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Die alte Chronik.

Jahreszahlen von alter Ortschronik überprüft

Alling ist doch 1214 Jahre alt

Allings Geschichte muss nun doch nicht umgeschrieben werden. Wie Recherchen ergeben haben, lassen sich die Ersterwähnungsdaten aus der alten aufgefundenen Chronik nicht bestätigen.

AllingIn dem lange verschollenen Werk, das Ende des 19. Jahrhunderts begonnen worden war und inzwischen von der Gemeinde neu aufgelegt wurde, werden verschiedene Jahreszahlen für den ersten schriftlichen Verweis auf Alling genannt. Keine davon hält einer Überprüfung stand. Es bleibt somit bei August 802, als ein Erbstreit in Freising verhandelt wurde.

Wie Ortsarchivarin Andrea Binder jetzt im Gemeinderat erläuterte, dürfte sich der (erste) Chronik-Verfasser Matthias Zeichfießl auf den Historiker Carl Meichelbeck gestützt haben, der im 18. Jahrhundert als erster über die Freisinger Traditionsbücher gearbeitet hatte, von seinen Nachfolgern in der Geschichtsforschung aber teilweise korrigiert wurde. Diese Abschriften-Sammlung des Bistums über Grundstücksverträge, Schenkungen und Gerichtsprotokolle gilt als wichtigste schriftliche Quelle für die frühmittelalterliche Geschichte Bayerns.

Andrea Binder

Unter dem Jahr 780, als angeblich einige Allinger Besitzungen dem Kloster Schlehdorf zugesprochen wurden, wird Meichelbeck jedenfalls ausdrücklich als Quelle angeführt. Laut einer Fußnote soll das Kloster bereits seit 750 „große Besitzungen in Alling“ gehabt haben. Allerdings wurde das Kloster erst im Jahr 763 gegründet; in dessen eigener Chronik wird Alling nicht erwähnt. Für die ebenfalls in der Alten Chronik auftauchende Jahreszahl 798 gibt es gar keinen Bezug zum Dorf.

Binder, die im Hauptstaatsarchiv und in der Staatsbibilothek recherchiert und die Klosterchronik studiert hatte, geht davon aus, dass 802 korrekt ist. Diese Jahreszahl nennt im Zusammenhang mit Alling auch der Historiker Theodor Bitterauf, der Anfang des vergangenen Jahrhunderts das bis heute gültige Standardwerk über die Freisinger Traditionsbücher verfasst hat. Wenn der keine frühere urkundliche Nennung erwähne, gebe es auch keine, wurde der Rechercheurin im Staatsarchiv bedeutet. In der Bischofsstadt wurde im August 802 gerichtlich entschieden, dass ein Teil der strittigen Besitzungen zu Recht an das Kloster Schlehdorf vermacht wurde.

Schade, dass Alling nicht älter sei, fand Kulturreferent Max Brunner nach dieser Aufklärung im Gemeinderat, aber immerhin müsse man jetzt nicht neue große Festtage wie im Jahr 2002 planen.

Er erinnerte aber auch daran, dass die Gegend schon in der Jungsteinzeit besiedelt war. Nur haben diese Vorfahren nichts Schriftliches hinterlassen. Und schon gar keine Jahreszahlen, über die man heute streiten könnte. (op)

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