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Ersatzteile für ein Kult-Fahrzeug: Bei ihm bestellen Fiat-Fans aus aller Welt

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Von: Peter Loder

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Machte seine Sammelleidenschaft zum Beruf: Axel Gerstl handelt mit Ersatzteilen für die Fiat-Knutschkugel. 	fotos: peter Weber 
Machte seine Sammelleidenschaft zum Beruf: Axel Gerstl handelt mit Ersatzteilen für die Fiat-Knutschkugel. © Weber

Das 800-Seelen-Dorf Biburg ist für zehntausende Besitzern einer einzigartigen Auto-Rarität der Nabel der Welt. In einem uralten Bauernhof handelt Axel Gerstl mit Ersatzteilen eines Kult-Fahrzeugs. Die Kunden des 57-Jährigen sind über den ganzen Globus verteilt. Was sie verbindet, ist die Leidenschaft für einen Fiat 500.

Biburg – Seit das Modell 1957 erstmals im Knutschkugel-Style gebaut wurde, lief der Kleinwagen aus Turin 3,6 Millionen Mal vom Fließband. Da werden Ersatzteile für die schätzungsweise noch bis zu 400  000 weltweit rollenden Kult-Fahrzeuge schnell rar. Eine Marktlücke, die Gerstl 1994 entdeckt hat. Mittlerweile trudeln in Biburg wöchentlich mehrere hundert Bestellungen aus aller Herren Länder ein.

Gerstls Fiat-Leidenschaft hatte 1982 begonnen, sechs Jahre nachdem die letzten Modelle des Ur-500ers vom Band gelaufen waren. Der kleine Fiat galt damals als das Auto des kleinen Mannes – oder in Gerstls Fall des kleinen Fahrschülers, der nach bestandener Prüfung mit jedem fahrbaren Untersatz zufrieden war. „Es war ein Auto, das zu dieser Zeit eigentlich keiner wirklich haben wollte“, sagt er. Meist wurde auch noch selbst repariert. Doch dafür waren Ersatzteile nötigt. Gerstl schlachtete alte Fahrzeuge aus und wurde so zum Selbstversorger.

Sie erfüllen die Wünsche von Fiat-Fans: Alex Gerstl und sein Team.
Sie erfüllen die Wünsche von Fiat-Fans: Alex Gerstl und sein Team. © Weber

In einer Eichenauer Garage lagerte er bereits 1988 Original-Teile, die für den Eigenbedarf nicht benötigt wurden. Als es immer mehr wurden, bot er sie per Zeitungsinseraten an. Die Sammelleidenschaft wurde so zum Selbstläufer. Zeit für Gerstl, sich selbstständig zu machen und eine Firma zu gründen.

„Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Käufer.“ 1994 mietete er auf einem Biburger Bauernhof einen Lagerraum an. Ein Jahr später richtete er dort sein Büro ein. Der Jungunternehmer nahm Kontakt zu Fiat-Spezialisten in Italien auf und knüpfte Verbindungen, die noch heute funktionieren.

Fiat 500: Ersatzteile mit Lasten-Bikes transportiert

Mittlerweile verteilen sich in der Biburger Zentrale auf einer Fläche von 1150 Quadratmetern rund 10 000 Artikel – von kleinen Schrauben bis ganzen Motor- und Kofferraumhauben. Zwei in unmittelbarer Nähe angemietete Lagerräume sind ebenfalls bis unters Dach gefüllt. Mit zwei Lasten-E-Bikes wird die georderte Ware zwischen den Standorten auf kurzem Weg zur An- und Auslieferung kutschiert.

Rund 30 Mitarbeiter – darunter ein Azubi – sind bei Gerstl beschäftigt. Um die Buchhaltung kümmert sich seit Gründung Renate Hanalla. Sie ist mittlerweile zwar 77 Jahre alt, will aber ihr stilles Kämmerlein gleich neben dem Chefbüro noch längst nicht räumen. „Ich fühle mich hier pudelwohl und kann nicht einfach nur daheim sitzen“.

Früher war Gerstl ständig unterwegs, um in Italien bei Lieferanten und auf Oldtimer-Tagen für Nachschub zu sorgen. Heute liefern täglich Speditionen palettenweise „frisch produzierte“ Ware aus Italien und anderen EU-Ländern in Biburg an. Dennoch lässt es sich Gerstl nicht nehmen, regelmäßig auf Oldtimer-Märkten zu stöbern, um neue (alte) Raritäten aufzuspüren. Selbst die kleinste Schraube wird mit einer eigenen Nummer registriert und zum Schnellfinden im Lager verstaut.

Fiat 500: Manche holen die Teile selbst ab

Das gesamte Warensortiment wird von einer Fotografin dokumentiert und auf die Homepage gestellt. Die Angebotspalette wurde im Laufe der Jahre auf Sportlenkräder und mittlerweile sogar maßgeschneiderte Panzerscheiben ausgeweitet.

Während die meisten der 40 000 deutschen und 19 000 in EU-Ländern beheimateten Fiat-Liebhaber auf Online-Bestellungen angewiesen sind, holen sich rund 130 im Landkreis lebende Kunden ihre Ware in Biburg bei Gerstl selbst ab.

Kunden aus USA, Japan, den Emiraten oder Australien müssen sich etwas länger gedulden, bis die im oberbayerischen Fiat-Bauernhof georderte Ware eintrifft. Ist einem der 89 in Neuseeland registrierten Gerstl-Kunden beispielsweise eine je nach Modell 50 bis 70 Euro teure Stoßstange für seine vierrädrige Knutschkugel kaputt gegangen, ist das Ersatzteil billiger als die Lieferkosten. Denn allein die Gebühr für einen Schnelltransport per Flugzeug ans andere Ende der Welt berappt sich auf 80 Euro. Im Bauch eines Containerschiffs dauert es wesentlich länger, ist aber auch knapp 30 Euro billiger.

Weitere Infos

auf der Homepage von Gerstls Unternehmen auf www.fiat500126.com.

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