40 Jahre

Feldbahnmuseum: Alles begann mit zehn Kästen Bier

Fürstenfeldbruck – Für zehn Kästen Bier wurde vor 40 Jahren eine Lokomotive verkauft. Damals hätte niemand damit gerechnet, dass genau diese Lok den Grundstein für das erste Museum in Fürstenfeldbruck bilden würde.

Und jetzt feierten die Mitglieder im Feldbahnmuseum am Brucker Bahnhof das 40-jährige Bestehen des Modelleisenbahnclubs.

Wenn man den Begriff Modelleisenbahn hört, muss der ein oder andere vielleicht etwas schmunzeln. Ein erwachsener Mann beschäftigt sich doch nicht mit solchen Spielereien. Oder etwa doch? Unter solchen Vorurteilen musste auch der Ehrenvorsitzende des Modelleisenbahnclubs Fürstenfeldbruck leiden. „Ich habe mein Hobby im Beruf immer geheim halten müssen. Die denken sonst, du spinnst“, erzählt der 72-jährige Heinz Dietmar Ebert.

Kurz vor dem 40. Jubiläum hat er sein Amt als Vorsitzender an die nächste Generation, genauer an seinen Sohn Michael Ebert übergeben. Der 47-Jährige aus Puch übernimmt die Leitung über 30 Mitglieder und das „lebendige und aktive“ Feldbahnmuseum. In 40 Jahren haben die Mitglieder dieses Areal gehegt und gepflegt. „Alles, was man hier sieht, war Schrott“, erzählt Ebert senior.

Mit viel Engagement und „etwas Glück“ haben die Mitglieder das Areal gestaltet und stellen dort nun gelebte Geschichte aus. Selbst das Holz, das sie zum Bauen der Hütten oder von Ersatzteilen benötigen, ist niemals neu. „Damals wurde der Klosterstadl abgerissen und wir haben einen Teil des Holzes bekommen“, erzählt Michael Ebert. Dieses sei noch aus der Zeit, in der Bayern einen König hatte. Der Rest des Holzes sei heute in Italien und werde zu teuren Möbeln verarbeitet.

Wenn Heinz Dietmar Ebert aber vor mehr als 40 Jahren ein paar Sekunden später am Brucker Bahnhof vorbeigekommen wäre, würde es das Museum heute womöglich gar nicht geben. „Ein Baggerfahrer wollte gerade den Lokschuppen abreißen. Ich bin zu ihm gerannt und habe ihn überredet, ihn dort stehen zu lassen“. Als er diesen Lokschuppen betrat, fand er in einer Grube alte, verfaulte NS-Fahnen aus einer Zeit, die „endgültig begraben“ werden sollte, so Ebert.

Betritt man den Lokschuppen heute, herrscht eine ganz andere Atmosphäre. Die Schmiede ist gezeichnet von den vielen Einsätzen und von der Decke hängen einzelne Kleidungsstücke. „Das haben wir uns in den Cabanas abgeschaut. Das ist viel platzsparender“, erzählt Michael Ebert. Eine „Cabana“ ist eine sporadische Unterkunft für ungarische Waldarbeiter. Gerade auf ihren Reisen in diese Gegend haben die Mitglieder des Eisenbahnclubs große Abenteuer erlebt. „Wenn wir morgens mit der Lok in den Wald gefahren sind, wussten wir nicht, ob wir am Abend wieder zurück kommen“, erzählen die beiden Eisenbahn-Freunde.

Wenn ein Unwetter aufkomme, werde das gesamte Tal überflutet und die Schienen einfach weggespült. Wenn man Glück habe, finde man in einer Cabana Schutz. Wenn nicht, müsse man in Tunnels oder im Wald übernachten und darauf warten, dass man die Gleise reparieren kann. „Das Schlimmste ist, zu wissen, dass Wölfe und Bären auf einen warten“, sagt Heinz Dietmar Ebert.

Diese und viele weitere Geschichten erzählten sie den Interessierten auch am Jubiläumstag, dem 1. Mai. Auch Unmengen an Foto- und Videomaterial haben die Mitglieder über die letzten 40 Jahre gesammelt. So konnte man in einem ehemaligen Kriegs-Lazarett-Waggon von 1928 die Geschichte nachleben. Die Besucher konnten mit den Waldbahnen mitfahren und in der Schmiede oder der Schreinerei selbst Hand anlegen. Auch ein Flohmarkt, eine Lokparade und mehrere Ausstellungen waren organisiert.

Übrigens: Zum 150-jährigen Jubiläum der Deutschen Eisenbahn kamen 1985 mehr als 20 000 Besucher zu den Eisenbahn-Freunden aus Fürstenfeldbruck. „Dieses Jahr waren wir auch mit ein bisschen weniger Besuchern zufrieden“, scherzt Michael Ebert.

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