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In seiner Mittagspause war Hautarzt Dr. Claus Jung vor der Praxis unterwegs und umarmte spontan Menschen.

Entschuldigung, darf ich Sie mal knuddeln?

Hautarzt kuschelt mit 100 Passanten

Germering - Warum ein Dermatologe gestern über 100 Passanten umarmt hat? Er will auf Patienten mit Hauterkrankungen aufmerksam machen, denen menschliche Nähe fehlt.

Donnerstagmorgen, acht Uhr: Die erste Patientin des Tages betritt die Hautarztpraxis von Claus Jung in der Unteren Bahnhofstraße. Normalerweise würde er der Frau lediglich die Hand reichen. So, wie er es immer macht.

Doch heute ist es anders. Heute ist Internationaler Tag der Umarmung. Und der Mediziner hat sich – wie viele seiner Kollegen – vorgenommen, an diesem Tag jeden einzelnen Patienten zu umarmen. Also nimmt er seinen ganzen Mut zusammen und fragt: „Darf ich Sie mal knuddeln?“ Die Patientin lacht und willigt ein. „Wenn Sie es sind, gerne.“

Den sympathischen Dermatologen umarmen alle gerne. Über 100 Menschen kann er an diesem Tag in seiner Praxis und draußen auf der Straße zum Kuscheln überreden. Doch nicht jeder wird so bereitwillig in die Arme geschlossen, wie der Mediziner. Menschen mit sichtbaren Hauterkrankungen, wie zum Beispiel Schuppenflechte, erfahren oft zu wenig Nähe von anderen. Die Betroffenen spüren, wie Freunde auf Abstand gehen, weil sie Angst haben, sich anzustecken.

Die Aufklärungskampagne „Bitte Berühren“, die der Verband der Deutschen Dermatologen am Tag der Umarmung gestartet hat, will dem entgegen wirken (siehe Artikel unten). „Wir wollen damit ein Zeichen setzen“, sagt Claus Jung (52). Er wolle Berührungsängste abbauen. „Außerdem sollen die Patienten wissen, dass Sie bei uns gut aufgehoben sind.“

Mit T-Shirts bekleidet, auf denen „Hug me – Ich bin nicht ansteckend“ steht, umarmte das zehnköpfige Team den ganzen Tag Menschen in der Praxis. „Zuerst haben wir erklärt, worum es geht und dann mit einem Grinsen gefragt, ob wir denjenigen jetzt mal kurz knuddeln dürfen“, erklärt Dr. Claus Jung.

Ein neunköpfiges Team unterstützte den Arzt bei der Aktion.

„Nur zwei haben abgelehnt. Die Leute fanden’s gut“, berichtet der Mediziner. Und seinem Team hat es auch Spaß gemacht. „Wir waren hinterher richtig glücklich“, erzählen die Arzthelferinnen. Deswegen kann er sich gut vorstellen, die im wahrsten Sinne des Wortes berührende Aktion zu wiederholen. Sein Ziel: Den Tag bekannter machen. „Vom Jogginghosentag hört man ständig im Radio. Vom Hug-me-Day nicht. Obwohl der doch viel wichtiger ist!“

Von Elena Wlacil

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