Mann sticht mehrmals auf Münchner (17) ein - Er schwebt in akuter Lebensgefahr - der Grund macht sprachlos

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Heimatgeschichte

Als Wagelsried noch zu Emmering gehörte

Viele werden es nicht mehr wissen: Früher gehörte der Allinger Weiler Wagelsried zu Emmering. Doch dann kam die Gebietsreform – und angesichts vieler Schicksalsfragen wurde einfach beschlossen, dass Wagelsried nun ein Ortsteil von Alling ist.

Alling/Emmering – Es war die Zeit, als erbittert um Eingemeindung oder Selbstständigkeit gerungen wurde, als Großgemeinden und Verwaltungsgemeinschaften gebildet werden sollten und sich vielerorts heftiger Widerstand regte: Vor der bayerischen Gebietsreform 1978 gingen die Emotionen hoch – und der Streit um manche Zwangsehe wurde erst Jahre später von Gerichten wenn nicht geschlichtet, so doch entschieden. Aber ein vergleichsweise winziger Gebietstausch ging damals fast unbemerkt von der Öffentlichkeit vonstatten und scheint die Gemüter seinerzeit kaum erregt zu haben. Der kleine Weiler Wagelsried mit seinen drei Höfen, näher an der Bundesstraße 2 als an irgendeinem Nachbarort, kam nach Jahrhunderten, in denen er zu Emmering gehörte, mit einem Federstrich nach Alling. Und das offenbar ohne alle Proteste.

Politiker hatten andere Sorgen

Die maßgeblichen Kommunalpolitiker von damals hatten andere Sorgen. Alling hätte ohne Biburg nicht allein weiter bestehen können. Die Biburger, die nicht selbstständig bleiben durften, hatten sich in einer Abstimmung zwischen zwei Übeln aber fast mit Zwei-Drittel-Mehrheit für den Anschluss an Bruck ausgesprochen. Und auch Emmering bangte um seine Selbstständigkeit, denn es sollte vom Vorort zum Stadtteil von Bruck werden.

Bei solchen Schicksalsfragen konnte Wagelsried keine Rolle spielen. „Wir waren selber überrascht“, erinnert sich Allings damalige Bürgermeisterin Lieselotte Heinisch an die unverlangte Besitzmehrung: „Das wurde vom Innenministerium bestimmt. Da ist niemand gefragt worden.“

Entscheidung galt als vernünftig

Die Kapelle beim  Agathenhof früher

Anders als viele damalige Entscheidungen wurde dieses Detail der Gebietsreform aber für relativ vernünftig gehalten. Und das auch in Emmering. Von den „Stiefkindern“ der Gemeinde spricht Alfons Ostermeier, damals noch CSU-Fraktionschef im Gemeinderat und später Bürgermeister. Das Anhängsel im Süden, nur mittels Querung einer Bundesstraße erreichbar, habe nie eine rechte Bindung zu Emmering gehabt – und umgekehrt. Der Weiler habe wirklich besser zu Alling gepasst, findet er. Und die Wagelsrieder seien auch froh gewesen.

Ernst Friedl, einer der beiden heutigen Wagelsrieder Bauern und interessiert an der Ortsgeschichte, weiß, dass sein Vater glücklich war, als er wieder Allinger wurde. Denn er stammte von der dortigen Unteren Mühle und hatte in Wagelsried eingeheiratet. Kirchlich gehörte der Weiler zu Alling, ins Wirtshaus ging man nach Biburg wie auch lange Zeit in die Schule. Friedl gehörte zum ersten Jahrgang, der nach deren Schließung in Bruck unterrichtet wurde. Und die Landwirte waren nicht im Emmeringer Bauernverband, sondern laut Friedl in der Allinger Ortsgruppe.

Schlechter Zustand der Straßen

Ein Gemeinderatsprotokoll von 1956, das Emmerings heutiger Rathauschef Michael Schanderl herausgekramt hat, wirft ein Schlaglicht auf die Beziehung zwischen Rathaus und Außenposten. In der Sitzung vom 12. Januar ging es über den „schlechten Zustand der Straßen“ in Wagelsried.

Damals gab es mehr als eine Straße, denn die Birkenallee war die direktere Verbindung zum Tonwerk und nach Emmering, die Münchner Straße führte wie heute zur B 2. Jedenfalls sollten die drei „Angrenzer“, die sich stets um die Instandsetzung kümmerten, für ihre Mühen mehr entschädigt werden als mit je 50 Mark pro Jahr. Der Gemeinderat billigte die „Hinaufführung“ von 50 Kubikmeter Kies.

