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Der Hof im Jahr 1942 von Osten gesehen: Der Stall vorne verdeckt das Wohnhaus. Das Gebäude hinten gehört nicht dazu.

Alling

Heimatgeschichte: Schicksalsschläge am Dötelbauernhof

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Die Heimat- und die Ahnenforschung sind Hobbys von Friedrich Drexler. Als er der Geschichte des Weilers Dötelbauer (Gemeinde Alling) nachging, konnte er beides verbinden: Denn eine der früheren Bewohnerinnen des Hofs ist die Urgroßmutter seiner Frau. Diese Theresia Kiemer musste viel Leid ertragen, bis sie mit 82 Jahren starb.

Alling – Friedrich Drexler (74) wohnt im Germeringer Ortsteil Nebel. Seit einigen Jahren erkundet er mit anderen Mitgliedern des Fördervereins für Heimatpflege Unterpfaffenhofen-Germering die Geschichte des Altdorfes Germering und einzelner Höfe. Viel näher – örtlich und auch familiär – liegt für Drexler aber der Allinger Weiler Dötelbauer. Er wusste, dass die Urgroßmutter seiner Frau, Marianne Drexler, dort gelebt hatte. Und so suchte er im Münchner Staatsarchiv und im Pfarrmatrikel nach Hinweisen zum Dötelbauer, Gespräche mit Angehörigen seiner Frau rundeten das Bild schließlich ab.

Beim Dötelbauer gab es eine Ziegelhütte

Drexlers Dokumentation des Dötelbauern zeichnet ein genaues Bild des Hofs, den die meisten nur vom Vorbeifahren kennen werden, auf dem Weg von Germering übers Schusterhäusl nach Alling. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es dort eine Ziegelhütte, wie Drexler herausgefunden hat. Sie war im Besitz von Oberappellations-Gerichtsrat Franz Freiherr von Schab, damals Herr der Hofmark Holzkirchen/Nebel. 1813 führte Schab beim Königlichen Generalkommissariat eine Klage gegen die Gemeinden Unterpfaffenhofen und Germering: Sie sollten die Straßen, auf denen er mit Fuhrwerken seine Ziegel nach München lieferte, instandhalten. Die Gemeinden wehrten sich: Schab mache ja das Geschäft, er solle sich an den Kosten beteiligen. Der Streit endete mit einem Vergleich.

„Wegen des rückläufigen Tonvorrates wurde die Ziegelei später aufgegeben“, berichtet Drexler. Er fand noch einen Hinweis auf eine Ziegelei, datiert auf 1869. Schon zuvor aber waren ein Bauernhof mit Wohnhaus, Stadel und Stall (dieser auf der gegenüberliegenden Straßenseite) gebaut worden. „Offensichtlich liefen der Bauernhof und die Ziegelei noch einige Zeit parallel nebeneinander her.“

Dötelbauer oder Dellbauer?

1864 wird als Hofname „Ziegler“ genannt. Besitzer waren Mathias Leitmayer und seine Frau Monika. Dedlbauer oder Dedelbauer heißt der Weiler im Pfarrmatrikel. Und in einer Chronik von Alling wird der Dötelbauer auch Talbaur genannt. Richtig wäre Dellbauer, das heißt ein Bauernhof in einer Delle, also Mulde.

Der Dötelbauer heute.

Weitere Besitzer waren ab dem Jahr 1867 Josef Pentenrieder aus Schöngeising mit seiner Ehefrau Theres Schmid aus Holzhausen, nach 1871 Kaspar Rottenfußer, Gütler aus Holzkirchen, und die Gütlerstochter Theres Taschner aus Obermenzing.

Und dann beginnt die Geschichte, die Drexler familiär mit dem Dötelbauern verbindet: 1886 erwarben Anton Kiemer aus Holzkirchen und seine Frau Theresia den Hof. Theresia ist die Urgroßmutter von Drexlers Frau Marianne. Sie hatten vier Söhne (Matthias, Georg, Peter und Anton) und zwei Töchter (Theresia und Katharina). 1895 begannen die Schicksalsjahre von Theresia Kiemer: Ihr Mann starb mit nur 33 Jahren an einer Lungenentzündung. 1897 heiratete sie dann Mathias Rupprecht aus Erlbach (Landkreis Dachau). Das Paar bekam zwei Kinder, Josef und Josefa.

Dafür nahm Theresia Kiemer der Erste Weltkrieg alle Söhne aus erster Ehe: Anton wurde 1914 als vermisst in Frankreich gemeldet, Peter und Georg fielen 1916 in der Schlacht an der Somme, Mathias wurde 1918 als vermisst gemeldet. 1928 starb dann auch noch Tochter Katharina.

„Sie hat ihr Schicksal tapfer ertragen“, sagt Drexler, „und dabei niemals ihren tiefen Glauben an Gott verloren.“ Auch dann nicht, als 1935 ihr zweiter Ehemann starb, 1944 ihr geliebter Neffe im Zweiten Weltkrieg fiel und 1945 ihre mit Josef verheiratete Schwiegertochter Anna starb.

Theresia Kiemer selbst wurde 82 Jahre alt. Sie starb 1945.

Brand auf dem Dötelbauer-Hof

Ihr Sohn Josef Rupprecht hatte 1936 den Hof übernommen. In dem Jahr, in dem seine Mutter starb, verunglückte er tödlich. Er hinterließ Tochter Heidi, damals sieben Jahre alt, die nun Vollwaise war. Ihre Tante Josefa sorgte liebevoll für sie, bis sie volljährig war.

Der Dötelbauernhof wurde schließlich verpachtet. Heidi Rupprecht heiratete 1964 Markus Plapst aus Alling, sie zogen nach Bruck. Das Paar wohnt heute noch dort. Über Heidi Plapst fand Friedrich Drexler Zugang zur Familiengeschichte. Und Heidi Plapst erlaubte ihm, die Geschichte des Dötelbauern sowie Fotos aus dem Familienarchiv öffentlich zu machen.

1968 endete ein wichtiger Teil der Dötelbauer-Geschichte: Nach einem Brand wurde die Landwirtschaft eingestellt. Heute steht an der Stelle ein Wohnhaus, in der Heidi Plapsts Sohn wohnt. Ein Teil des Hofes ist an eine Kanalbaufirma vermietet.

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