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Terracotta-Töne sollen den Gebäuden auf dem Hofgut Holzhausen eine mediterrane Anmutung verleihen.

Serie: Häusergeschichten (8)

Toskana-Flair im alten Hofgut

Mit der Sanierung des Hofguts in Holzhausen entsteht in der Gemeinde Alling gerade ein wahres Paradies für Pferdehalter. Und irgendwann, so hoffen die Besitzer, können sie auch selbst eines Tages im Gutshaus wohnen.

Alling – Von außen wirkt das Gut noch recht unspektakulär. Ein altes, verfallenes Gebäude, davor Sträucher und hohes Gras. Begibt man sich allerdings direkt auf das Gelände, erkennt man, dass hier nach und nach ein wahres Kleinod entsteht. Benedicte (45) und Georg Fischer (58), die jetzigen Besitzer, leisten hier tagtäglich Schwerstarbeit, um das um 1900 erbaute Gut in Holzhausen wieder ansehnlich werden zu lassen.

Die Stallungen und Boxen wurden zum Teil bereits saniert.

Und zu einem großen Teil ist ihnen das bereits gelungen: Der Stall ist schon in einem Topzustand, auf der Koppel dahinter tummeln sich bereits einige Pferde. Bei der Sanierung in den Stallungen ist auch viel geschehen: Georg Fischer hat mit Handwerkern die Gewölbe freigelegt, die Ziegel abgeschliffen und alles neu verfugt. Zur Verkleidung der tragenden Säulen konnte sich der Ingenieur mehrere Schubkarrenladungen roter Backsteinziegel sichern, die nach Abriss des Wirtshauses im Ort angefallen waren.

Sämtliche Boxen, die Umkleideräume und auch der Aufenthaltsraum mit kleiner Bar wurden mit Liebe fürs Detail erneuert. Dabei soll am Ende das gesamte Hofgut mit einem mediterranen Stil durchzogen werden. Zu sehen ist das bereits an den Bögen, den orangefarbenen und gelben Wänden und den Ziegeln. Die Fischers erfreuen sich daran, an lauschigen Sommerabenden auf der Terrasse vor dem Stall zu sitzen. Dann vergesse man beinahe, in Holzhausen und nicht in der Toskana zu sein.

Von vielen wurden die Beiden für ihr Projekt nur müde belächelt. Sie bekamen zu hören, dass sie Sanierung nicht rentabel oder gar utopisch sei. „Reißt alles ab und baut zwölf Einfamilienhäuser rein“, lautete einer von vielen Ratschlägen, die das Ehepaar erhielt. Durch die Mieteinnahmen hätten sie sich dann leicht zur Ruhe setzen können. „Das machen wir aber nicht“, sagt Georg Fischer lachend.

Der Aufenthaltsraum für die Reiter wurde mit viel Liebe zum Detail erneuert.

Für das Mammutprojekt „Kernsanierung Hofgut Holzhausen“ beraumten die Fischers 2013 einen Zeitraum von fünf Jahren an. Fertig sind sie allerdings noch lange nicht. Bisher konnten lediglich ein Großteil der Stallungen und das dahinter befindliche Gelände restauriert werden. Inzwischen geht Georg Fischer von einer Fertigstellung im Jahr 2022 aus: „Speziell am Anfang ist zu viel Unvorhersehbares auf uns zugekommen“, erklärt er die langen Verzögerungen.

Eine erste große Ernüchterung gab es für die Fischers bereits bei der ersten Begehung des Geländes. Die Pferdekoppel befand sich in einem miserablen Zustand. Wildwuchs säumte das von Bauschutt übersäte Areal.

Zu allem Überfluss waren auch noch sämtliche Drainagen zerstört, ein nicht unerheblicher Teil des Geländes stand unter Wasser. „Zu unserem Baggersee kam dann auch noch ein Schwimmbad in der Reithalle“, erzählt Georg Fischer von einer plötzlichen Überschwemmung. Aber nicht nur bauliche Probleme brachten das Projekt immer wieder ins Stocken.

Noch nicht alle Gebäude sind wieder in einen guten Zustand versetzt.

Im ersten Jahr nach dem Kauf musste sich das Ehepaar Fischer zunächst einmal mit der Justiz herumschlagen. Der hoch verschuldete Vorbesitzer habe das Gelände nicht räumen wollen. Auch aus diesem Grund habe es vor der Zwangsversteigerung keine Möglichkeit für eine Begehung des über fünf Hektar großen Geländes gegeben. Man habe, sagt Benedicte Fischer, „die Katze im Sack gekauft“. Aber trotz aller Unwägbarkeiten wollte das Ehepaar seinen Traum verwirklichen.

In Zukunft wollen die beiden auf dem Gelände auch wohnen, was momentan noch nicht ganzjährig möglich ist. Die Heizung im Wohnhaus war irreparabel und musste entfernt werden. „Und bei Minusgraden und eiskaltem Wasser zu duschen, ist dann wahrlich keine Freude“, erzählen die beiden.

Dass die Pferde sich wohlfühlen, ist für Benedicte und Georg Fischer im Moment das Wichtigste. Bis das Hofgut auch für sie ein echtes Zuhause ist, wird noch Zeit vergehen.

Deshalb stehen nun im zweiten Teil der Sanierung die Wohnanlagen im Zentrum. Im ersten Stock des Gutshauses hat das Ehepaar Fischer bereits erste Gehversuche dazu unternommen. Aber am wichtigsten ist den Beiden, dass der Reitbetrieb geregelt vonstatten geht und sich die Pferde wohlfühlen.

Matthias Kast

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