sie die Puppen und sprechen für sie. Ein Grund, warum der Prinz die Prinzessin retten kann, ist, dass der Drache Zahnweh hat und keinen Appettit auf das Mädchen. Weil er solche Schmerzen hat, kuriert ihn der mitleidige Prinz sogar mittels Zaubertrank.

Und die Kindergartenkinder im Publikum rufen ihm zu, was viel besser schmeckt als Prinzessin: Kuchen, Pommes, Nudeln und Pizza. Das können die Zwillinge Ahmad und Maryam gut verstehen. Und zum Schluss sprechen die Elfjährigen aus Afghanistan mit ihren Mitspielern im Chor die in Deutschland wohlbekannten Worte: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ Für die Bürgerstiftung steht fest: Das war nicht ihr letztes Projekt mit Flüchtlingskindern. (mmh)

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