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„Mobbing und Rachefeldzug“: Streit um Ehrenamt eskaliert

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Das Rathaus in Alling.
Das Rathaus in Alling. © Gemeinde Alling

Die Gemeinde Alling hat künftig eine Beauftragte für die Beziehungen zu Lannach. Doch war das Ehrenamt schon vergeben, weshalb es nun Streit gab im Gemeinderat.

Alling – Der Gemeinderat hat auf Antrag von Vize-Bürgermeister Hans Friedl dessen Freie-Wähler-Kollegin Brigitte Naßl in das neue Ehrenamt berufen. Die heute 68-Jährige war bis 2020 Partnerschaftsreferentin des Gemeinderats, verfehlte aber bei den Kommunalwahlen den Wiedereinzug in das Gremium. Daraufhin waren ihre bisherigen Aufgaben dem Kulturreferat von Simone Stenzer übertragen worden. Die wiederum verließ im Streit mit Friedl vor Kurzem die Freien Wähler und wechselte zur Fraktion der Allinger Bürgervereinigung (ABV).

„Angesehen und bestens vernetzt“: Die bessere Botschafterin?

Friedl hatte seinen Antrag mit dem guten Standing der früheren Referentin bei den steirischen Partnern begründet. Zuletzt habe sich beim Franziskusmarkt in Lannach, eine Art Marktsonntag mit Allinger Beteiligung, gezeigt, wie „angesehen und bestens vernetzt“ Naßl dort sei. „Eine bessere Botschafterin in unserer Partnergemeinde können wir uns nicht vorstellen“, so Friedl in seinem schriftlichen Antrag an den Gemeinderat.

Die Entmachtung von Stenzer begründete er mit den „vielen kulturellen Aufgaben“, darunter die Veranstaltungen zum Jubiläum der Hoflacher Schlacht. Es sei für eine einzelne Person „schier unmöglich, allen diesen Aufgaben gerecht zu werden“.

Scharfe Kritik an Friedls Vorgehen: Sinnfreier neuer Posten

Die ABV kritisierte Friedls Vorgehen scharf. Andreas Lang sprach von einem „völlig sinnfreien neuen Posten“ und wunderte sich über einen schriftlichen Sachvortrag der Verwaltung, die Friedls Antrag ohne eigene Stellungnahme übernommen hatte. Außerdem sei es ein Unding, dass die Referentin nicht vorab informiert worden sei.

Ingrid Schilling (BsA) konnte sich nicht vorstellen, dass es in einer 4000-Einwohner-Gemeinde derart viele Veranstaltungen gebe, dass die Kulturreferentin überfordert würde. Marina Nigl (ABV) sprach von „Mobbing“ und „persönlichen Gründen“ für die geplante Degradierung. So ein Antrag sei ein „starkes Stück von einem Landtagsabgeordneten“.

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„Das ist ein Schmarrn“: Knappe Mehrheit für neue Beauftragte

Stenzer selbst nannte es eine Unterstellung, dass sie angeblich ihren Aufgaben nicht gerecht werde. „Das ist ein Schmarrn, und das weiß der Hans auch.“ Sie fühle sich aber weniger gemobbt als eher belustigt.

Aus den Reihen von CSU und Dorfgemeinschaft Biburg kamen keine Wortmeldungen, beide Fraktionen sorgten aber schließlich für eine knappe 9:7-Mehrheit zugunsten der neuen Partnerschaftsbeauftragten.

Naßl ist seit über 20 Jahren regelmäßig in Lannach. Beim Franziskusmarkt ist sie für den Brezen-Verkauf am Stand des Allinger Veteranenvereins verantwortlich. Sie sei „sehr integriert da unten“ und habe viele Freundschaften geschlossen. „Man gehört irgendwann dazu“, sagte sie dem Tagblatt. Es sei ihre Art, auf Leute zuzugehen.

Sorgte zuletzt für Wirbel in Alling: Ein Betrunkener rastete auf einer Baustelle völlig aus.

Betroffene Fraktion sieht „persönlichen Rachefeldzug“ und „Mobbing“

ABV-Chef Hans Schröder schreibt in einer Presseerklärung zur Causa Partnerschaftsbeauftragte, Friedls Antrag sei „moralisch verwerflich“. Es sei eine Unterstellung, dass Simone Stenzer nicht genug Zeit habe. Wegen einer Knie-OP konnte sie nicht zum Franziskusmarkt 2022 nach Lannach.

Friedls Vorstoß bezeichnet Schröder als „persönlichen Rachefeldzug gegen seine ehemalige Fraktionskollegin“. Das wurde im Gemeinderat zu „öffentlichem Mobbing“, mit Beteiligung von Bürgermeister, CSU und DG Biburg/Holzhausen.

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