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Der Architekt und der Malermeister: Matthias Kruppa und sein Schwiegervater Adi Frasch.

Serie: Häusergeschichten – Teil 1

Tor aus der Vergangenheit in die Zukunft

Das Allinger Anwesen „Beim Rechamacha“ ist sehr alt. Wie alt genau, das weiß man nicht. In den vergangenen zwei Jahren ist das Schmuckstück so saniert worden, dass Traditionelles und Modernes passend nebeneinander stehen. Die ganze Familie ist stolz auf das Projekt.

Alling – Wer auf der Staatsstraße durch Alling in Richtung Gilching fährt, kann es nicht übersehen: das weiße Haus mit der aufwändigen Lüftlmalerei in warmen Orange- und Gelbtönen. „Malermeister Adi Frasch“ steht auf der Fassade. Manchmal bleiben Autofahrer stehen, um sich das Gebäude aus der Nähe anzusehen. Und wenn sie das Glück haben, auf einen der Besitzer zu treffen, erfahren sie Erstaunliches.

Nicht zu übersehen: das weiße Haus mit der aufwändigen Lüftlmalerei in warmen Orange- und Gelbtönen.

„Das Haus ist sehr, sehr alt“, sagt Matthias Kruppa. „Wie alt genau, weiß keiner.“ Der 55-Jährige ist Architekt und der Schwiegersohn des Malermeisters Adi Frasch. Dessen Familie lebt seit Generationen auf dem Anwesen, das ursprünglich aus Wohnhaus, Stall und Scheune bestand. Das altehrwürdige Ensemble zu erhalten und es gleichzeitig einer modernen Nutzung zuzuführen – das war das erklärte Ziel der Restaurierung, mit der die Familie – Kruppa, Frasch, dessen zwei Töchter und Kruppas 19-jähriger Sohn – zwei Jahre lang beschäftigt war.

Seit wenigen Monaten ist das Projekt abgeschlossen. Stall und Scheune, ehemals Adi Fraschs Malerwerkstatt, beherbergen jetzt Matthias Kruppas Architekturbüro. Durch hohe Glasfronten fällt viel Licht in den Empfangsbereich und den daran anschließenden Konferenzraum mit weißen Möbeln und modernen Bildern an den Wänden. Eine breite Treppe führt nach oben und setzt sich in einer Art hölzernem Laufsteg durch die gesamte Länge des Großraumbüros fort.

„Vorsicht, Kopf“: Alle müssen unter den alten Dachbalken hindurch. Diese sollten unbedingt erhalten bleiben.

Ganz hinten hat Matthias Kruppa seinen Schreibtisch. Führt er Besucher dorthin, gibt er unterwegs dreimal das Kommando „Vorsicht, Kopf“ – so oft muss man sich nämlich unter den alten Dachbalken hindurchducken. Adi Fraschs Vater hat die Balken vor fast 100 Jahren eigenhändig im Wald geschlagen. Sie zu erhalten, war Kruppa wichtig. Die originalen Ziegelmauern und das Rad des Heuaufzugs lagen ihm ebenso am Herzen.

„Der Übergang vom Alten zum Neuen soll sichtbar sein. Wir wollen nichts verstecken, sondern die Entwicklung darstellen“, sagt der 55-Jährige und erzählt, dass sie beim Umbau zwischen Steinen und Gerümpel 70 Jahre alte Ähren gefunden haben. „Nach dem Krieg wurden hier oben Heu und Getreide gelagert“, erklärt der Architekt.

Der traditionelle Hausname „Beim Rechamacha“ erinnert an die Vergangenheit des Hauses: Früher wurden hier neben der Landwirtschaft auch Rechen angefertigt.

Wesentlich jünger ist der Name „Wasserhäusl“, unter dem das Gebäude auch bekannt ist. Er bezieht sich auf eine Nutzung aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Damals wurde hier levitiertes Wasser hergestellt – mit einer speziellen Aufbereitungsmethode behandeltes Leitungswasser, das man für besonders gesund hielt. „Die Leute haben sich hier in Fünf- und Zehn-Liter-Kanistern das Wasser geholt“, erinnert sich Adi Frasch.

Der 84-Jährige hat im Zuge der Restaurierung mit großer Sorgfalt die Lüftlmalerei auf der Fassade erneuert und dabei das hinbekommen, was als Motto über dem gesamten Projekt stand: eine sanfte Verbindung des Traditionellen mit dem Zeitgemäßen. Während an der Nordseite Religiöses und Schnörkel dominieren, hat er am Giebel zur Staatsstraße hin abstraktere Formen gewählt, die dennoch zum Gesamtbild passen. Erkennbar sind drei Sonnenblumen auf einer Basis aus grafischen Mustern. Mit dem ertüchtigten Dach, moderner Haustechnik und Wärmedämmung ist das traditionsreiche Rechamachahaus nun für die nächsten Jahrzehnte gerüstet.

Über der Eingangstür steht der alte Hausname.

Darüber ist die Familie froh. „Das Haus wollten wir auf alle Fälle erhalten“, sagt Matthias Kruppa, der es mehr als bedauerlich findet, wenn alte Bauernhäuser („großartige Antiquitäten“) einfach weggerissen werden. „Dieses Haus soll ein Gegenpol sein zur typischen Bauträgermentalität, die ja an Lieblosigkeit nicht zu überbieten ist.“

Beim Umbau haben alle Familienmitglieder mit angepackt – und bei der Schufterei meistens Spaß gehabt. Und für Architekt Matthias Kruppa ist das Projekt auch eine Visitenkarte, „um potenziellen Auftraggebern zu zeigen, wie wir arbeiten“.

Die Serie: In der Serie „Häusergeschichten“ werden in loser Folge besondere Gebäude vorgestellt. Die Bewohner erzählen von ihrem einzigartigen Zuhause.

von Ulrike Osman

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