Der Russengraben im morgendlichen Nebel. Was hier so idyllisch aussieht, ist laut Experten zu sehr entfernt vom natürlichen Zustand.
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Der Russengraben im morgendlichen Nebel. Was hier so idyllisch aussieht, ist laut Experten zu sehr entfernt vom natürlichen Zustand.

Alling

Zurück zur Natur: Schutz vor Hochwasser

Um feuchte Wiesen zu Ackerland zu machen, hat man früher Bäche und Flüsse vertieft, begradigt und in Rohre gezwängt. Dann konnten sie nicht mehr so leicht über ihre Ufer schwappen. Die Maßnahmen von damals gelten heute als ökologischer Sündenfall. Jetzt ist die Renaturierung gefragt – auch für den Hochwasserschutz.

Alling – Auch in Alling gibt es Pläne für die Renaturierung und den Hochwasserschutz: Das kürzlich im Gemeinderat vorgestellte „Gewässerentwicklungskonzept“ macht für den Starzelbach und seine Zuflüsse viele Vorschläge, um die Gewässer näher an ihren ursprünglichen, „natürlichen“ Zustand zu führen. Verbindlich ist der Katalog nicht in dem Sinne, dass bis zu einem bestimmten Zeitpunkt dieses oder jenes durchzuführen ist. Allerdings müssen sich künftige Unterhaltsarbeiten an Bach und Gräben nach diesen Grundsätzen richten. Und bei künftigen Investitionen in den Hochwasserschutz müssen zehn Prozent der Mittel in die ökologische Gewässer-Entwicklung fließen.

Einer der Durchlässe am Russengraben. Die Experten empfehlen, Durchlässe zurückzubauen.

Rund 200 Vorschläge zur Renaturierung

Flurkarten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigen, wie viel Platz das Wasser einst hatte. Der Starzelbach verzweigte sich im Moos, der Birkenmoos- und der (erst später so genannte) Russengraben mäanderten in zahlreichen Kurven. Heute sprechen die Ökologen von „verarmten Gewässerabschnitten“. Damit meinen sie die mäßige Wasserqualität und geringe Artenvielfalt, aber auch die fehlenden Ufergehölze und die landwirtschaftliche Nutzung bis zum Rand. Außerdem bleibt bei immer gleicher Breite, Tiefe und Strömung wenig Lebensraum – und die Abflussgeschwindigkeit nimmt zu.

Nur Krebsenbach stellt zufrieden

Untersucht wurden neben den drei genannten Gewässern auch der Dötelbauergraben und der Krebsenbach, der kurz hinter seiner Quelle 500 Meter Allinger Flur berührt. Die Experten waren nur mit dem Stück Krebsenbach zufrieden.

Verzweigte sich früher im Moos: der Starzelbach. Künftig soll er wieder mehr mäandern dürfen.

Die Konzept-Autoren von einem Münchner Ingenieurbüro machen für gut 200 Abschnitte Vorschläge. Oft geht es darum, dass Bach und Graben sich wieder selbst ein Bett suchen können. Diese Eigendynamik kann durch Steine oder große Hölzer im Wasser gefördert werden. Wenn etwas im Bachbett freigeräumt werden muss, dann soll schlampig gearbeitet werden: Das Bachbett soll nicht geglättet oder vertieft werden.

In der freien Landschaft soll der gesetzlich vorgeschriebene, fünf Meter breite Gewässerrandstreifen erhalten oder hergestellt werden. Sogar eine Teil-Aufforstung gehört zu den Vorschlägen.

Querprofil soll aufgeweitet werden

Für den Starzelbach und die Gräben haben die Autoren aufgelistet, welche Verbesserungen möglich wären. Am Russengraben könnten 22 Durchlässe um- oder zurückgebaut werden, hier und am Birkenmoosgraben sollten Bäume gepflanzt werden. Für alle Allinger Fließgewässer (bis auf den Krebsenbach) wird eine Aufweitung des Querprofils nahegelegt.

Kosten bis zu 800 000 Euro

Würde alles umgesetzt, entstünden Kosten von über 800 000 Euro. Unterhalt und Instandhaltung würden in den ersten drei Jahren jeweils rund 85 000 Euro kosten, später etwa 40 000 Euro im Jahr. Es gibt staatliche Zuschüsse.

Im Gemeinderat, dem das Konzept kurz vorgestellt worden war, wurde von mehreren Rednern davor gewarnt, in fremdes Eigentum einzugreifen. Enteignungen dürfe es auf keinen Fall geben.

Bürgermeister Stefan Joachimsthaler (CSU) hat in dem Konzept „viele interessante Dinge“ entdeckt, die er aufnehmen wolle, wie er dem Tagblatt sagte. Bei Graben-Arbeiten könne man gewässerschonender vorgehen. Und es sei wohl nicht so teuer, natürliche Hindernisse gegen den schnellen Ablauf zu schaffen. Inwieweit Landwirte für weitere Maßnahmen zu gewinnen sind, will er in Gesprächen mit den Grundeigentümern herausfinden.

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