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Gebannt blickten die Kinder der Allinger Grundschule während des Telefonats mit Astronaut Alexander Gerst auf die Leinwand im DLR.

Versorgerrakete der ISS explodiert

Herr Astronaut, was essen Sie denn jetzt?

Alling - Die Explosion der Trägerrakete Cygnus hat einigen Kindern in Alling einen besonderen Schrecken versetzt. Denn Astronaut Alexander Gerst, der auf der Raumstation ISS jetzt ohne neue Vorräte auskommen muss, ist für sie kein Unbekannter. Vor wenigen Tagen durften sie mit dem Mann im All sprechen – und konnten ihn dabei sogar sehen.

Die Klasse 4b der Allinger Grundschule hat bei dem bundesweiten Ideenwettbewerb „Beschützer der Erde“ des DLR mitgemacht. Und wurde prompt ausgewählt, zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt nach Oberpfaffenhofen zu fahren. Mucksmäuschenstill waren die Kinder, als zwei Mitarbeiter sie im Kontrollraum K3 des DLR willkommen hießen. Die riesige Leinwand hatte die Buben und Mädchen schon beim Betreten des großen Raums beeindruckt. Weil sie Alexander Gerst darauf sehen konnten, er sie aber nicht, hatten sie ihm zuvor per E-Mail ein Klassenfoto geschickt.

Vorbereitet waren die Kinder also – doch dann hieß es erst einmal auf die Verbindung ins All warten. „Die Anspannung war riesig“, erinnert sich Lehrerin Katharina Fürst (44). „Denn sie wussten: Für all ihre vorbereiteten Fragen haben sie nur zwanzig Minuten Zeit.“

"Was soll der Alexander denn nun essen?"

Heute würden die Fragen freilich etwas anders klingen: Als Benjamin Baur (9) zusammen mit seiner Mama in der Zeitung von dem Absturz der Versorgungsrakete gelesen hat, ging ihm vieles durch den Kopf: „Was soll der Alexander denn jetzt essen?“ und „Wann kann er wieder seine Socken wechseln?“ Schließlich hatten die Kinder in dem Gespräch mit dem Astronauten erfahren, dass er im Weltall keine Waschmaschine hat und manchmal eine Woche lang dasselbe T-Shirt trägt.

Weil der Astronaut zudem einen streng durchgeplanten Tagesablauf hat, standen die Kinder schon bereit – die Köpfe gen Leinwand gereckt – als die Verbindung aufgebaut wurde. Endlich erschien der Kopf von Alexander Gerst in Überlebensgröße. Er zeigte als erstes den Tablet-Computer mit dem Klassenfoto und eine kleine Erdkugel aus Gummi in der Größe, in der der Mann im All den echten Planeten von der Raumstation aus sieht.

Bild hat nur zwei Minuten Verzögerung

Mit nur zwei Minuten Verzögerung kamen Bild und Stimme des Astronauten im Kontrollraum an – obwohl er 400 Kilometer über ihnen im Weltraum schwebte. Auch, dass die Ausstattung auf der ISS eher wie „bei einem Campingurlaub“ als im Hotel ist, erzählte Alexander Gerst. Und dass die Erde ein sehr verletztliches System sei, auf das die Kinder gut Acht geben müssten. Er erklärte alles so anschaulich, dass die 4b ihre anfängliche Scheu bald vergaß und ihn duzte.

Und das mit dem Achtgeben haben die Viertklässler schon gelernt – im Zuge des Wettbewerbs „Beschützer der Erde“, dessen Schirmherr Astronaut Gerst ist. Immer wieder bekommen sie seine Videobotschaften aus dem All. Als Projektarbeit haben sie eine Modenschau mit Müll geplant. Damit möchten sie den Wettbewerb gewinnen, denn dann winkt ein Treffen mit Gerst – in echt auf der Erde. Der Astronaut kehrt nämlich am 10. November zurück.

Bis dahin müssen sich die Kinder um ihr Idol keine Sorgen machen. Denn Elisabeth Mittelbach vom DLR gibt Entwarnung: Zwar konnte sie „den Alex“ seit der Raketen-Explosion noch nicht sprechen. Aber es ist eine russische Rakete als Ersatz gestartet, um die Astronauten mit Nahrung und Treibstoff auszustatten. „Außerdem ist die Grundversorgung immer mit Netz und doppeltem Boden gesichert.“ Das freut auch die Allinger Kinder sehr. Denn nach diesem Erlebnis haben einige ihren Berufswunsch geändert. Sie wollen Astronaut werden – wie Alexander. (vu)

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