Hand drauf: Eltern können ihre Kinder ab sofort für ihre Wunsch-Kita anmelden.
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In Alling entsteht ein Kinderhaus

Alling

„Wie ein Coffee-to-go-Becher“: Investition in Kinderhaus sorgt für Rekord-Haushalt

Der Gemeinderat Alling hat für dieses Jahr einen Rekord-Haushalt verabschiedet. Mit Einnahmen und Ausgaben von rund 19 Millionen Euro hat der Etat ein bisher noch nie erreichtes Volumen.

Alling - Maßgeblich dafür sind die hohen Aufwendungen für das neue Kinderhaus an der Antonistraße. Trotz einiger Bedenken bei den Grünen wurde der Haushaltsentwurf schließlich einstimmig angenommen. Die neue Kita mit einem zuletzt geschätzten gemeindlichen Eigenanteil von 5,2 Millionen Euro (samt Reserven für Unvorhergesehenes) beherrschte auch einen Großteil der Haushaltsreden. Für Bürgermeister Stefan Joachimsthaler (CSU) bietet das Projekt die einmalige Chance, vorausschauend zu agieren, statt immer nur auf höhere Kinderzahlen zu reagieren. Finanzreferent Thomas Muderlak präsentierte für die CSU-Fraktion einen Coffee-to-go-Becher, um die umgerechneten Kosten für die Kinderbetreuung zu veranschaulichen. Er kam auf 3,27 Euro pro Kind und Tag bei einer 60-jährigen Nutzung, also etwa so viel wie für einen Kaffee zum Mitnehmen.

Hans Schröder (Allinger Bürgervereinigung/ABV) erinnerte daran, dass es zu Beginn der Planung durchaus Kontroversen, vor allem über die Architektur des neuen Gebäudes, gegeben habe. Aber: „Wir tragen das so mit, weil wir auf dem Weg sind.“ Er sprach von einem insgesamt soliden Haushalt, erwähnte aber auch „ganz schön steigende Personalausgaben“. Um die Einnahmen auch in Zukunft zu sichern, brauche es wieder mehr Bevölkerungswachstum und möglicherweise auch neue Gewerbeflächen.

Anna Borawski-Utz (Grüne) kritisierte die Kostenexplosion beim Kinderhaus und die Flächenversiegelung am geplanten Standort im Ortszentrum. Eigentlich sei eine neue Kita im Ortsteil Biburg mit seinem künftigen Baugebiet besser aufgehoben.

Hans Ludwig (Dorfgemeinschaft Biburg) sprach von einer Finanzplanung, mit der „uns nicht jahrelang die Hände gebunden sind“, warnte aber auch davor, den Puffer an verbleibenden Rücklagen noch weiter zu strapazieren. Simone Stenzer versprach für die Freien Wähler, einer Überteuerung des neuen Kinderhauses entgegentreten zu wollen.

Ingrid Schilling (Bürgerschaft) bat darum, angesichts der großen Projekte nicht vermeintliche Nebensächlichkeiten wie das Radwegekonzept zu vergessen. Hubert Winkler (SPD) war sich sicher, dass mit einer weiterhin soliden Haushaltspolitik auch die Corona-Folgen zu bewältigen seien.

Für das Kinderhaus mussten zuletzt die ersten wichtigen Ausschreibungen ausgesetzt werden – die Angebote der Firmen lagen weit über dem Kostenrahmen. Eine Arbeitsgruppe des Gemeinderats hat sich inzwischen Gedanken über Einsparungen bei dem Neubau gemacht. Mit geringer Kellertiefe, einfacherer Elektrotechnik, abgespeckter Küche und weiteren Reduzierungen ließen sich wohl einige Hunderttausend Euro an Kosten vermeiden. Trotzdem bleibt die Kita der größte Ausgabeposten, gefolgt vom Rathaus-Umbau mit etwa 1,2 Millionen Euro.

Die Gemeinde wird noch heuer Darlehen im Umfang von 3,5 Millionen Euro für diese Projekte aufnehmen, die Rücklagen schrumpfen auf nur noch 600 000 Euro, etwa ein Viertel des bisher Ersparten. Gleichzeitig können aus dem laufenden Geschäft aber noch Überschüsse erwirtschaftet werden, sodass die Kreditwürdigkeit der Kommune außer Frage steht. Bei der Steuerkraft pro Einwohner steht Alling an der Spitze im Landkreis. OLF PASCHEN

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