Noch mit vollem Efeu-Bewuchs: Das Kriegerdenkmal um das Jahr 1970. 
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Noch mit vollem Efeu-Bewuchs: Das Kriegerdenkmal um das Jahr 1970. 

Alling

Es steht seit fast einem Jahrhundert: Neuer Glanz für altes Kriegerdenkmal

Ob Fahnenweihe, Mai-Andacht oder Erntedank: Am Kriegerdenkmal in Biburg spielte und spielt sich das Dorfleben ab. Nun wird es aufwendig restauriert, damit es zu seinem 100. Geburtstag im neuen Glanz erstrahlen kann.

Biburg – Man weiß nicht mehr, warum Biburgs Bürgermeister Schmid und seine zehn Kollegen damals auf eine Namensänderung drängten. Denn der Gemeinderat stimmte in seiner Sitzung vom 13. Februar 1921 zwar dem geplanten Neubau zu, verlangte aber auch, dass die künftige Gedenkstätte nicht Kriegerdenkmal heißen sollte, sondern „Kriegergedächtniskapelle“.

Eingerüstet und abgehängt: Während der Restaurierungsarbeiten konnte die Kriegergedächtniskapelle – so der offizielle Name des Denkmals – nicht betreten werden.

Vielleicht sollte zweieinhalb Jahre nach dem verlorenen Krieg mehr der Opfer gedacht werden als der Helden. Dennoch hieß und heißt es heute noch auf der Inschrift über dem Eingang: „Eine größere Liebe hat niemand, als dass er sein Leben gibt für seine Freunde.“ Auch was die 30 Frontsoldaten aus dem kleinen Ort, die zurückgekehrt waren, über solche Sentenzen dachten, weiß man nicht. Sie hatten sicher ihre eigenen Erfahrungen mit der Würde des Sterbens in den Schützengräben. Aber sie waren immerhin heimgekommen. 19 ihrer Biburger Kameraden blieben „im Feld“ oder auch für immer vermisst. Deren Namen und – soweit vorhanden – Fotos waren auf einer Gedenktafel verewigt.

Noch Restarbeiten

Fast 100 Jahre ist das her, und das neue Denkmal von damals ist heute ein altes und längst in die bayerische Denkmalliste aufgenommen. Seit einiger Zeit ist das Denkmal eingerüstet. Denn derzeit wird es aufwendig restauriert. Wie Rathaus-Sprecherin Andrea Binder erklärt, laufen gerade noch Restarbeiten. Fertig sein soll alles bis zum Ende des Jahres. Eingeweiht werden soll das Bauwerk dann nächstes Jahr – passend zu seinem 100-jährigen Bestehen. Man hoffe, dass man dann auch eine richtige Feier machen könne, so Binder.

Und das wurde beziehungsweise wird noch gemacht: Eine neue Bodenplatte ersetzte das alte, feuchte Fundament. Der Außenputz wurde abgetragen und erneuert, ebenso das Dach. Der Boden wurde neu, aber im alten Stil, mit kleinen, hellen und dunklen Kacheln gefliest, die Schriftzüge auf den Steintafeln wurden nachgezogen. Sogar die alte blau-schwarze Holzdecke des Innenraums, die einen Sternenhimmel zeigt, wurde von einem Restaurator nachgemalt.

Der Ortschronist Rupert Ludwig recherchiert anlässlich des 100. Geburtstags zur Geschichte des Biburger Kriegerdenkmals. 

All dies geschah und geschieht in ständiger Absprache mit den Denkmalschutz-Behörden, die jeden Monat nach dem Rechten sahen. Der Kostenrahmen von 65 000 Euro scheint eingehalten zu werden. Es gibt staatliche Zuschüsse, die Gemeinde beteiligt sich finanziell, und der Förderverein Alling, der als offizieller Bauherr auftritt, hat Spenden requiriert.

Das Heldengrab

Eine Besonderheit konnte allerdings nicht mehr rekonstruiert werden: Das „Heldengrab“, eine symbolische letzte Ruhestätte mit einem von einem Stahlhelm gekrönten Birkenkreuz, wurde wohl irgendwann nach dem letzten Krieg abgebaut. Fotos davon sind nicht mehr auffindbar, allerdings konnte das Grab noch eine alte Biburgerin, die seit Kurzem 100-jährige Sofie Lampl, beschreiben.

Der Ortschronist Rupert Ludwig hat mit ihr gesprochen, arbeitet sich vor dem 100. Jubiläum des Denkmals bei den Recherchen durch alte Gemeinderats-Protokolle und verwaltet auch den Nachlass seines Onkels Max, der sich ebenfalls um die Ortsgeschichte gekümmert hatte. Der ältere Ludwig hatte das Bauwerk eine „Zierde des Ortes“ genannt, eine Auszeichnung, die er etwa der Kirche nicht zugestand, aber wenig Fakten hinterlassen.

Einweihung im Jahr 1921

Der Neffe hat immerhin eine Bestätigung des Pasinger Architekten Hans Brühl ausgekramt, der sich im April 1921 bei der Gemeinde für den „gütigst erteilten Auftrag“ bedankte und unter anderem die Lieferung eines Gipsmodells der Kapelle im Maßstab 1:20 ankündigte. Zu den Baukosten gibt es keine Hinweise. Einweihung war am 31. Oktober 1921.

In der Kapelle mussten Jahrzehnte später noch 30 Namen nachgetragen werden – die Gefallenen beziehungsweise Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Gedenkort wurde immer wieder kirchlich genutzt, für Fahnenweihen oder die Mai-Andacht vor dem Blütenfest und auch als Station der Fronleichnamsprozession. Dennoch hat sich der offizielle Name im Volksmund nie durchgesetzt. Die Kapelle, die nun wirklich auch wie eine aussieht, heißt bei den Biburgern nur „Kriegerdenkmal“. (Olf Paschen/Eva Strauß)

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