Zwei Jahre später übrigens verlor Emmering erstmals Grund bei Wagelsried: an die Gemeinde Biburg. Wegen der dortigen Flurbereinigung stimmten Grundstücks- und Gemarkungsgrenzen nicht mehr überein, Emmering verzichtete auf 2005 Quadratmeter Fläche.

Arbeitsgruppe gegründet

Im Februar 1976, als es langsam ernst wurde mit der Gebietsreform, fragte der noch junge Emmeringer Gemeinderat Urban Kiener nach einem Gebietsausgleich für die Abtretung Wagelsrieds, das nach damaligem Stand aber anscheinend zu einem Alling ohne Biburg kommen sollte. Wegen einer fehlenden gemeinsamen Grenze sei das nicht möglich, wurde ihm beschieden – ein Irrtum, wie alte Karten zeigen. Auf ein paar hundert Metern zwischen Bundesstraße und Wagelsried waren Emmering und Alling direkte Nachbarn.

Ein Jahr später wurde auf Bitten des Landratsamtes eine Arbeitsgruppe für die Verhandlungen mit Alling gegründet. Geklärt werden sollte auch, ob Wagelsried nicht vernünftigerweise bei Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen der alten Gemeinde bleiben sollte. Wie sich herausstellte, galt aber weder die Emmeringer Wasser- noch die Abwassersatzung für den fernen Ortsteil.

Biburg als Verlierer

Verlierer der Gebietsreform waren die Biburger. Sie bekamen nicht mal Wagelsried dazu, sondern verloren Pfaffing und halb Gelbenholzen an Bruck – und vor allem ihre Eigenständigkeit.

Die Kapelle heute

Aber die Wagelsrieder bekamen mehr als 40 Jahre später Besuch aus ihrer alten Heimatgemeinde: Emmerings Freie Wähler, die regelmäßig ein Stück der Gemeindegrenzen abgehen, machten sich auf nach Alling und umrundeten auf einer Art Zeitreise die ehemalige eigene Flur. Expeditionsleiter Schanderl schien der erste Emmeringer zu sein, der die damalige Trennung bedauerte. Es sei „immer schmerzlich, wenn man einen Teil der Gemeinde verliert“, meinte er hernach.

Geschichte reicht von Saatgut bis zu Salamander-Schuhen

Das erstmals im Jahr 1306 schriftlich erwähnte Wagelsried besteht seit Menschengedenken aus drei Höfen, die ihre Steuern oder Abgaben an drei verschiedene Adressen zu entrichten hatten: das Landgericht Dachau, das Kloster Fürstenfeld und die Hoflacher Kirchenstiftung. Alle drei waren für ihre Zeit große Höfe, die auch auf guten Lehmböden wirtschaften konnten. 

Zwar gab es überall häufige Besitzerwechsel, wobei zu den zwischenzeitlichen Eigentümern auch einmal ein Kölner Kaufmann zählte. Die bewegteste Geschichte hat aber der alte Adambauer. Das eigentlich kleinste der drei Besitztümer wurde vermutlich nach dem Großbrand von 1885 zu einem kleinen Schlösschen umgebaut. Hier lebte vor dem Zweiten Weltkrieg ein Major der ehemaligen deutschen Schutztruppe in Südwest-Afrika, der das Haus reichlich mit Souvenirs und Trophäen vom schwarzen Kontinent ausstattete. 

Mustergut

Später gehörte es dem Inhaber der Münchner Firma Samen-Schmitz, der hier laut einer alten Häuserchronik ein „Mustergut“ anlegte und neue Wirtschaftsgebäude, aber auch ein „Obergärtnerhaus“ und Arbeiterwohnungen errichtete. Dieser Angelo Hammerbacher heiratete eine Erbin des Schuhkonzerns Salamander, seinen „Agathenhof“, wie er jetzt hieß, ließ er von einem Verwalter leiten. Heute ist dort wie auch auf einem anderen Hof Kleingewerbe eingezogen – Zimmerei, Dachdecker, Lebensmittelhandel. Aber es gibt immer noch zwei Vollerwerbslandwirte in dem kleinen Weiler. Wagelsried dürfte heute rund 25 Einwohner zählen. (von Olf Paschen)

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